Die beiden Schweden Hans Wallson und Lars Johansson sind per sofort ihres Amtes enthoben worden. Bis Saisonende übernimmt der kanadisch-schweizerische Doppelbürger Hans Kossmann das Kommando. Dann wird der Kanadier Serge Aubin ZSC-Trainer. Mit einem Zweijahresvertrag (bis 2020).

Hans Wallson und sein Assistent hätten eigentlich bereits im letzten Frühjahr nach dem kläglichen Scheitern im Playoff-Viertelfinal gegen Lugano gefeuert werden müssen.

Arroganz und Ignoranz

Warum blieben sie trotzdem im Amt? Natürlich hatten sie noch einen Vertrag für diese Saison. Aber das war nicht der Grund für das Festhalten an Trainern, die bereits zu diesem Zeitpunkt nur noch lahme Enten waren. Arroganz, Ignoranz und Eitelkeit in der Führungsetage führten dazu, dass man den Irrtum bei der Trainerwahl nicht eingestehen wollte und die Schweden wider besseren Wissens im Amt belassen hat. Die ZSC Lions bezahlen dafür mit einem verlorenen Jahr.

Hans Wallson und Lars Johansson sind tüchtige, fachlich hoch qualifizierte Trainer. Sie sind nicht hockeytechnisch gescheitert. Sondern an einer fehlenden Sensibilität für unsere Hockeykultur. Sie waren in ihrem Selbstverständnis irgendwie Hockey-Missionare aus einem gelobten Land, die einer unterentwickelten Hockeykultur das Licht der Erkenntnis brachten.
Diese Herablassung konnten sie bei aller professionellen Höflichkeit nie ablegen.

Und sie konnten nie verstehen, warum es bei uns einen fordernden, bisweilen rauen Führungsstil braucht und das Prinzip «Selbstverantwortung» schon deshalb nicht funktioniert, weil der Konkurrenzdruck für die Spieler viel geringer ist als daheim in Schweden. Ihre Verpflichtung war kein Fehler und es wäre billige Polemik, nun die Führung der ZSC Lions wegen dieser Trainerwahl zu kritisieren. Es war einfach ein Irrtum, der auch im bestgeführten Sportunternehmen passieren kann.

Auch der Stilwechsel vom rauen nordamerikanischen, ganz auf Spiel und Coaching ausgerichteten Führungsstil auf Trainer, die mehr Wert auf Training und Ausbildung setzen, war richtig. Erst recht für ein Hockeyunternehmen wie die ZSC Lions, das Europas grösste Nachwuchsorganisation betreibt. Aber es hat nicht funktioniert.

Im dümmsten Moment

So sind die Lions Titanen des Talentes und Zwerge der Leistung geworden. Zu viel Talent kann zum Problem werden. Weil in dieser ausgeglichenen Liga Talent alleine nicht mehr ausreicht. An einem guten Abend fegten die ZSC Lions mit ihrem Talent die besten Gegner auch unter Hans Wallson vom Eis. Aber an einem normalen Abend sind sie von Gegnern vom Eis gearbeitet worden, die nicht halb so viel Geld und Talent zur Verfügung haben.

Aber Achtung: Die ZSC Lions bleiben Titanen der Liga. Entscheidend sind nicht die Fehler der Vergangenheit. Viel wichtiger ist die Einsicht, Fehler gemacht zu haben und die richtige Korrektur. Und genau diese Korrektur haben die Zürcher nun vorgenommen. Wie notwendig dieser Trainerwechsel war, zeigt sich auch daran, dass auch ein Wechsel beim Farmteam in Kauf genommen wird. Leo Schumacher, der Trainer der GCK Lions, wird bis Saisonende Assistent von Hans Kossmann und bis zu seiner Rückkehr im nächsten Frühjahr durch seinen bisherigen Assistenten Michael Liniger vertreten.

Der SC Bern hat das Nachlassen des grossen Rivalen, die Gunst der Stunde, bereits zu zwei Titeln und diese Saison zu einer nie gesehenen Dominanz der Liga genutzt. Aber nun ist die Schonzeit um. Die ZSC Lions haben das Talent und nun auch wieder die sportliche Führung, um die Liga aufzumischen und den Meister bereits diese Saison zu entthronen. Der Trainerwechsel kommt für den SC Bern im dümmsten Moment. Wir müssen die Geschichte der Saison neu schreiben.