Kontroverse
Betrug in Ambri: Veloständer oder Skandal – das ist die Frage

Ist Ambri am Dienstag wegen stossender Rechtsungleichheit betrogen worden? Darüber wird gegenwärtig gestritten. Das Problem sind die Kameras.

Klaus Zaugg
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Es gibt ein sicheres Anzeichen dafür, dass diese Sache hochheikel ist. Alle Verantwortlichen geben zwar ausführlich Auskunft. Aber nur unter der Zusicherung, dass man weder zitiert noch namentlich genannt werde. Dabei geht es um das Eingemachte, ja um die Glaubwürdigkeit des Hockeys. Nämlich um die Rechts- und Chancengleichheit.

Um die Geschichte erzählen und trotzdem die Anonymität der Informanten wahren zu können, bezeichnen wie die beiden wichtigsten Gruppen als Veloständer und als Pfeifen. Die Veloständer bilden die Vertreter der Klub- und Ligaseite. Die Pfeifen die verschiedenen Abgesandten der Schiedsrichterabteilung. Die Bezeichnung Veloständer haben wir gewählt, weil ein Vertreter der Klub- und Ligaseite das Ganze als Veloständer-Problem kleinredet.

Glauben reicht nicht – Sehen und Wissen ist erforderlich

Die Fakten: Zug wird nach Konsultation der verschiedenen Kameras der 2:2-Ausgleich in Ambri zugesprochen (Schlussresultat 2:3 n.V). Auf dem Eis hatten die Schiedsrichter den Treffer nicht gegeben. Nach Betrachtung der verschiedenen bewegten Bilder wird das Tor doch gegeben. Weil angeblich zu erkennen ist, dass der Puck im Fanghandschuh von Benjamin Conz doch hinter der Torlinie war.

Video: TV24 / Mysports

Aber war er das? Ein führender Vertreter der Pfeifen sagt: «Der Treffer hätte nicht gegeben werden dürfen. Der auf dem Eis getroffene Entscheid darf nur umgestossen werden, wenn die Bilder zweifelsfrei das Gegenteil beweisen.» War das also nicht der Fall? «Der gesunde Menschenverstand sagt: Der Puck in der Fanghand war hinter der Linie. Aber dafür gibt es den erforderlichen sichtbaren Beweis nicht.» Glauben reicht nicht. Sehen und Wissen ist erforderlich.

Interessant ist die Begründung, warum es dieses Sehen und Wissen nicht gibt: «Der Winkel der Übertorkamera ist so, dass es gar nicht möglich ist, zweifelsfrei zu erkennen, ob dieses Tor gegeben werden kann.» Und einer legt in der Sache nach: «Diese Kameras sind nicht in allen Stadien im gleichen Winkel montiert und liefern nicht überall die gleichen Bildausschnitte. Das erschwert übrigens immer wieder auch das richtige Erkennen von Torhüterbehinderungen.» Also ein klarer Fall von Rechts- und Chancenungleichheit? Offenbar noch mehr:

«Nicht nur das. Es ist ein Skandal. Wir machen immer wieder auf diese Problematik aufmerksam. Aber alle unsere Einwände werden ignoriert.»

Gleiche Bedingungen gar nicht möglich?

Hoppla. Doch die Veloständer wiegeln ab und behaupten, erstens sei es aus baulichen Gründen gar nicht möglich, die entsprechenden Kameras in allen Stadien exakt gleich zu montieren (Anmerkung: aber es ist möglich, auf den Mond zu fliegen), zweitens werde die Kameraposition durch die TV-Produktionsfirma und die TV-Anstalten vorgegeben und drittens sei das Installieren der Kameras sowieso Sache der Klubs. Gewisse, aber völlig unerhebliche Unterschiede gebe es höchstens bei den Kamerainstallationen in Biel, Zug und Genf.

Drin oder nicht? Die umstrittene Szene

Drin oder nicht? Die umstrittene Szene

Bild: Screenshot TV24

Zusammenfassend sagt einer der wichtigen Veloständer: «Das ist eine Diskussion um Veloständer. Es gibt kein Problem. Ich habe die Schnauze voll.» Auffallend ist bei dieser Sache, dass so sehr auf Anonymität gepocht und teilweise freundlich und ausführlich, aber mit sichtlicher Enervierung Auskunft gegeben wird. Mit dem Hinweis, wie sehr man in der Sache unter Druck stehe. Von einer Seite werden sogar Bilder geliefert, die das Problem veranschaulichen:

«Aber die können Sie nicht verwenden. Sonst kommt man womöglich noch drauf, woher Sie die Bilder haben.»

Das alles tönt mehr nach Skandal als nach Veloständer. Immerhin sollte doch in einer so unberechenbaren Sache wie Hockey das gehegt und gepflegt werden, was berechenbar ist. Zum Beispiel die Positionen von Kameras, deren Bilder über «Tor» oder «kein Tor» entscheiden.

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