José Mourinho hat keine Lust. Absolut keine Lust. Das kann er in keiner Weise verbergen. Als er gut anderthalb Stunden nach der Landung in Basel das Podium im Pressezentrum des St. Jakob-Parks betritt, ist sofort klar: Die gute Laune, die er im morgendlichen Abschlusstraining auf dem Trainingsgelände von Manchester United noch überraschenderweise an den Tag gelegt hat, ist irgendwo auf den 1083 Kilometern zwischen Manchester und Basel verloren gegangen.

Mourinho und seine «mind games»

In seinem Reise-Outfit nimmt er Platz. Früher als geplant. Als wolle er sagen: Je eher ich hier bin, desto eher ist es durch. Pressekonferenzen zu früh zu beginnen, gehört zum Repertoire von Mourinhos «mind games», mit denen er Journalisten, Gegner und Fans immer wieder in die Irre führt.

Er, der selbst ernannte «special one», entscheidet schliesslich selbst, wann er erscheint. Schlimm genug schon, dass er überhaupt diesen Umweg hat in Kauf nehmen müssen, statt bereits gemütlich im Hotel sitzen zu können.

Gewohntes Bild: Genervt

So setzt er sich hin, wie man es vom 54-jährigen Portugiesen nicht anders gewohnt ist: der Blick genervt, die Mundwinkel nach unten gezogen, die Arme verschränkt. Ohne auch nur ein Wort gesagt zu haben, gibt er das Statement ab: Auf eure Fragen und eure Gesichter habe ich keinen Bock.

Zum einen, weil die Presse alles andere als des Portugiesen Freund ist. Zum anderen aber auch, weil er genau zu ahnen scheint, was die Vertreter ebendieser Presse würden wissen wollen. Er lacht ja nicht einmal nach einem Spiel wie jenem am Samstag gegen Newcastle.

4:1 gewinnt sein Team, zwei seiner lange Zeit vermissten Stars geben ihr Comeback. Wie soll er bitte vor Freude sprühen, wenn er sich für die Abwesenheit gewisser Spieler rechtfertigen muss?

«Der beste Trainer überhaupt»

«Es frustriert mich, dass ihr mir immer Fragen stellt zu Spielern, die nicht spielen oder nicht in bester Form sind», kontert er, sichtlich noch genervter, nachdem er nach dem Grund von Henrikh Mchitarjan Streichung aus dem Kader am Wochenende gefragt wird.

Mourinho mag es nicht, wenn über seine Spieler geredet wird. Auch deshalb inszeniert sich der exzentrische Portugiese immer wieder selber. Er will die Medien auf sich und seine streitbare Persönlichkeit lenken statt auf den Fitnesszustand seiner Schützlinge. Diese sollen sich auf das Wesentliche konzentrieren können.

Gegen aussen eckt Mourinho damit an. Wirkt arrogant. Selbstverliebt. Gegen innen aber wird seine Aufopferung geschätzt. «Wir gewöhnen uns mehr und mehr an ihn und seine Art», sagte Chris Smalling zwar und implizierte damit, dass der Boss nicht gerade einfach im Umgang ist. Aber er ergänzte auch: «Er ist einer der besten Trainer überhaupt.»

«Nach dir, kann ich keinen anderen Trainer haben»

Ja, Mourinho ist gewöhnungsbedürftig. Aber er weiss, wie er mit seinen Spielern umgehen muss, sie schützen kann. Er dringt zu Typen wie Zlatan Ibrahimovic durch. Etwas, das Pep Guardiola nie gelang. Und er lässt Männer wie Marco Materazzi bitterlich weinen, wenn er ihnen erzählt, dass er ab sofort nicht mehr ihr Trainer sein würde.

«Nach dir kann ich keinen anderen Trainer mehr haben», flüsterte dieser ihm ins Ohr, als sich ihre gemeinsamen Wege nach dem Gewinn der Champions League mit Inter Mailand trennten.

Das lange Warten

Der Gewinn der Champions League – genau diesen Triumph will Mourinho wieder erleben. Sieben Jahre ist es nun her. Mit Real Madrid blieb es ihm verwehrt. Ebenso in seiner zweiten Amtszeit bei Chelsea. Deshalb soll die achtjährige Wartezeit im Sommer mit Manchester United beendet werden. Die Qualifikation für die K.-o.-Phase hat er so gut wie in der Tasche.

Auch deshalb wird er heute gegen den FC Basel nicht die beste Mannschaft aufstellen. Paul Pogba wird zwar – entgegen den Überlegungen vom Samstag, ihn zu schonen – spielen. Der französische Regisseur braucht Minuten, ebenso wie Marcos Rojo und Zlatan Ibrahimovic.

Wird sich die Laune bessern?

«Er beginnt das Spiel auf der Bank und wird eingewechselt, wenn alles normal läuft. Er ist noch nicht in der Verfassung, von Beginn an zu spielen.» Sowieso könne er nicht alle von Beginn an bringen, denn «solange das International Board die Regeln nicht ändert, kann ich nur mit elf Spielern spielen».

Knappe zehn Minute musste Mourinho diesen unangenehmen Pflichttermin über sich ergehen lassen, bevor heute gegen den FCB der nächste ansteht. United kann als grosser Favorit nur verlieren. Sollte das eintreffen, sollte United verlieren, man will sich Mourinhos Laune gar nicht ausmalen.