Sport

Landhockey: Eine Sportart im Schattendasein

Land- und Hallenhockey befinden sich fernab vom Scheinwerferlicht. Wieso eigentlich? Am Freitag beginnt die Hallenhockey-Europameisterschaft in Luzern.

Welche Sportart haben Sie im Kopf, wenn Sie das Wort «Hockey» hören? Mit grosser Wahrscheinlichkeit denken Sie an Eishockey. Nicht weiter verwunderlich, denn diese Sportart geniesst eine hohe Präsenz in den Medien, bereits in der Schule kommen viele Kinder mit Eishockey in Berührung und, nicht zuletzt, füllen mehrere 10'000 Zuschauer jedes Wochenende die Schweizer Stadien. Eishockey ist in aller Munde. Auch die erfolgreiche Nationalmannschaft trägt viel dazu bei, dass diese Sportart in unserem Land einen hohen Stellenwert geniesst.

Doch «Hockey» ist weit mehr als nur Eishockey. Es gibt mehrere Sportarten, deren Namen Sie wohl noch gar nie gehört haben. Wie steht es um Ihre Kenntnisse beim Bandy, Unterwasserhockey oder Einradhockey? Weit über 20 verschiedene Varianten des Hockeys existieren heutzutage. Neben Unihockey gehören Streethockey, Polo, Inlinehockey oder Feldhockey noch zu den bekanntesten Sportarten. Die letztgenannte Variante «Feldhockey» stellen wir Ihnen nun einmal etwas genauer vor. Denn haben Sie gewusst, dass auf Feldhockey der Ursprung aller «Hockeysportarten» zurückzuführen ist. Seit 1908 ist Feldhockey eine olympische Disziplin, die sich bis heute gehalten hat.

Hallenhockey vom Feinsten: Zu sehen ab Freitag an der Europameisterschaft.

Hallenhockey vom Feinsten: Zu sehen ab Freitag an der Europameisterschaft.

Europameisterschaft startet am Freitag in Luzern

Wieso hat Feldhockey, in der Schweiz genannt Landhockey (1700 Lizenzierte), im Vergleich zu anderen Hockeysportarten einen tieferen Stellenwert? Unihockey mit 33'000 lizenzierten Spielern beispielsweise ist da weitaus populärer. Paul Schneider, Geschäftsführer bei Swiss Hockey, sagt: «Ein Problem ist die Infrastruktur. Im Landhockey benötigt es ein grosses Feld aus Kunstrasen. Es ist eine technisch anspruchsvolle Sportart. Des Weiteren sind die Schläger aus Holz. Unihockey ist viel einfacher zu spielen. Du brauchst nur einen Plastikschläger, dann kannst du in der Halle loslegen.» Zudem sei es ein langer Weg, bis Trainer gut ausgebildet sind. «Wie in vielen Sportarten wollen sich immer weniger im Verein engagieren.» Um die Zukunft des Landhockeys steht es jedoch gut, sagt Schneider. «Bei den Kindern boomt der Sport, im Nachwuchs sind wir breit aufgestellt. Bei den Junioren ist ein Zuwachs erkennbar.» Der Verband Swiss Hockey feiert nächstes Jahr sein 100-Jahre-Jubiläum. Der Verband hat seine Vision klar vor Augen: «Way to LA». 2028 will Swiss Hockey an den olympischen Spielen in Kalifornien dabei sein.

Am Wochenende (17. bis 19. Januar) findet in Luzern die Hallenhockey-Europameisterschaft statt. Mit dabei auch die Schweiz, die versucht, in die A-Division aufzusteigen. Organisiert wird die EM durch den Verband Swiss Hockey, zusammen mit dem Luzerner Sportclub LSC, der neben Rotweiss Wettingen der führende Landhockey-Verein der Schweiz ist. Die Freude bei LSC-Präsident Bruno Affentranger ist gross: «Es ist cool, dass die ganze Hockeyfamilie zusammenkommt. Für den Verein ist dies eine tolle Werbeaktion, und wir hoffen mit der EM viele junge Spielerinnen und Spieler für unsere Sportart zu begeistern.» Über 70 Helferinnen und Helfer des LSC stehen im Einsatz, sei dies beim Ticketing, bei der Teambetreuung oder in der Gastronomie.

Acht Nationen werden in Luzern zu Gast sein, nur deren zwei steigen in die höchste Klasse auf. Für eine gute Atmosphäre in der Luzerner Maihofhalle ist bereits gesorgt. «Am Freitag werden viele Kinder für eine laute Stimmung sorgen», sagt Affentranger. Er hofft auch am Samstag und Sonntag auf ein volles Haus. 1200 Zuschauer werden pro Tag und Spiel erwartet. Den Fans wird es an nichts fehlen, so der LSC-Präsident. «Wir haben Bars, ein Restaurant und eine Tombola mit vielen tollen Preisen.» Im Vordergrund steht jedoch die Mission Aufstieg. Auch der LSC stellt viele Leader im Team. «Ich bin guter Dinge, dass die Schweiz die EM rocken wird und das Ziel Aufstieg erreicht.»

Europa löst britische Kolonien ab

Feldhockey hat wie bereits erwähnt eine grosse Tradition. Diese Sportart wurde lange Zeit von den ehemaligen britischen Kolonien Indien und Pakistan dominiert, die über technisch sehr versierte Spieler verfügten. Seit den 1980er-Jahren wird Feldhockey zunehmend durch Athletik und Taktik geprägt. Die europäischen Länder gelten momentan im Männerhockey als führend. Bei den Frauen gehören nebst den Europäerinnen auch Australien und Argentinien zu den starken Nationen. Das älteste schriftlich überlieferte Hockeyregelwerk der Welt, «die Rules of Harrow», wurde 1852 in England veröffentlicht. In den 1840ern wurde in Blackheath der erste Hockeyverein der Welt gegründet. Die Variante des Hallenhockeys wurde anfänglich im mitteleuropäischen Raum betrieben. Inzwischen wird auch in Osteuropa gespielt. Hallenhockey entstand zur Überbrückung der Wintermonate. Verschiedene Hockey-Nationen ohne Spielbetrieb wie Holland, England die USA oder Kanada nehmen mittlerweile erfolgreich an internationalen Hallenturnieren teil. Seit 2003 werden neben Europameisterschaften in der Halle auch Weltmeisterschaften ausgetragen.

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