Auch an den Olympischen Spielen in Pyeongchang möchte Schnider einen nächsten Schritt in Richtung Weltklasse tun. Achter war er beim Sprint an der Weltmeisterschaft 2015 in Falun. Doch der Klassisch-Spezialist sagt: «Bei Grossanlässen zählen eigentlich nur die Medaillen.»

«Bei Grossanlässen zählen eigentlich nur die Medaillen.»

«Bei Grossanlässen zählen eigentlich nur die Medaillen.»

Ein schöner Juni-Tag im Unterengadin. Ueli Schnider steht beim Grenzübergang Martina und kontrolliert in die Schweiz einreisende Fahrzeuge. In der adretten Uniform wirkt der 27-Jährige älter und ungewohnt streng. Ruhig, aber bestimmt fordert er einen Automobilisten auf, seinen Wagen zu verlassen. Schnider will einen Blick in den Kofferraum werfen. Alles im grünen Bereich, der Fahrer darf seine Reise fortsetzen.

Mehr als nur Lohnempfänger

Der Langläufer mit Spezialität Sprint und dem Potenzial für alle Distanzen – 2017 war er Schweizer Meister über 50 Kilometer – ist einer von zwölf aktiven Wintersportathleten, die beim Schweizer Grenzwachtkorps angestellt sind. Die Prioritäten liegen zwar klar beim Sport, werden Schnider und seine Kollegen doch von November bis April für Trainings und Wettkampf gänzlich freigestellt. Trotzdem sind die Spitzensportler weit mehr als Lohnempfänger und Werbebotschafter.

Wie alle Grenzwächter hat auch Schnider 2013 mit einem 100-Prozent-Pensum die reguläre Ausbildung absolviert. Nach der Saison arbeitet er je nach Intensität der Saisonvorbereitung der Langläufer in einem bestimmten Pensum an der Grenze. «Das Grenzwachtkorps leistet eine super Spitzensportunterstützung», sagt Ueli Schnider aus eigener Erfahrung.

Sinn macht dieses Engagement, welches übrigens auch Biathlon-Olympiamedaillengewinnerin Selina Gasparin leistet, allerdings nur, wenn der berufliche Horizont auch nach der Sportkarriere in diese Richtung weist. Für Schnider war nach der Matura schnell einmal klar, dass er sich neben der grossen sportlichen Leidenschaft auch ein berufliches Standbein aufbauen will.

Als Langläufer habe er seine Grenzen noch nicht erreicht, so Ueli Schnider.

Als Langläufer habe er seine Grenzen noch nicht erreicht, so Ueli Schnider.

Dieses benötigt er, der nicht alleine vom Langlauf leben kann, nur schon aus finanziellen Überlegungen. «Und zu wissen, wie es nach der Sportkarriere weitergeht, wirkt auch befreiend auf das Leben als Athlet», sagt Schnider.

Adrenalin-Kick gehört dazu

Den eingeschlagenen Weg zum Grenzwächter hat er bis heute nie bereut. «Ich sehe mich in Zukunft in diesem Beruf», sagt Schnider bestimmt. Er sei sehr gerne draussen an der frischen Luft, geniesse den häufigen Kontakt mit Menschen und generell die Vielseitigkeit des Berufs. «Du weiss am Morgen nie, was alles auf dich zukommt.»

Auch ein gewisser Adrenalin-Kick gehört dazu. Der Entlebucher erinnert sich an eine Blaulicht-Fahrt während seiner Ausbildung im St. Galler Rheintal, als eine Person die Grenze illegal überquert hatte.

«Als Dario in Vancouver eine Medaille gewann, sind wir in die Luft gesprungen»

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Langläufer Ueli Schnider über olympische Erinnerungen und seine Ambitionen für Südkorea.

Auch Ueli Schnider selbst ist derzeit mit ziemlicher Intensität unterwegs, um sich seine Olympia-Träume zu erfüllen. Er pendelt von seinem Wohnort Flühli nach Davos ins nationale Leistungszentrum der Langläufer, ins Unterengadin zum Dienst an der Grenze, ins Allgäu zu seiner Freundin Sophie Krehl, einer talentierten deutschen Langläuferin, oder in eines der vielen Trainingslager des Nationalkaders nach Norwegen, Sardinien und Ostdeutschland. «Man muss schon überzeugt sein von dem, was man macht», sagt Schnider dazu.

Bietet seine prall gefüllte Agenda ausnahmsweise eine Lücke an, dann nützt sie Ueli Schnider zum Bergwandern oder Klettern. Auch hier geht der Entlebucher gerne an seine Grenzen – immer wissend, wo diese im Moment liegen.

Weil er überzeugt ist, dass er sie als Langläufer noch nicht erreicht hat, geht sein Fokus mindestens bis zur Weltmeisterschaft 2019 in Seefeld. Zuerst aber steht nun Südkorea vor der Türe. Und auch hier gilt: The sky is the limit!