Leichtathletik

Mujinga Kambundji rast in den Schluss-Lauf, Wilson ohne Chance

Mujinga Kambundji drückt im 200-Meter-Lauf ihre Bestzeit von 23,05 auf 22,94 Sekunden und läuft damit in den Schluss-Lauf. Kollegin Léa Sprunger scheidet aus, auch Selina Büchel (800 Meter) und Alex Wilson (200 Meter) müssen ihre Koffer packen.

Zum Abschluss des dritten Tages der Leichtathletik-Europameisterschaften in Zürich setzte es eine grosse Überraschung ab. Pascal Martinot-Lagarde, der klare Favorit über 110 m Hürden, wurde lediglich Dritter. Dennoch gewann Frankreich zwei Goldmedaillen.

Im Hürdensprint der Männer war eigentlich nur die Frage, mit welcher Zeit Martinot-Lagarde gewinnen würde. Nachdem sich der Franzose im April von seiner langjährigen Trainerin Patricia Girard getrennt hatte, lief er in diesem Jahr zur grossen Form auf. Mitte Juli durchbrach der Showman beim Diamond-League-Meeting in Monaco mit 12,95 Sekunden erstmals die 13-Sekunden-Marke. Doch im Final im Letzigrund missriet ihm das Rennen komplett, riss er mehrere Hürden um. Bereits im März an den Hallen-Weltmeisterschaften in Sopot war er über 60 m Hürden als Favorit gescheitert und wurde Zweiter. Nutzniesser des schwachen Laufes von Martinot-Lagarde (13,28) war der Russe Sergej Schubenkow (13,18), der seinen Titel vor dem Briten William Sharman (13,26) erfolgreich verteidigte. Dass Martinot-Lagarde immerhin noch Bronze holte, lag daran, dass Dimitri Bascout (Fr) der 3. Rang wegen Behinderung aberkannt worden war.

Unglaubliches ereignete sich im Männerrennen über 3000 m Steeple. Nachdem Mahiedine Mekhissi-Benabbad, der Olympia-Zweite von 2008 und 2012, souverän gewonnen hatte, wurde er disqualifiziert, weil er vor der Zielgeraden das T-Shirt ausgezogen hatte. Damit verpasste es der Europarekordhalter auf leichtfertige Art und Weise, seinen dritten EM-Titel in Serie zu feiern. Gold erbte mit Yoann Kowal (8:26,66), ein Landsmann von Mekhissi-Benabbad. Der 27-Jährige sicherte sich erstmals an internationalen Meisterschaften im Freien eine Medaille. Silber holte der Pole Krystian Zalewski vor dem Spanier Angel Mullera - die Iberer waren es auch, die Protest eingelegt hatten.

Im Speerwurf der Frauen setzte Barbora Spotakova ihren Siegeszug nach der Baby-Pause fort. Die 33-jährige Tschechin setzte sich mit 64,41 m, geworfen im fünften Versuch, hauchdünn vor der Serbin Tatjana Jelaca durch - diese realisierte mit 64,21 eine persönliche Bestleistung. Für Spotakova war der Sieg insofern speziell, als sie zuvor noch nie Europameisterin geworden war. Nach zwei Olympia-Goldmedaillen (2008 und 2012) und dem WM-Sieg 2007 hat sie damit ihr Palmarès vervollständigt. Mit Bronze begnügen musste sich die Deutsche Linda Stahl (63,91), die lange in Führung gelegen hatte.

Im Stabhochsprung der Frauen bewies Anschelika Sidorowa Nerven aus Stahl. Die 23-jährige Russin liess als einzige 4,60 m aus. 4,65 m riss sie in den ersten beiden Versuchen. Da sämtliche drei verbliebenen Konkurrentinnen bereits dreimal auf dieser Höhe gescheitert waren, war vor dem letzten Sprung klar, dass sie entweder Gold holen oder Vierte werden würde. Sie hielt dem Druck stand und feierte nach Silber an der Hallen-WM 2014 und Bronze an den Hallen-EM 2013 den ersten grossen Titel. Leidtragende des erfolgreichen Pokers war die Deutsche Lisa Ryzih, die mit 4,71 m die Nummer 2 der Jahresweltbestenliste ist. Sie fiel auf Platz 4 zurück. Die weiteren Podestplätze belegten ebenfalls mit 4,60 m die Griechin Ekaterini Stefanidi, die heuer ebenfalls schon 4,71 m überquert hat, und die Russin Angelina Schuk-Krasnowa.

Im Dreisprung der Männer war der Franzose Benjamin Compaoré klar überlegen. Der Olympia-Sechste verbesserte im ersten Versuch seine Bestleistung um 15 Zentimeter auf 17,46 m. Auch in seinem zweiten und letzten gültigen Sprung erreichte er mit 17,18 m eine Weite, die keiner seiner Konkurrenten übersprang. Zweiter wurde der europäische Jahresbeste Ljukman Adams aus Russland (17,09) vor seinem Landsmann Alexej Fjodorow (17,04). Der als Titelverteidiger angetretene Italiener Fabrizio Donato (16,66) musste sich an seinem 38. Geburtstag mit Rang 7 begnügen.

Die Resultate

Zürich. Europameisterschaften. Final. Männer. 110 m Hürden (RW 0,5 m/s): 1. Sergej Schubenkow (Russ) 13,19. 2. William Sharman (Gb) 13,27. 3. Pascal Martinot-Lagarde (Fr) 13,28. 4. Balazs Baji (Un) 13,29. 5. Petr Svoboda (Tsch) 13,63. 6. Artur Noga (Pol) 14,24. - Bemerkung: Der drittklassierte Dimitri Bascou (Fr) wurde disqualifiziert.

3000 m Steeple: 1. Yoann Kowal (Fr) 8:26,66. 2. Krystian Zalewski (Pol) 8:27,11. 3. Angel Mullera (Sp) 8:29,16. 4. Sebastian Martos (Sp) 8:30,08. 5. Iwan Lukjanow (Russ) 8:32,50. 6. Jukka Keskisalo (Fi) 8:32,70. - Bemerkung: Der vermeintliche Sieger Mahiedine Mekhissi-Benabbad wurde nach einem Protest des spanischen Verbands disqualifiziert.

Drei: 1. Benjamin Compaoré (Fr) 17,46. 2. Ljukman Adams (Russ) 17,09. 3. Alexej Fjodorow (Russ) 17,04. 4. Yoann Rapinier (Fr) 17,01. 5. Marian Oprea (Rum) 16,94. 6. Nelson Evora (Por) 16,78.

Frauen. Stab: 1. Anschelika Sidorowa (Russ) 4,65. 2. Ekaterini Stefanidi (Grie) 4,60. 3. Angelina Schuk-Krasnowa (Russ) 4,60. 4. Lisa Ryzih (De) 4,60. 5. Angelica Bengtsson (Sd) 4,45. 6. Jirina Svoboda (Tsch) 4,45.

Speer: 1. Barbora Spotakova (Tsch) 64,41. 2. Tatjana Jelaca (Ser) 64,21. 3. Linda Stahl (De) 63,91. 4. Madara Palameika (Lett) 62,04. 5. Taziana Chaladowitsch (WRuss) 61,66. 6. Martina Ratej (Sln) 61,58.

20 km Gehen: 1. Elmira Alembekowa (Russ) 1:27:56. 2. Ljudmyla Oljanowska (Ukr) 1:28:07. 3. Anezka Drahotova (Tsch) 1:28:08. 4. Vera Sokolowa (Russ) 1:28:24. 5. Eleonora Giorgi (It) 1:28:28. 6. Ana Cabecinha (Por) 1:28:40. Ferner: 19. Laura Polli (Sz) 1:33:22. 21. Marie Polli (Sz) 1:34:39.

Siebenkampf. Stand nach dem 1. Tag: 1. Nafissatou Thiam (Be) 3851 Punkte (100 m Hürden 14,05/Hoch 1,97/Kugel 14,29/200 m 25,19). 2. Carolin Schäfer (De) 3845 (13,20/1,82/13,37/23,84). 3. Nadine Boersen (Ho) 3841 (13,48/1,94/13,35/25,08). 4. Antoinette Nana Djimou (Fr) 3793. 5. Anastasija Mochnjuk (Ukr) 3790. 6. Anouk Vetter (Ho) 3718. Ferner: 13. Ellen Sprunger (Sz) 3638 (13,65/1,73/13,42/24,17). 18. Valérie Reggel (Sz) 3519 (13,79/1,70/13,70/25,05). 21. Linda Züblin (Sz) 3388 (13,60/1,67/13,17/26,02).

Vorläufe und Qualifikationen

Männer. 200 m. Vorlauf. 1. Serie (GW 1,5 m/s): 1. Sergej Smelyk (Ukr) 20,49. - 2. Serie (RW 0,4 m/s): 1. Christophe Lemaitre (Fr) 20,43. Ferner: 3. Alex Wilson (Sz) 20,61. - 3. Serie (GW 0,4 m/s): 1. Danny Talbot (Gb) 20,63. - 4. Serie (GW 0,2 m/s): 1. Adam Gemili (Gb) 20,39. Ferner: 7. Joel Burgunder (Sz) 21,24. - Wilson als Gesamt-8. in den Halbfinals, Burgunder als Gesamt-25. ausgeschieden.

Halbfinal. 1. Serie (GW 0,4 m/s): 1. Lemaitre 20,26. Ferner: 6. Wilson 20,76. - 2. Serie (RW 0,4 m/s): 1. Adam Gemili (Gb) 20,23. - Wilson als Gesamt-13. ausgeschieden.

110 m Hürden. Halbfinal. 1. Serie (RW 0,4 m/s): 1. Sharman 13,16. - 2. Serie (GW 0,3 m/s): 1. Pascal Martinot-Lagarde 13,17.

Stab. Qualifikation. 1. Gruppe: 1. Renaud Lavillenie (Fr) 5,60. - 2. Gruppe: 1. Jan Kudlicka (Tsch) 5,60. Ferner: 9. Marquis Richards (Sz) 5,40. - Richards als Gesamt-15. ausgeschieden.

Diskus. Qualifikation. 1. Gruppe: 1. Marcel Lomnicky (Slk) 77,06. Ferner: 10. Martin Bingisser (Sz) 64,62. - 2. Gruppe: 1. Pawl Fajdek (Pol) 77,45. - Bingisser als Gesamt-21. ausgeschieden.

Frauen. 200 m. Vorlauf. 1. Serie (RW 0,1 m/s): 1. Bianca Williams (Gb) 23,38. Ferner: 5. Joëlle Golay (Sz) 23,82. - 2. Serie (RW 0,1 m/s): 1. Jodie Williams (Gb) 22,88. 2. Mujinga Kambundji (Sz) 23,05. - 3. Serie (RW 0,1 m/s): 1. Dafne Schippers (Ho) 22,73. - 4. Serie (GW 0,4 m/s): 1. Jamile Samuel (Gb) 23,10. 2. Lea Sprunger (Sz) 23,15. - 5. Serie (RW 0,1 m/s): 1. Dina Asher-Smith (Gb) 22,75. 2. Myriam Soumaré (Fr) 22,97. - Kambundji als Gesamt-5. und Sprunger als Gesamt-8. in den Halbfinals, Golay als Gesamt-25. ausgeschieden.

Halbfinal. 1. Serie (RW 0,3 m/s): 1. Soumaré 22,56. 2. Asher-Smith 22,61. Ferner: 4. Lea Sprunger 23,12. - 2. Serie (GW 0,6 m/s): 1. Schippers 22,48. 2. Bianca Williams 22,91. 3. Kambundji 22,94. - 3. Serie (RW 0,3 m/s): 1. Jodie Williams 22,90. 2. Samuel 23,18. - Kambundji als Gesamt-6. im Final, Lea Sprunger als Gesamt-10. ausgeschieden.

800 m. Halbfinal. 1. Serie: 1. Maryna Arsamasowa (WRuss) 2:00,36. - 2. Serie: 1. Lynsey Sharp (Gb) 2:01,32. 2. Jekaterina Poistogowa (Russ) 2:01,45. 3. Jessica Judd (Gb) 2:01,53. 4. Selina Büchel (Sz) 2:01,80. - Büchel als Gesamt-9. ausgeschieden.

400 m Hürden. Halbfinal. 1. Serie: 1. Anna Titimez Ukr) 54,90. Ferner: 8. Petra Fontanive (Sz) 57,53. - 2. Serie: 1. Eilidh Child (Gb) 54,71. Ferner: 7. Valentine Arrieta (Sz) 57,00. - Arrieta als Gesamt-14. und Fontanive als Gesamt-16. ausgeschieden.

Der Liveticker

Coverit Tagesticker 3 Leichtathletik-EM

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