Nordische Gedanken
Langlauf schlägt König Fussball

Der Langlauf ist in Finnland sehr beliebt. Die hohen TV-Einschaltquoten und WM-Besucherzahlen belegen dies. Doch Finnland machte auch mit den dunklen Seiten des Volkssports Bekanntschaft: Zum Beispiel beim grössten Doping-Skandal des Landes an der WM 2001.

Rainer Sommerhalder
Rainer Sommerhalder
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Die Nordische WM ist ein grosses Highlight für die Finnen.

Die Nordische WM ist ein grosses Highlight für die Finnen.

Keystone

Nordische Weltmeisterschaften haben in Finnland eine lange Tradition. Zum siebten Mal bereits finden sie in Lahti, eine Autostunde nördlich der Hauptstadt Helsinki gelegen, statt. Weltrekord!

Dass das Land, welches in diesem Jahr seine 100-jährige Unabhängigkeit feiert, so oft berücksichtigt wird, hat seine guten Gründe. Hinter den Norwegern sind die Finnen die zweitfleissigsten Medaillensammler in der WM-Geschichte.

Insbesondere der Langlauf ist extrem populär. Derart gefragt, dass sich ein finnisches Pay-TV vor fünf Jahren die Rechte für die Weltcupübertragungen gesichert hat. Immerhin laufen die WM und die Rennen im eigenen Land im Sinne einer staatlichen Sportförderung auf frei zugänglichen Kanälen.

Auch die Einschaltquoten haben es in sich. So schauten zuletzt mehr Leute die finnischen Langlauf-Meisterschaften im TV als das Spitzenspiel der englischen Premier League. Und es soll niemand behaupten, die Finnen seien keine Fussball-Fanatiker.

Auch die sieben Weltmeisterschaften in Lahti setzten einige historische Marksteine. 1926 organisierte der Ort die erst zweiten Titelkämpfe der Geschichte. 15 Nationen massen sich in vier Wettkämpfen.

1958 besuchten erstmals mehr als 200 000 Zuschauer eine nordische WM. 1989 folgte der Höhepunkt mit unglaublichen 460 000 Fans an der Loipe. Der Effekt blieb nicht aus: Finnland gewann ein Drittel aller Medaillen.

Lahti erlebte aber auch den Tiefpunkt in der Geschichte des Langlaufs, als 2001 der grösste Dopingskandal in dieser Sportart mit sechs überführten einheimischen Athleten dem Land schier das Herz brach. Die aktuellen Titelkämpfe dienen den Finnen auch ein wenig zur endgültigen Versöhnung.

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