23. März

Der Tag des siebten und entscheidenden Viertelfinal-Duells gegen die SCL Tigers beginnt vor 8 Uhr. Ich werde von meinem einjährigen Sohn Jax geweckt. Frühstück esse ich dann ab 8.30 Uhr in unserer Team-Garderobe.

Danach ist das Meeting der Special Teams, wo wir Überzahl- und Unterzahlspiel justieren. 10.30 Uhr ist das Warm-up mit drei, vier Übungen. Im Anschluss zelebrieren wir unseren Isolierband-Zielwurf-Wettbewerb.

Ich bilde zusammen mit Etienne Froidevaux ein Team gegen Joel Genazzi und Sandro Zangger. Wir machen das schon die ganze Saison. Es ist unser Ritual an jedem Spieltag. Unsere Gegner führen mit drei Körben.

Hoffentlich geht unsere Saison weiter, dann können wir noch aufholen. Sonst müssen wir sie zum Mittagessen einladen. Nach dem Lunch fahre ich nach Hause, schaue mir NHL-Highlights an und mache einen Powernap.

Gegen 17.30 Uhr bin ich zurück im Stadion und beginne mit meinen Vorbereitungen auf das Spiel. Stöcke einbinden, Fussball spielen, Aufwärmen, Ausrüstung anziehen – immer den linken Gegenstand zuerst.

Robin Grossmann im Duell mit SCL-Spieler Alexei Dostoinov.

Robin Grossmann im Duell mit SCL-Spieler Alexei Dostoinov.

Da steckt kein Aberglaube dahinter, sondern mehr Routine, die mir Sicherheit gibt. Am meisten hilft mir, wenn ich den Match mental für mich durchspiele. Ich stelle mir vor, wie ich auftreten will.

Dass ich dann in der Realität 18 Minuten auf der Strafbank sitze, ist natürlich nicht im Sinne des Erfinders. Das ist mir noch nie passiert und nervt mich. Zum Glück qualifizieren wir uns dank eines 8:1-Siegs für die Halbfinals. Logisch, bin ich dann aber ein dankbares Opfer für meine Teamkollegen.

«Musst Du überhaupt duschen?», fragt mich einer. Wenn man gewinnt, dann steckt man solche Neckereien einfacher weg. Zu Hause genehmige ich mir zur Beruhigung noch einen Whisky. Wir haben Freunde zu Besuch und ich komme erst gegen 3 Uhr ins Bett.

24. März

Es ist eine kurze Nacht. Um 6 Uhr muss ich meinem Sohn den Schoppen geben. Am Sonntag bin immer ich an der Reihe während der Playoffs. Jax schläft dann immerhin noch einmal bis um 8 Uhr.

Danach spiele ich mit ihm, ehe wir gegen 10.30 Uhr in unserem Wohnort Saint-Sulpice zum Brunch gehen. Nachdem unser Besuch abgereist ist, machen wir alle zusammen einen ausgiebigen Mittagsschlaf.

Den habe ich dringend nötig. Danach gehen wir noch einmal an den Genfersee, der zwei Minuten von unserer Haustüre entfernt ist. Die Landschaft ist wunderbar. Wir geniessen das schöne Wetter und füttern die Schwäne.

Im Kreis meiner Familie kann ich am allerbesten abschalten. Seit unser Sohn auf der Welt ist, hat sich meine Perspektive sowieso ziemlich stark verändert. Wenn man sich um so ein kleines Geschöpf kümmert, dann verschieben sich die Prioritäten im Leben gewaltig.

Am Abend, sobald der Kleine im Bett ist, schaue ich zusammen mit meiner Frau Eliane noch «Game of Thrones». Am 14. April kommt die neue Staffel. Wir müssen wieder up to date sein.

25. März

Es ist der Tag vor dem ersten Halbfinalspiel gegen Zug. Um 9.15 Uhr ist das Captainmeeting. Ich bin zusammen mit Etienne Froidevaux, Jonas Junland, Joel Genazzi und Dustin Jeffrey im Captain-Team. Ich bin quasi der Vertreter der Neuzugänge.

Unserem Trainer Ville Peltonen ist es extrem wichtig, dass die Teamleader die Mannschaft spüren und führen. Nach einem Vormittag mit einer kurzen Video-Session, Trainingseinheit auf und neben dem Eis gehe ich zusammen mit einer grösseren Gruppe von Spielern ins Vapiano essen.

Dort gibt es – welch Überraschung – Pasta, Aber wir müssen noch einmal dorthin, weil wir schon vor dem Langnau-Match dort waren. Der Aberglaube ist bei ein paar Spielern recht gross. Zu Hause bekomme ich zusammen mit meiner Frau eine Französisch-Lektion.

Wir haben eine Lehrerin, die seit September einmal pro Woche zu uns kommt. Wir machen Fortschritte, aber vor allem beim Vokabular hapert es noch ein wenig.

Nach dem Einkauf gibt es noch ein Stück Fleisch vom Grill, ehe meine Frau und ich unser Montagabend-Ritual zelebrieren: wir schauen «Temptation Island», eine RTL-Schmuddelserie.

Vor dem Spiel gegen den EVZ gibt es eine Video-Session und eine ausgiebige Trainingseinheit.

Vor dem Spiel gegen den EVZ gibt es eine Video-Session und eine ausgiebige Trainingseinheit.

26. März

Heute Abend steht das erste Halbfinal-Spiel in Zug auf dem Programm. Wie vor Auswärtsspielen üblich, besammeln wir uns erst um 10.30 Uhr im Stadion. Um 11.30 Uhr gibt es ein kurzes Warm-up auf dem Eis.

Nach dem Mittagessen haben wir eine Taktik- und Video-Session, in welcher wir das Wichtigste über den EVZ erfahren. Um 14.30 Uhr fährt der Car ab Richtung Zug. Im Bus, wo jeder Spieler eine Sitzreihe für sich und somit genügend Platz hat, döse ich etwas.

Ansonsten höre ich gerne Musik. An der Raststätte in Neuenkirch machen wir einen Kaffeehalt. Um 17.45 Uhr treffen wir in Zug ein. Die Garderobe wird vorgängig von unserem Materialwart eingerichtet. Jeder Spieler hat seinen fix zugeteilten Sitzplatz. Die Sitzordnung ist wie in Lausanne. Ich sitze zwischen Etienne Froidevaux und Cory Emmerton.

Robin Grossmann legt sich gegen den Ex-Club EV Zug ins Zeug, die 1:3-Niederlage kann aber auch er nicht verhindern.

Robin Grossmann legt sich gegen den Ex-Club EV Zug ins Zeug, die 1:3-Niederlage kann aber auch er nicht verhindern.

Im Spiel finden wir dann nie zu unserer Offensivstärke. Wir sind zu weit weg von den Gegnern. Deshalb ist die 1:3-Niederlage irgendwie logisch. Wir haben definitiv Steigerungspotenzial. Nach der Partie gebe ich noch ein paar Interviews, gehe zum Auslaufen auf zwei kleine Joggingrunden.

Wichtig ist auch immer, dass Flüssigkeits- und Energiespeicher schnell aufgefüllt werden. Als Essen steht Pasta mit Stroganoff auf dem Menüplan. Danach treffe ich noch meinen Cousin und dessen Frau für einen kurzen Schwatz.

Um 23.15 Uhr, also gut eine Stunde nach Spielschluss, fahren wir wieder los Richtung Lausanne. Im Car haben wir die Möglichkeit, alle unsere Einsätze im Spiel bereits auf Video anzuschauen. Mich interessieren vor allem die Shifts im Powerplay und im Boxplay.

Ansonsten kann ich recht gut einschätzen, wie ich gespielt habe. Schlafen kann ich im Bus nicht. Ich schaue eine sehr interessante Netflix-Dokumentation über Antoine Griezmann und höre noch wenig Musik.

So gehen die Stunden schnell vorbei. Um 1.45 Uhr sind wir in Lausanne. Ich räume meine Ausrüstung weg und mache mich auf den Heimweg.

27. März

Um 7.45 Uhr ist schon wieder Tagwache angesagt. Seit ich Vater bin, kann ich gar nicht mehr ausschlafen. Aber da gewöhnt man sich ja schnell daran. Nach einem kurzen Morgenspaziergang bin ich um 10 Uhr schon wieder im Stadion.

Wir analysieren das Spiel vom Vorabend. Die Haupterkenntnis ist, dass wir uns gegenseitig zu wenig unterstützt haben und dadurch gar nie richtig Druck aufbauen konnten. Heute ist ein sogenannter «Energy day» – ein Energietag –, an welchem jeder Spieler selber entscheidet, was ihm guttut.

Nach der Niederlage gibt es eine ausführliche Video-Analyse mit Trainer Ville Peltonen.

Nach der Niederlage gibt es eine ausführliche Video-Analyse mit Trainer Ville Peltonen.

Einige gehen aufs Eis. Ich selber nicht. Ich brauche den täglichen Eiskontakt nicht. Fürs Mittagessen suchen wir uns diesmal den Thailänder aus. Nach der Niederlage in Zug ist hier ein Wechsel nötig.

Am Nachmittag geniesse ich die schöne Natur, ehe ich meine Eltern begrüsse, die uns besuchen. Es ist ein gemütlicher Abend. Wir grillieren und sprechen über Gott und die Welt. Es muss nicht immer Eishockey sein.

28. März

Der Tag des ersten Halbfinal-Heimspiels. Meine Frau ist für vier Tage nach Venedig abgereist. Meine Mutter hat sich auf eine Rhein-Schifffahrt verabschiedet. Das heisst, dass ich, mein Sohn, mein Vater und unser Hund einen reinen Männerhaushalt bilden.

Jax hat Fieber, trotzdem ist die Nacht recht geruhsam. Er wacht einmal um 3 Uhr auf, schläft dann aber bis 8.30 Uhr durch. Am Vormittag mache ich meine übliche Vor-Heimspiel-Routine durch. Nach dem gemeinsamen Mittagessen fahre ich nach Hause und kümmere mich um meinen Sohnemann, ehe mein Vater übernimmt, damit ich meinen Powernap machen kann.

Am Abend empfinde ich die Stimmung im Stadion als sensationell gut. Es ist megacool, so zu spielen. Entsprechend gehen wir auch viel intensiver ans Werk. Am Ende sehen die Zuschauer einen sehr spannenden Playoff-Match, der zum Glück gut für uns ausgeht.

Diesmal gelingt der Sieg, die Lausanner jubeln nach dem  5:4 nach Verlängerung gegen den EV Zug.

Diesmal gelingt der Sieg, die Lausanner jubeln nach dem 5:4 nach Verlängerung gegen den EV Zug.

Wir gewinnen 5:4 nach Verlängerung. Nervös bin ich in der Overtime nicht mehr. Dafür habe ich schon zu viel erlebt. Eine gewisse Anspannung und ein Kribbeln sind aber natürlich da. Nach dem Match gehe ich noch mit schwedischen Bekannten meiner Eltern, die im Stadion zugeschaut haben, ins VIP-Zelt.

Danach fahre ich nach Hause und löse meinen Vater als Babysitter ab. Ich schaue mir noch die Tore der anderen Playoff-Serie zwischen Biel und Bern an und habe grosse Freude daran, dass mein Trauzeuge Damien Brunner zwei Tore erzielt hat. Ich schreibe ihm ein paar bewundernde Worte.

29. März

Jax wacht wieder um 3 Uhr auf. Ich tröste ihn, bis er recht schnell wieder einschläft. Um 8 Uhr ist Tagwache. Das Fieber ist zum Glück gesunken, er trinkt auch gut. Gegen 9.45 Uhr bin ich im Stadion, wo wir das Spiel vom Vorabend analysieren.

Um 11.15 Uhr gehen wir aufs Eis, wo wir ein kurzes Training absolvieren. Unter anderem spielen wir «Jungle- Hockey». 10 gegen 10 Mann mit zwei Pucks. Es geht während der Playoffs vor allem darum, die Beine zu aktivieren.

Viel Neues lernt man jetzt nicht mehr. Wir haben in dieser Saison sicher schon gegen 160 Trainingseinheiten absolviert. Danach lasse ich meine Beine eine halbe Stunde lang massieren. Das gönne ich mir einmal pro Woche.

Nach unserem Sieg ist klar, dass wir wieder zum Thailänder gehen. Später geniesse ich mit meinem Vater, Sohn und Hund das schöne Wetter am See. Wir gönnen uns in einem schönen Kaffee ein Eclaire, ein feines Dessert.

Am Abend werfe ich den Grill an. Es gibt ein Stück Fleisch, Reis und Tomaten-Mozzarella-Salat. Nach einem gemütlichen Fernsehabend freue ich mich auf das dritte Halbfinalspiel in Zug. Diesmal werden wir bereit sein.