Diamond-League-Meeting

Langhürdler straucheln nicht: Lea Sprunger und Kariem Hussein sorgen für die Highlights

Lea Sprunger verpasste in Lausanne den Schweizer Rekord über 400 m Hürden nur knapp und wurde Zweite.

Lea Sprunger verpasste in Lausanne den Schweizer Rekord über 400 m Hürden nur knapp und wurde Zweite.

Lea Sprunger und Kariem Hussein sorgen für die Highlights in Lausanne. Die Schweizer Frauen-Staffel setzt ein dickes Ausrufezeichen und verbessert den Landesrekord über 4x100 m deutlich.

Das Diamond-League-Meeting in Lausanne ist eine von zwei ganz grossen Bühnen für die Aushängeschilder der Schweizer Leichtathletik. Nicht alle konnten gestern Abend die inzwischen hohen Erwartungen ans heimische Schaffen erfüllen. Als sicherer Wert erwiesen sich nicht zum ersten Mal die beiden 400-m-Hürdenläufer Kariem Hussein und Lea Sprunger.
Für die in Lausanne lebende Sprunger ist die Athletissima das Heimrennen schlechthin. Eine Herzensangelegenheit.

Und die 27-Jährige hat die Erwartungen erfüllt, auch wenn der nationale Rekord von Anita Protti weiterhin bestehen bleibt. Vier Hundertstelsekunden fehlten nach einer Bahnrunde. Protti konnte als Zuschauerin im Stadion zur Kenntnis nehmen, dass sie mit ihrer Zeit von 54,25 Sekunden auch nach 26 Jahren weiterhin die schnellste Schweizerin bleibt. Sprunger ihrerseits weiss, dass «wir zwar viel über diesen Rekord gesprochen haben, ihn aber nicht erzwingen können. Er kommt, wenn er kommt».

Dass sie nach ihren Bestleistungen über 200 m im Vorjahr und über 400 m am letzten Sonntag den «Hattrick» eher früher als später realisieren wird, stelle sie gestern unter Beweis. Um nochmals 34 Hundertstel verbesserte sie ihre persönliche Bestmarke, die ebenfalls erst ein Monat alt war. «Ich bin überzeugt, dass ich unter 54 Sekunden laufen kann», sagte die Westschweizerin im emotionalen Hoch ihres zweiten Ranges inmitten eines Weltklassefelds.

«Ich freue mich wirklich mega. Ich hatte bis zum Schluss über die Hürden einen sehr guten Rhythmus. Vor dem Rennen spürte ich noch ein wenig Respekt davor.» Die erneute Steigerung gibt Sprunger die Gewissheit, dass das persönliche Ziel «WM-Final» durchaus realistisch bleibt.

Sieg für Kariem Hussein

Ein noch besseres Resultat gelang ihrem männlichen Pendant Kariem Hussein. Der Europameister von 2014 zog auf der Zielgeraden unwiderstehlich an seinen Gegnern vorbei. In 48,79 blieb er erstmals in diesem Jahr unter 49 Sekunden und liess den starken Amerikaner Byron Robinson (48,88) und den Esten Rasmus Mägi (48,94) hinter sich. «Dieser Sieg gibt Selbstvertrauen», sagte der 28-Jährige. Aber auch, dass das Rennen «längst noch nicht perfekt war». Er glaubt, dass es eine noch etwas aggressivere Startphase leiden mag, ohne am Schluss dafür büssen zu müssen.

Kariem Hussein zog auf der Zielgeraden unwiderstehlich an seinen Gegnern vorbei.

Kariem Hussein zog auf der Zielgeraden unwiderstehlich an seinen Gegnern vorbei.

«Aber entschieden wird das Rennen meistens erst bei den letzten zwei Hürden. Dort muss es aufgehen.» Hussein wird seinen Wettkampfblock bereits am kommenden Dienstag beim internationalen Meeting in Luzern fortsetzen. Die vielen Renneinsätze sollen dabei helfen, die Umstellung auf 13 Schritte zwischen den Hürden auf der ersten Streckenhälfte unter Wettkampfbedingungen zu automatisieren. Schliesslich soll die Steilvorlage aus einem perfekten Aufbautraining beim Saisonhöhepunkt in London auch verwertet werden.

Rekord für Frauenstaffel

Nachdem der Auftritt von Mujinga Kambundji und Sarah Atcho über 200 m noch mit einer leisen Enttäuschung endete, steigerten sich die Klassenbesten der Schweizer Sprinterinnen mit dem Team. Die 4x100-m-Staffel mit Ajla Del Ponte, Atcho, Kambundji und der Schlussläuferin Salomé Kora blieb in 42,53 Sekunden 34 Hundertstel unter dem bisherigen Schweizer Rekord aus dem Vorjahr. Die Leistung reichte zum zweiten Schweizer Sieg des Abends neben Kariem Hussein.

Jubel über den Schweizer Rekord: Mujinga Kambundji, Salomé Kora, Sarah Atcho and Ajla Del Ponte (von links nach rechts).

Jubel über den Schweizer Rekord: Mujinga Kambundji, Salomé Kora, Sarah Atcho and Ajla Del Ponte (von links nach rechts).

Mit dem Traumlauf steigt die Chance, dass man die Schweizerinnen in der ersten Augusthälfte als eine von 16 Staffeln auch an den Weltmeisterschaften sehen wird. Acht Nationen sind bereits qualifiziert, acht kommen noch dazu. Entscheidend ist die gelaufene Zeit bis zum Stichtag am 23. Juli. Bis gestern lagen die Schweizerinnen in der Zwischenrangliste auf dem ominösen achten Platz. Neuerdings zumindest mit noch besseren Argumenten. Wie derzeit so viele in der Schweizer Leichtathletik.

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