Analyse
Lehrstunde für Sousa: Innert Kürze erstaunlich viel Unruhe gestiftet

Eine Niederlage bei Real Madrid ist keine Katastrophe. Auch nicht ein 1:5. Das ist schon anderen passiert. Es gibt keinen Grund, den Kopf hängen zu lassen. Aber es ist an der Zeit, die Gedankengänge von Trainer Paulo Sousa zu hinterfragen.

Etienne Wuillemin
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Verspekuliert: Paulo Sousa muss sich nach dem 1:5 unangenehme Fragen gefallen lassen.

Verspekuliert: Paulo Sousa muss sich nach dem 1:5 unangenehme Fragen gefallen lassen.

Keystone

Zumal die Erfahrung aus dem letzten Jahr zeigt: Die entscheidenden Spiele um den Achtelfinal-Einzug finden nicht anfangs und auswärts beim Gruppenfavoriten statt. Sondern später in den Direktduellen. Letztes Jahr siegte Basel bei Chelsea – und schied doch noch aus. Nun stehen die entscheidenden Spiele gegen Liverpool und Rasgrad an. Vor allem für das Duell mit den Engländern am 1. Oktober gilt: Ein FCB-Sieg ist Pflicht.

Von den harten zu den weichen Faktoren. Um diese ist es beim FCB nicht nur gut bestellt. Paulo Sousa, der neue FCB-Trainer, hat es innert Kürze geschafft, erstaunlich viel Unruhe zu stiften – und das trotz bis anhin akzeptablen Resultaten. Mit seinem ständigen Rotieren verunsichert Sousa das Team.

Dafür hat er nun ein erstes Mal eine saftige Quittung erhalten. Fabian Schär ist ein Ausnahmetalent. Zurzeit der einzige Schweizer Innenverteidiger, der das Spiel ankurbeln kann. Doch Sousa demontiert ihn nach allen Regeln der Kunst. Er wechselt ihn nach Belieben aus, tadelt seine menschlichen Emotionen. Marek Suchy ergeht es nicht besser. Warum Sousa dagegen so auf den 36-jährigen, hüftsteifen Samuel steht, ist unerklärlich.

Sousa versprach in Madrid ein mutiges Basel. Und entsandte mit seiner ultradefensiven Aufstellung das gegenteilige Zeichen. Warum nur reisst er beispielsweise das Erfolgsduo Streller/Gashi auseinander?

Die beiden erzielten acht der bisherigen 19 FCB-Saisontore. Und sie trafen immer nur dann, wenn sie zusammen auf dem Platz standen. Sousas erster Auftritt als Trainer in der Champions League wurde nicht nur für die Spieler, sondern vor allem für ihn zur Lehrstunde. Zur Erinnerung: Vor einem Jahr besiegte der FCB dank Murat Yakins taktischen Meisterleistung Chelsea.

Die FCB-Führung betonte immer, ein Verein dürfe sich nie zu sehr in die Hände eines Trainers begeben. Sie muss aufpassen, dass mit Sousa nicht genau dies geschieht.