Mit 27 Frauen und 26 Männern ist Swiss Athletics ab Dienstag an den Europameisterschaften in Zürich vertreten. Damit hat der Verband sein erstes Ziel bereits klar übertroffen. Ursprünglich hatte er eine Delegation von mindestens 30 EM-Startern angestrebt. «Wir sind stolz, dass wir mit einem so grossen Team antreten können», sagte Peter Haas, Leistungssportchef von Swiss Athletics, gestern anlässlich der Teampräsentation.

Über Qualität auszeichnen

Haas machte klar, dass sich die Erwartungen des Verbandes nicht auf die Quantität der Athleten beschränken. «Die Selektionsphase ist jetzt passé, und an der EM beginnen die Wettkämpfe wieder bei null», sagte er. «Jetzt müssen wir uns über Qualität auszeichnen.» Konkret will Swiss Athletics mindestens eine Medaille gewinnen. Zudem strebt das Schweizer Team sechs Klassierungen in den Top 8 und weitere acht Resultate in den Top 16 an.

Tadesse Abraham als Hoffnungsträger

Dass sich das Schweizer Team berechtigte Hoffnungen auf Edelmetall machen darf, liegt in erster Linie an den Marathonläufern Tadesse Abraham und Viktor Röthlin. Der gebürtige Eritreer, der seit über zehn Jahren hierzulande lebt und erst im Juni die Schweizer Staatsbürgerschaft erhielt, figuriert in der Meldeliste an erster Stelle. Kein anderer Europäer hat die 42,125 km seit Beginn der Qualifikationsphase im Frühling 2013 schneller zurückgelegt als Abraham, der übermorgen am Tag der EM-Eröffnung seinen 32. Geburtstag feiern kann.

Röthlin in Lauerstellung

Viktor Röthlin, der am Schlusstag als Titelverteidiger zum Marathon starten wird, kann die viertbeste Meldeleistung vorweisen. Wie Abraham kann der Schweizer Rekordhalter auf eine wunschgemässe Vorbereitungsphase zurückblicken. Dem 39-jährigen Obwaldner, der mit dem EM-Marathon seine Karriere als Spitzensportler beendet, dürfte zudem der anforderungsreiche Parcours entgegenkommen. Als Pièce der Résistance der Strecke in der Zürcher Innenstadt gilt der viermal zu bewältigende Aufstieg vom Central zur Polyterrasse mit der anschliessenden Abwärtspassage über die Rämistrasse zum Bellevue.

Erstmals Nationenwertung im Marathon

Dank Abraham und Röthlin hat die Schweiz auch in der Teamwertung reelle Chancen auf eine Top-3-Platzierung. Erstmals werden an einer EM auch für die besten Nationen im Marathon Medaillen vergeben, wobei die drei besten Einzelresultate berücksichtigt werden.

Auch Staffel Medaillenaspirant

Mit Edelmetall liebäugelt auch die 4x100-m-Staffel der Frauen, die mit ihrem Schweizer Rekord an der Athletissima in Lausanne (42,94 Sekunden) die viertbeste Meldezeit vorweisen kann. Nur Holland, Deutschland und Grossbritannien waren in diesem Jahr noch schneller. Allerdings gibt es weitere Nationen wie Frankreich oder die Ukraine, die stark einzustufen sind.

Viele Aussichten auf Finalplätze

Die heissesten Kandidaten auf einen Finalplatz (Top 8) sind Kariem Hussein (400 m Hürden), Nicole Büchler (Stabhochsprung), Fabienne Schlumpf (3000 m Steeple), Noemi Zbären (100 m Hürden) und Maja Neuenschwander (Marathon), die gemessen an ihrer Saisonbestleistung alle zu den zehn besten in ihrem Startfeld gehören. Nicht in jeder Disziplin ist die Meldeliste jedoch gleich aussagekräftig. So ist beispielsweise auch der 800-m-Läuferin Selina Büchel der Finaleinzug zuzutrauen, obwohl in dieser Saison gleich 20 Konkurrentinnen schneller liefen. Die 23-jährige Toggenburgerin hat schon oft gezeigt, dass in taktischen Rennen mit ihr zu rechnen ist – so insbesondere mit ihrem 4. Platz an der Hallen-WM im März in Sopot (Pol). Für eine Überraschung gut ist auch Lisa Urech. Die Schweizer Rekordhalterin über 100 m Hürden ist nach langer Verletzungspause wieder zu Grosstaten bereit.