Super League

Kreativer und unberechenbarer: So will der FCB Geschichte schreiben

Der FCB-Cheftrainer Urs Fischer (links) und Sportchef Georg Heitz blicken zuversichtlich auf die neue Saison.

Der FCB-Cheftrainer Urs Fischer (links) und Sportchef Georg Heitz blicken zuversichtlich auf die neue Saison.

Der FC Basel startet am Sonntag um 16 Uhr mit dem Spiel gegen den FC Sion in die Saison 2016/2017. Nebst den neuen Gesichtern will Urs Fischer auch sonst mit der einen oder anderen Änderung Geschichte schreiben.

Noch dreimal schlafen, und dann beginnt für den FC Basel eine Saison, in der er Geschichte schreiben könnte. Grössere Geschichte als in den letzten Jahren. Denn wenn der FC Basel den achten Meistertitel in Serie holt, wäre dies gleichbedeutend mit dem 20. Titel der Vereinshistorie. Und der FCB würde sich somit den heissbegehrten zweiten Stern holen und wäre somit erst der zweite Schweizer Verein nach GC, der das schafft. 

Doch noch stehen diesem Ziel 36 Spiele im Weg, die der FC Basel so positiv wie möglich bestreiten muss und will. Und dies wird er mit einem Kader tun, der einen markanten Umbruch erlebt hat. Mit Walter Samuel, Behrang Safari, Philipp Degen und Breel Embolo haben grosse Namen und abgesehen von Degen, der am Ende seiner Karriere lange verletzt war, grosse Teamstützen das Team verlassen. Und wurden insgesamt von acht Neuzugängen ersetzt. 

So war die Vorbereitung geprägt von der Integration der neuen Spieler und dem Erlernen der Automatismen. «Der Kader ist erst seit einer Woche komplett, das braucht noch etwas Zeit», sagt deshalb auch Cheftrainer Urs Fischer. «Das neue Gesicht der FC Basel ist sich irgendwo noch am Modellieren.»

Am Dienstag konnten sich die Fans ein erstes Bild ihrer neuen Mannschaft machen. Und konnten dabei feststellen, dass der FCB noch einen Zacken internationaler geworden ist. Und vor allem auch grösser. 29 Spieler umfasst der Kader der ersten Mannschaft aktuell. «Das ist eine tolle Zahl. Es wird einen schönen Konkurrenzkampf geben. Die Saison ist lang und wir werden diese Spieler sicher benötigen», sagt Fischer. 

Keine weiteren Zugänge mehr 

Es ist aber anzunehmen, dass der FC Basel in den nächsten Wochen noch den einen oder anderen Abgang zu verzeichnen haben wird. Dies betont auch Sportchef Georg Heitz: «Wir schreiben den 21. Juli. Es wäre verwegen, zu diesem Zeitpunkt zu sagen, dass die Transfer-Aktivitäten abgeschlossen sind. Zumindest auf der Zugangs-Seite wird nichts mehr passieren. Oder höchstwahrscheinlich nichts mehr passieren. Aber unsere Erfahrung hat uns gelehrt, dass auf der Abgangs-Seite noch etwas gehen wird.»

Forciert werde dies von Seiten des Vereins abgesehen von einer Ausnahme aber nicht. Und diese Ausnahme ist Veljko Simic. «Bei ihm suchen wir nach einer Lösung.» Mehr wollte Heitz dazu nicht sagen. 

Für Fischer aber dürfte die Arbeit mit den Spielern im Vordergrund stehen und nicht die Gedanken über deren allfällige Abgänge. Dass sein Kader sich stark verändert hat, ändere für ihn nichts: «Ich hatte schon letztes Jahr einen sehr guten Handwerkskasten. Und auch trotz der personellen Veränderungen wird sich für uns nicht viel ändern.» 

Damit spricht Fischer vor allem seine Taktik an. Über die letzte Saison hinweg setzte der FCB-Coach mehrheitlich auf ein 4-2-3-1-System. Dass er daran viel ändern wird, darf bezweifelt werden. Auch wenn gegen Zenit St. Petersburg zeitweise mit einem 4-1-4-1 und einem 3-5-2 alternative Systeme getestet wurden. «Das 4-2-3-1 ist weiterhin unser System, ja. Aber wir werden auch in diesem Jahr wieder Spiele haben, in denen wir unser System dem Gegner anpassen werden.» Wichtig sei vor allem, dass das System zu den Spielern und deren Fähigkeiten passe und sie es adaptieren können. 

Neue Reize für Unberechenbarkeit 

Dabei half Fischer der Umstand, dass die neuen Spieler, die Fischers Taktik noch nicht kannten, fast alle vom Beginn der Vorbereitung an dabei waren und sich so daran gewöhnen konnten. «Ich verlange von den Spielern aber auch eine gewisse Flexibilität. Und zwar so, dass sie mit einer Bewegung im Spiel auch einmal das System ändern können.» Diese Änderungen sollen aber nicht aus Angst passieren, sagt Fischer. «Denn Angst haben wir vor niemandem.»

Vielmehr sollen sie dazu dienen, dass der FCB in der zweiten Saison unter Fischer kreativer und unberechenbarer wird. «Wir haben in der letzten Saison fast 90 Tore geschossen und mit Abstand die wenigsten bekommen. Wir müssen die Welt also nicht neu erfinden. Aber etwas mehr Unberechenbarkeit wäre gut.»

Denn auch wenn der FCB einmal mehr der grosse Favorit und auf dem Papier auch jenes Team mit dem stärksten Kader ist, werde auch diese Saison kein Selbstläufer, wie Heitz und Fischer beide betonen. «Es ist gleichzeitig der grosse Reiz aber auch die grosse Herausforderung, jedes Jahr mit einer neuen Mannschaft die bisherigen Erfolge zu bestätigen. Das ist nicht immer so einfach. Das ist ein Prozess», sagt Heitz. 

Auch für Fischer ist klar, dass der zweite Stern das Ziel aber der Weg dorthin sehr lang ist. «Es hat andere Teams, die uns im Weg stehen wollen.» Das erste davon ist der FC Sion, der am Sonntag um 16 Uhr im Joggeli gastiert. Den Sittenern attestiert Fischer einmal mehr grosses Potenzial und die Möglichkeit, die Liga aufzumischen, sollten sie etwas mehr Konstanz finden als in den letzten Jahren. 

Konstanz muss auch der FC Basel noch finden, vor allem in der Defensive, die in den meisten Testspielen alles andere als sicher wirkte. So resultierte aus sämtlichen Spielen in der Vorbereitung auch kein einziger Sieg. Dass dadurch das Selbstvertrauen beim FCB etwas kleiner ist, streitet Fischer nicht ab. Aber auch trotz der vielen Gegentore werde man gegen Sion nicht hinten rein stehen. «Wir müssen uns in gewissen Situationen einfach geschickter verhalten.» Kann das Team das umsetzen, dann sollte Fischers Auftrag auch erfüllt werden können: «Wir wollen gut aus den Startlöchern kommen. Wir haben letzte Saison gesehen, wie wichtig der Start in die Saison ist.» 

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