Doppeladler-Affäre
Lächerlich, problematisch, falsches Signal – so bewerten Experten das Fifa-Verfahren

Wird die Fifa Xhaka, Shaqiri und Lichtsteiner sperren und die Schweizer Nati an der WM in Russland in ernste Schwierigkeiten bringen? Der Entscheid wird jederzeit erwartet. Das sagen Experten zum Verfahren.

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Stein des Anstosses: Xherdan Shaqiri formt beim Torjubel mit seinen Händen den albanischen Doppeladler wie zuvor Granit Xhaka

Stein des Anstosses: Xherdan Shaqiri formt beim Torjubel mit seinen Händen den albanischen Doppeladler wie zuvor Granit Xhaka

KEYSTONE/EPA/MARTIN DIVISEK

Die Schweiz wartet zusammen mit seinen Nationalspielern gespannt auf den Entscheid der Fifa-Disziplinarkommission: Werden Granit Xhaka, Xherdan Shaqiri und Stephan Lichtsteiner für eines oder mehrere Spiele gesperrt?

Noch hüllt sich die Fifa in Schweigen. Anfragen werden abgeblockt.

Der Spieler-Präsident

Lucien Valloni, Jurist und Präsident der Schweizer Profispieler-Vereinigung, erklärt im Blick: "Wir erachten den Torjubel als absolut legitim. Das ist weder ein politisches Statement noch eine Respektlosigkeit gegenüber dem Gegner. Vielmehr stellt dies einzig und allein die Freude dar, auch Albaner zu sein und dies wird mit einer einfachen kreativen Geste respektvoll zur Schau getragen."

Lucien Valloni ist Präsident der Schweizer Profispieler-Vereinigung.

Lucien Valloni ist Präsident der Schweizer Profispieler-Vereinigung.

Keystone

Und weiter: Der Adler sei das albanische Wappentier: Hätten Xhaka und Shaqiri mit den Händen ein Schweizerkreuz geformt, wäre die Geste nie ein Thema geworden, so Valloni. Ergo dürfe man die Nationalspieler auch nicht bestrafen. Auch für sie gelte die Meinungsäusserungsfreiheit. Zu deren Einhaltung sei auch die Fifa verpflichtet.

Valloni schliesst seine Ausführungen im Blick: «Das eingeleitete Verfahren ist lächerlich.»

Granit Xhaka (l.) und Xherdan Shaqiri (r.) zelebrierten ihren Torjubel mit der umstrittenen Doppeladler-Pose.
56 Bilder
Die Schweiz jubelt nach dem 2:1-Siegtreffer von Xherdan Shaqiri.
Erleichterung bei der Schweizer Nati nach dem Schlusspfiff
Steven Zuber, Valon Behrami, Blerim Dzemaili, Fabian Schär freuen sich über den 2:1-Sieg
Captain Stephan Lichtsteiner jubelt - es spricht Bände
Xherdan Shaqiri enteilt Dusko Tosic und trifft in den Schlussminuten zum 2:1-Siegtreffer!
Xherdan Shaqiri tunnelt Torhüter Vladimir Stojkovic
Auch Xherdan Shaqiri lässt sich zum Doppeladler-Jubel hinreissen
Kraftwürfel Shaqiri zieht für den Jubel sein Trikot aus
Und zeigt den Adler
Das Spiel auf Messers Schneide nach dem 1:1-Ausgleich: Vladimir Stojkovic blockt Mario Gavranovics Abschluss
Weitschuss-Traumtor! Granit Xhaka trifft zum 1:1-Ausgleich
Granit Xhaka macht nach seinem Weitschuss-Traumtor den Adler – und provoziert damit die Serben massiv
Eine Geste, die zu reden geben wird: Granit Xhaka macht nach seinem Weitschuss-Traumtor den Adler
Nemanja Matic im Zweikampf mit Valon Behrami
Xherdan Shaqiri erkämpft sich einen Ball
Manuel Akanji
Filip Kostic enteilt Fabian Schär
Gesprächsstoff zur Pause: Stephan Lichtsteiner und Xherdan Shaqiri
Gesprächsbedarf zur Pause: Xherdan Shaqiri diskutiert mit Aleksandar Mitrovic
Gesprächsbedarf zur Pause: Xherdan Shaqiri diskutiert mit Aleksandar Mitrovic
RUSSIA SOCCER FIFA WORLD CUP 2018
Xherdan Shaqiri gegen Halb-Serbien
Blerim Dzemaili vergibt eine Grosschance
Manuel Akanji gegen Nemanja Matic
Blerim Dzemaili verzeichnet für die Schweiz eine erste Chance
Ein Bild, das man nicht sehen wollte: Serbien geht gegen die Schweiz früh in Führung
Jubel bei den Serben
Erste Szene des Spiels, erstes Tor: Aleksandar Mitrovic köpfelt Serbien in Führung
Mitrovic bringt Serbien dank eines Kopfballtreffers in Führung
Mitrovic bringt Serbien dank eines Kopfballtreffers in Führung
0:1 - Yann Sommer bleibt machtlos
Mitrovic bringt Serbien dank eines Kopfballtreffers in Führung
Russia Soccer WCup Serbia Switzerland
Aleksandar Kolarov im Zweikampf mit Xherdan Shaqiri
Stephan Lichtsteiner gegen Serbiens Filip Kostic
Serbiens Aleksandar Prijovic behauptet sich gegen Granit Xhaka
Die Startelf der Schweizer
Die Startelf der Serben
Xherdan Shaqiri spielt sich ein
Haris Seferovic grüsst Serbiens Mittelfeldspieler Adem Ljajic
Er trägt sie: Xherdan Shaqiris Kickschuhe mit der Schweizer und der kosovarischen Flagge.
Die Schweizer Nati begutachtet den Rasen von Kaliningrad
Auch die Serben tun es: Sie inspizieren den Platz

Granit Xhaka (l.) und Xherdan Shaqiri (r.) zelebrierten ihren Torjubel mit der umstrittenen Doppeladler-Pose.

Keystone

Ex-Fifa-Mann Mathier

In der Basler Zeitung schätzt Marcel Mathier, ehemaliger Präsident der Fifa-Disziplinarkommission, den Doppeladler-Jubel ein: "Ich bin überrascht, dass die Fifa ein Verfahren eröffnet hat. Für mich ist der Jubel aus der Euphorie heraus entstanden und kein politisches Zeichen und keine Provokation gegenüber Serben oder Schweizern."

Der Schweizer Marcel Matthier war Präsident der Fifa-Disziplinarkommission.

Der Schweizer Marcel Matthier war Präsident der Fifa-Disziplinarkommission.

Keystone

Eine Spielsperre schätzt Mathier gegenüber der Basler Zeitung als fatal ein: "Dann hat die Fifa ein grosses Problem. Von da an müsste nämlich jede Geste, die auf irgendeine Weise einen politischen oder religiösen Hintergrund haben könnte, untersucht werden. Das würde viele neue und komplizierte Fälle nach sich ziehen."

Fussball-Profi Lustenberger

Auch der Schweizer Bundesligaprofi und Ex-Nati-Spieler Fabian Lustenberger schreibt in seiner Kolumne für diese Zeitung: "Für mich gibt es in diesem Fall sicher keinen Grund, Schweizer Spieler zu sperren, das wäre ein falsches Signal."

Fabian Lustenberger - treue Seele bei Hertha Berlin

Fabian Lustenberger - treue Seele bei Hertha Berlin

KEYSTONE/ANTHONY ANEX

Claudio Sulser, Nati-Delegierter

«Es war eine spontane Reaktion, eine Handlung im Affekt, nichts Schlimmes und auch nichts, das böse gemeint war. Schon bei der Schweizer Hymne wurde gepfiffen, das war nicht einfach. Darum ist diese Reaktion menschlich. Es war keine politische Reaktion. Die Emotionen sind sehr hoch gegangen, das darf man nicht vergessen. Es ist schade, dass nach einer solchen Leistung über diese Dinge gesprochen wird. Wir schauen nach vorne.» (jk)

Claudio Sulsers Argumente haben Gewicht - er war früher Präsident der Fifa-Disziplinarkommission.

Claudio Sulsers Argumente haben Gewicht - er war früher Präsident der Fifa-Disziplinarkommission.

KEYSTONE/STEFFEN SCHMIDT