Gschobe #3

Lang lebe Bernhard Burgener!

François Schmid-Bechtel

François Schmid-Bechtel

Sie stammen aus dem gleichen Dorf im Appenzellerland, sind zwischen 45 und 48, treffen sich einmal pro Woche und jassen oder spielen Boule. Pius, Qualitätsmanager, Appenzell. David, Lehrer, Speicher AR. Tobias, Consultant, Zürich. Flavio, Sozialarbeiter, Kirchberg SG. François, Journalist, Windisch.

François: Streikt Flavio noch immer?

David: Nein. Aber er kommt nicht, weil er morgen zur Darmspie...

François: Stopp, stopp! Keine Details bitte. Das reicht. Und Pius? Kommt er noch?

David: Nein, er ist im Barista-Kurs.

Tobias: Ich hoffe für Pius, dass dieser Kurs nicht von Raphael Wicky geleitet wird.

François: Versteh ich jetzt nicht.

Tobias: Beim Kaffee geht es um das Verhältnis zwischen Wasser und Pulver, um die Mischung, den Mahlgrad und so weiter. Da muss alles zusammenpassen.

François: Und Raphael Wicky hat nicht die Gabe, die richtige Mischung zu finden?

Tobias: Nein, auf keinen Fall.

David: Ich bitte Dich! Wicky ist doch erst gerade als Trainer beim FC Basel gestartet.

Tobias: Trotzdem. Er war schon als Spieler unscheinbar.

François: Und jetzt?

Tobias: Basel braucht doch einen Trainer mit grossem Namen, mit Erfolgsausweis, mit Ausstrahlung und Charisma. Einen wie ... äh. Nein, Favre hat kein Charisma. Gross und Yakin waren schon mal in Basel. Was weiss ich! Egal: Ich bleibe dabei. Basel braucht sicher keinen Trainerlehrling wie Wicky.

Grossaktionär und FCB-Präsident Bernhard Burgener (Archiv)

Grossaktionär und FCB-Präsident Bernhard Burgener (Archiv)

David: Machst du es dir nicht etwas zu einfach, alles nur auf Wicky zu reduzieren. Ich glaube auch, dass der Mann noch lernen muss. Meine Frau fragte mich am Dienstag: Warum steht er nur im Anzug gekleidet in den Regen, während Mourinho die Regenjacke montiert hat? Weiss er nicht, dass es in England auch mal richtig kräftig schütten kann? Zugegeben: Das sah etwas anfängerhaft aus. Aber ich bitte dich. Der FC Basel hat einfach nicht mehr die gleich gute Mannschaft wie in der letzten Saison.

Tobias: Stimmt. Trotzdem hätte ich Urs Fischer als Trainer behalten.

François: Der hat international auch nicht für Glanzlichter gesorgt.

Tobias: Auch das stimmt. Aber er war verlässlich, hat den Meistertitel quasi garantiert. Aber ich verstehe sowieso nicht, warum der FCB einen Sparkurs fährt. Das ist doch die völlig falsche Strategie.

David: Vielleicht will der neue Präsident Bernhard Burgener Geld mit dem FCB verdienen, indem er die Ausgaben reduziert.

Tobias: Wenn er tatsächlich Geld verdienen will, sollte er erst recht nicht sparen. Denn macht der FC Basel so weiter und begnügt sich mit Mittelmass, ist er in zwei Jahren nicht mehr attraktiv für ausländische Talente. Und dann gute Nacht Schweizer Klubfussball. Es war ja schon in den Jahren zuvor mit Ausnahme von Basel hochnotpeinlich, was die Schweizer Klubs international abgeliefert haben. Aber jetzt muss man sogar beim FCB ein 0:3 in Manchester schönreden. Ich sehe schwarz.

François: Ich bitte Dich. Ihr kennt doch Burgeners Hintergrund.

Tobias: Klar. Unterhaltungsbranche. Filme produzieren und so.

François: Eben. Und was haben wir zuletzt im Schweizer Fussball bemängelt?

David: Keine Dramen, keine Unterhaltung, keine Spannung.

François: Genau. Burgener ist in Wahrheit der Retter unseres Fussballs.

Verwandte Themen:

Autor

François Schmid-Bechtel

François Schmid-Bechtel

Meistgesehen

Artboard 1