Langnaus Haussegen hängt schief

Trainer Heinz Ehlers hat in Langnau einen Vertrag bis 2021. Aber das will im Eishockey wenig heissen.

Klaus Zaugg
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Heinz Ehlers ist seit Oktober 2016 Trainer in Langnau. Wie lange er noch bleibt, ist offen.

Heinz Ehlers ist seit Oktober 2016 Trainer in Langnau. Wie lange er noch bleibt, ist offen.

Bild: Marcel Bieri/Keystone, Langnau, 15. Februar 2020

Beginnen wir mit einem frivolen Vergleich: Ist eine Ehe noch zu retten, wenn der Herr des Hauses seiner treu ergebenen Gattin erklärt, sie müsse sich für eine Fortsetzung des Zusammenlebens durch Wohlverhalten qualifizieren? Die Wahrscheinlichkeit ist gross, dass es nach einer solchen Taktlosigkeit nie mehr so sein wird wie vorher.

Die Taktlosigkeit von Sportchef Marco Bayer

Marco Bayer, Sportchef der SCL Tigers.

Marco Bayer, Sportchef der SCL Tigers.

(Bild: Marcel Bieri / KEYSTONE)

Heinz Ehlers holt in Langnau in einer Art und Weise ein Maximum aus einem Minimum heraus, die an die biblische Speisung der 5000 mahnt. Sozusagen ein HC Thurgau des reichen Mannes. Aber das ist nur möglich mit Harmonie in der Kabine. Kein Löschblatt darf zwischen den Sportchef, den Trainer und die in- und ausländischen Spieler passen. Hausgemachte Konflikte können zu einer Beeinträchtigung der Leistungskultur führen. Im Dezember hat sich Sportchef Marco Bayer eine Taktlosigkeit geleistet, die wie wir jetzt erkennen, nicht mehr gutzumachen ist. Chris DiDomenico ist Langnaus charismatischster und sensibelster Spieler. Er ist Langnau mit leidenschaftlicher Hingabe verbunden. An eine Scheidung denkt der Stürmer nicht im Traum. Und dann verkündet der Sportchef in der klubnahen «Berner Zeitung» ohne jede Not, Chris DiDomenico müsse sich erst für eine Fortsetzung der Zusammenarbeit empfehlen.

Ungemütliche Lage hinter den Playoff-Plätzen

Selten haben so wenige Worte im Sport so viel zerstört. Es gelingt zwar Freunden, den aufgebrachten, tief in seinem Stolz verletzten Kanadier einigermassen zu beruhigen. Aber die Magie ist weg und das undenkbare Wirklichkeit geworden: Chris DiDomenico verlässt Langnau per Ende Saison und wechselt zu Gottéron. Zum Zeitpunkt der unbedachten Worte ihres Sportchefs hatten die SCL Tigers vier Punkte Reserve auf den Trennstrich und gar sieben Punkte auf den elften Rang. Inzwischen sind die Emmentaler in eine höchst ungemütliche Lage geraten. Der Rückstand auf den letzten Playoff-Platz beträgt zwar nur vier Punkte. Aber sie stehen punktgleich mit Ambri auf dem zweitletzten Platz, der am Ende der Saison die Playouts bringt.

Getrübte Beziehung zwischen Sportchef und Trainer

Aus einer Mannschaft, die fast 100 Spieltage in den Playoff-Rängen verbracht hat, ist ein Krisenteam geworden, das im Kopf die Playoffs hat und mit den Füssen in der Swiss League steht. Im neuen Jahr sind Chris DiDomenico nur noch zwei Tore gelungen. Nun bangen die Langnauer auch noch um Heinz Ehlers. Seit seinem Amtsantritt am 3. Oktober 2016 bis zum verbalen Ausrutscher des Sportchefs im vergangenen Dezember war es in Langnau ruhig. Seither ist es nicht mehr ruhig, die Harmonie geheuchelt und die Beziehung zwischen Sportchef und Trainer getrübt. Heinz Ehlers ist soeben gefragt worden, ob er unter den veränderten Umständen auch nächste Saison Trainer in Langnau bleibe. Er sagte: «Ich habe einen Vertrag.» Auf den höflichen Einwand, das wolle in diesem Geschäft wenig heissen, erwiderte er: «Ich habe ihre Frage doch soeben beantwortet.» Diese Trainer-Ehe ist gefährdet.