Eishockey NLA
Langeweile kann so schön sein: Der EHC Biel hat sich souverän für die Playoffs qualifiziert

Nach einem Jahr Absenz steht der EHC Biel wieder in den Playoffs. Die Qualifikation hat haben die Bieler so früh wie schon lange nicht mehr geschafft. Auch dank Goalie Jonas Hiller und Trainer Mike McNamara. In den Playoffs will der EHC Biel nun mehr als nur mitspielen.

Marcel Kuchta
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Jubelnde Bieler, nachdem schon am 17. Februar die Playoff-Qualifikation feststand.

Jubelnde Bieler, nachdem schon am 17. Februar die Playoff-Qualifikation feststand.

Keystone

Noch selten zuvor war der NLA-Strichkampf derart langweilig wie in dieser Saison. Bereits vier Runden vor dem Ende des Qualifikationspensums standen die acht Mannschaften fest, die ab dem 4. März den Meistertitel unter sich ausmachen werden.

So unspektakulär der Kampf um die Playoff-Plätze für die Zuschauer in diesem Jahr war, so entspannend war er für die Direktbeteiligten – sofern sie auf der richtigen Seite des Strichs klassiert sind.

Zum Beispiel für den EHC Biel, der sich bereits seit knapp einer Woche zu den Teams zählen durfte, die im Teletext in grüner Farbe aufgelistet werden. Für die Seeländer war Langeweile nie schöner als in diesem Jahr.

Die Klassierungen seit dem Aufstieg

08/09: Platz 12

09/10: Platz 9

10/11: Platz 9

11/12: Platz 8

12/13: Platz 8

13/14: Platz 11

14/15: Platz 8

15/16: Platz 12

16/17: Von Platz 5 bis 8 alles möglich

Fett = für Playoffs qualifiziert

Seit dem Wiederaufstieg in die NLA 2008 standen die Bieler dreimal in den Playoffs. Zweimal qualifizierten sie sich erst am letzten Spieltag, einmal am vorletzten. «Der Druck war jeweils riesig», erinnert sich Captain Mathieu Tschantré an jene stressigen Zeiten. Und dann gab es auch immer wieder die Rückschläge.

So wie im letzten Jahr, als der EHC Biel nicht nur die Playoffs verpasste, sondern auch noch die Playouts verlor und nur deshalb nicht in die Ligaqualifikation musste, weil B-Meister Ajoie sich nicht um einen Aufstieg in die NLA beworben hatte.

Vom Beinahe-Absteiger zur souveränen Playoff-Qualifikation. Wie war dieser massive Fortschritt möglich? «Letztes Jahr kam bei uns so viel Pech zusammen. Ich war überzeugt, dass es nicht zwei Saisons in Serie so schlecht laufen kann», nennt Biels Captain Mathieu Tschantré den Wahrscheinlichkeits-Faktor als einen Grund und fügt an: «Für mich kommt die Playoff-Quali aufgrund unseres Potenzials nicht überraschend. Wir haben eine sehr ausgeglichene Mannschaft und mit Jonas Hiller einen Top-Torhüter.»

Der Hiller-Faktor

Wie wichtig ein guter Goalie im Eishockey ist, ist hinlänglich bekannt. Der Einfluss des NHL-Rückkehrers auf das positive Schicksal der Bieler ist deshalb wenig überraschend. «Man sagt nicht umsonst, dass jedes System mit dem Torhüter steht oder fällt», sagt Tschantré, streicht aber gleichzeitig heraus, dass die Situation in Biel selbst für einen erfahrenen Mann wie Hiller nicht einfach war: «Man darf nicht vergessen, dass die Erwartungen an ihn sehr gross waren und deshalb ein enormer Druck auf seinen Schultern lastete. Diesem hat er hervorragend standgehalten.»

Die Statistik spricht hier Bände: In der letzten Saison kassierten die Bieler in der Qualifikation pro Spiel 3,5 Gegentore. In der aktuellen sind es noch 2,77 (nach 48 Runden).

Doch nicht nur die guten Leistungen von Jonas Hiller trugen ihren Teil zur «Wiedergeburt» der Bieler bei, sondern die gesamte Mannschaft. Sportchef Martin Steinegger war von der Qualität seiner Spieler immer überzeugt. «Hiller ist unser ruhender Pol. Aber wir sind auch im Sturm sehr ausgeglichen besetzt. Wir haben acht Spieler, die über zehn Tore geschossen haben.»

Der Trainerwechsel-Faktor

Auch wenn die Bilanz jetzt, kurz vor dem Ende der Qualifikation rosig ausfällt, so verliefen die letzten Monate in Biel trotz allem nicht ohne Störfeuer. Ja, es gab sogar eine Trainerentlassung, die angesichts der Erfolgswelle fast vergessen geht. Die Freistellung von Kultfigur und Hockey-Gott Kevin Schläpfer sorgte in der ganzen Schweiz für Schockwellen, zahlte sich aber letztlich aus.

«Trainerwechsel bringen statistisch gesehen ja nicht viel. Aber mit Schläpfer hats am Ende nicht mehr funktioniert – auch wegen seiner Verletzungsgeschichte», sagt Steinegger, der froh ist, dass die Rochade vom angeschlagenen Headcoach, der wegen einer hartnäckigen Knieblessur an Krücken ging und die Trainings nie auf dem Eis leiten konnte, zum «Hockey-Professor» Mike McNamara den erhofften Erfolg brachte.

Jubelnde Bieler: In den Playoffs wollen sie die Überraschung schaffen.

Jubelnde Bieler: In den Playoffs wollen sie die Überraschung schaffen.

Keystone

«Er war das, was die Mannschaft brauchte», ist Steinegger überzeugt, dass der Wechsel vom Lautsprecher Schläpfer zum 67-jährigen McNamara, einem Mann der eher leisen Töne, der richtige Entscheid war.

Auch für Tschantré war der Tausch an der Bande wegweisend: «Der Trainerwechsel hat sich ausbezahlt. Von diesem Zeitpunkt an sind wir als Team extrem zusammengerückt. Es war fast wie ein Neustart mitten in der Saison.»

Noch können die Bieler in den letzten beiden Quali-Runden in der Tabelle sogar auf den fünften Rang vorrücken. Dementsprechend gesteigert ist auch die Erwartungshaltung im Hinblick auf die Playoffs.

Nicht unbedingt von aussen, aber umso mehr in der Mannschaft selber, wie es Mathieu Tschantré formuliert: Die Zeit der ehrenvollen Niederlagen im Viertelfinal soll vorbei sein: «Jetzt wollen in unserem Team alle mehr. Ich denke, dass in den Köpfen aller Spieler das Bewusstsein verankert ist, dass wir das Potenzial haben, eine Überraschung zu schaffen.»

Schade ist aus Sicht der Bieler die Tatsache, dass die Verletzungshexe zuletzt gnadenlos zugeschlagen hat. Besonders der Ausfall von Nationalspieler Gaetan Haas wiegt schwer. Haas würde erst in einem allfälligen Halbfinal zurückkehren. Das allein wäre schon Motivation genug, erstmals die Runde der letzten Vier zu erreichen.

«Im Final wäre er dann wieder voll in Form», sagt Steinegger lächelnd. Wenns langweilig ist, darf man auch träumen.

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