US Open

Krach unterm Dach in New York

Rafael Nadal und Andreas Seppi traten als erste Spieler im geschlossenen Arthur Ashe Stadium an.Keystone

Rafael Nadal und Andreas Seppi traten als erste Spieler im geschlossenen Arthur Ashe Stadium an.Keystone

Die US Open brauchen endlich den Regen nicht mehr zu fürchten – dafür ist es nun auf dem Court zu laut.

Rafael Nadal stand am Mittwochabend an der Grundlinie im Arthur Ashe Stadium und wollte aufschlagen. Doch er wartete, schaute mit strengem Blick hoch auf die Ränge. Der französische Schiedsrichter Cedric Mourier richtete sich an die knapp 24 000 Zuschauer: «Bitte, die Spieler sind bereit. Es ist etwas zu laut, danke.» Das war leicht untertrieben. Meist war weder das Ploppen des Balles beim Schlagtreffpunkt zu hören, an dem sich die Spieler orientieren, noch die Spielstandansage des Schiedsrichters. Nun hat man das grösste Tennisstadion der Welt endlich für 150 Millionen Dollar überdacht und damit den lästigen Regen ausgesperrt, aber dafür das nächste Problem reingelassen: den Lärm.

«So laut ist es noch nie gewesen», monierte TV-Experte John McEnroe. Das New Yorker Publikum war seit je nie für seine Zurückhaltung bekannt, und es lässt sich schon gar nicht von einem Tennismatch davon abhalten, sich fortwährend mit Hotdogs, Fritten und Cola zu versorgen und dabei zu schwatzen. Das ist normal und gehört einfach zum eigenen Flair der US Open. Nun verstärkt aber die neue Dachbeschaffenheit diese Geräuschkulisse um ein Vielfaches. An der 6500 Tonnen schweren Stahlkonstruktion, die wie ein überdimensionaler Pavillon über der obersten Sitzreihe der Tribünen in
32 Metern Höhe schwebt, prallt der Widerhall ab und verursacht ein konstantes Brummen. «Ich war schon überrascht, wie laut es war», wunderte sich Nadal, der als erster Spieler unter dem geschlossenen Dach antrat, nachdem es nach dem ersten Satz seiner Partie zu regnen begonnen hatte. «Das Seltsame ist, dass es mit offenem Dach eigentlich genauso laut war.» Die Gesamtspannweite der weissen Überdachung hat die Grösse von drei Fussballfeldern, allerdings sind davon nur 76 Quadratmeter immer offen. Das Stadion hat nun also eher Hallen-Atmosphäre – und damit einhergehend eben Hallen-Akustik. «Ich habe noch nie so viel Lärm auf einem Platz erlebt», beklagte die French-Open-Siegerin Garbine Muguruza.

Ein Lehrjahr für die US Open

Wimbledonchampion Andy Murray spielte am Donnerstag ebenfalls unter dem geschlossenen Dach, als heftige Schauer über die Anlage in Flushing Meadows niederprasselten. «Der Regen trommelte unglaublich laut auf das Dach», sagte Murray nach seinem souveränen Sieg über Marcel Granollers,«das ist hier viel lauter als in Wimbledon.» Ob sich der Lärmpegel im Arthur Ashe Stadium noch zu einem handfesten Unruheherd dieser US Open auswächst, muss sich zeigen. Gordon Smith, Geschäftsführer des amerikanischen Tennisverbandes USTA, sieht derzeit keinen Grund zur Panik. «Das ist ein Lehrjahr für uns, für die Spieler und für die Fans», sagt Smith, «wir schauen, was wir verbessern können. Aber bisher hat es keine offizielle Beschwerde eines Spielers gegeben.»

Und so gerne möchte sich die USTA die Stimmung bei ihrer grossen Einweihungsparty auch gar nicht verderben lassen. Schliesslich hatten sie für Gesamtkosten von 600 Millionen Dollar die ohnehin imposante 18,8 Hektaren grosse Anlage im Stadtteil Queens weiter aufpoliert. Den Machern der French Open müssen angesichts dieser Dimensionen die Augen tränen. In Pariswird weiter auf engstem Raum gekleckert, in New York dagegen selbstbewusst geklotzt – und perfekt inszeniert. Pop-Altmeister Phil Collins sang zur Eröffnungsnacht «In The Air Tonight» auf dem Centre-Court und hoch über ihm öffnete sich inmitten von Trockeneis-Schwaden das Dach.

100 000 zusätzliche Zuschauer

Dazu wurde als drittgrösstes Stadion mit 8000 Sitzplätzen der neue Grandstand, der nun durch einen Skywalk mit Court 17 am gegenüberliegenden Ende der Anlage verbunden ist, eingeweiht. Die Aussencourts wurden um 2000 Sitzplätze aufgestockt und nun mit modern-einheitlichem Design versehen. Und auch das Gastronomie-Angebot hat sich deutlich erweitert, denn alles ist darauf ausgelegt, die Besucherzahlen von 700 000 künftig auf 800 000 zu erhöhen. Und fertig sind die Umbaumassnahmen längst nicht. In zwei Jahren wird das neu errichtete Louis Armstrong Stadium über 15 000 Plätze verfügen und ebenfalls ein verschiebbares Dach. Denn Regen-Frust, Spielplan-Verzögerungen und Final-Montage sollen endlich der Vergangenheit angehören. Nur Ruhe wird nicht einkehren in Flushing Meadows, so viel steht fest.

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