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Konkurrenzkampf beim FC Bayern: "Böser Blick Richtung Trainer"

Arturo Vidal ist der nächste Star beim FC Bayern - der ohnehin harte Konkurrenzkampf wird noch einmal verschärft.

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Arturo Vidal (links) und Matthias Sammer.

Arturo Vidal (links) und Matthias Sammer.

KEYSTONE

Für Matthias Sammer ist Arturo Vidal ein "Protagonist", ein Hauptdarsteller im Kampf um Titel. Für eine Nebenrolle taugt einer wie der 28 Jahre alte Chilene auch gar nicht. Doch genau darin liegt das (Luxus-)Problem für Bayern Münchens Trainer Pep Guardiola: Er verfügt in dieser Saison über derart viele Protagonisten, dass ein Hauen und Stechen um die elf Plätze beim Rekordmeister unumgänglich ist.

Gnadenloser Konkurrenzkampf

Doch den gnadenlosen Konkurrenzkampf, den es in dieser Form selbst beim FC Bayern noch nie gegeben hat, haben die Verantwortlichen auf dem erhofften Weg zum zweiten Triple der Vereinsgeschichte bewusst herbeigeführt. "Im vergangenen Jahr hatten wir das Problem, dass uns in entscheidenden Spielen vier, fünf wichtige Spieler auf dem Platz fehlten. Daraus haben wir die Lehren gezogen", sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge im kicker.

Auch die möglichen negativen Begleiterscheinungen werden in Kauf genommen. "Klar ist: Der Konkurrenzkampf bei uns ist gross, war er auch früher schon. Ich mag diesen Konkurrenzkampf. Es gibt auch für deutsche Nationalspieler keinen Bonus. Jeder Spieler muss sich diesem Wettbewerb stellen", betonte Rummenigge, wohlwissend, "dass der eine oder andere Spieler dann unter Umständen einen bösen Blick Richtung Trainer oder Klub werfen wird, wenn er mal auf der Bank sitzt".

15 Spieler fürs Mittelfeld

Und dass zahlreiche Stars auf der Bank sitzen werden - vorausgesetzt, dass alle Spieler zur Verfügung stehen -, ist Fakt. Alleine für das Mittelfeld kommen trotz des Abgangs von Bastian Schweinsteiger je nach Ausrichtung 15 (!) Spieler infrage: Vidal, Thiago, Franck Ribéry, Arjen Robben, Thomas Müller, Xabi Alonso, Juan Bernat, David Alaba, Philipp Lahm, Sebastian Rode, Javi Martínez, Joshua Kimmich, Pierre-Emile Höjbjerg, Mario Götze und 30-Millionen-Zugang Douglas Costa.

Folgen könnte das Gedränge im Mittelfeld sogar für Kapitän Lahm haben, der sich möglicherweise wieder mit der Position des Rechtserteidigers anfreunden muss. Alaba dürfte erst einmal auf links in der Viererkette bleiben, obwohl sich auch der Österreicher wie Lahm eher offensiver und in der Zentrale sieht.

Vidal voller Demut

Selbst der 35-Millionen-Euro-Einkauf Vidal weiss angesichts der "grossartigen Spieler mit fantastischer Qualität" um die grosse Konkurrenz, weshalb er bei seiner Vorstellung am Dienstag auch mehrmals betonte, sein erstes Ziel sei, "in die Stammformation zu rücken". Er würde "gerne im Mittelfeld spielen", ergänzte der "Krieger" zurückhaltend, "aber das ist eine Entscheidung des Trainers. Er wird sagen, wo ich spiele."

Doch einer wie Vidal wird sich nicht so leicht verdrängen lassen. Bei seinen bisherigen Klubs Bayer Leverkusen und Juventus Turin hat er sofort Verantwortung übernommen - selbst bei Elfmetern. Die hatte bei Juve zuvor kein Geringerer als Andrea Pirlo geschossen. Bei Bayern müsse er nun "erst mal meine Kollegen kennenlernen und dann werden wir mal sehen, wer die Elfer schiesst", sagte der Nationalspieler. Bislang war dies Thomas Müller.

Es liegt nun an Guardiola, die Härtefälle geschickt zu moderieren und die Stars bei Laune zu halten. Dies war selbst in der vergangenen Spielzeit trotz vieler Ausfälle nicht immer gelungen. Vor allem Weltmeister Mario Götze fühlte sich zu wenig beachtet. Der seit Monaten verletzte Superstar Ribéry soll sich intern über mangelnde Unterstützung durch den Coach beschwert haben.

Trotz des harten Wettbewerbs: Weitere Transfers wollte Rummenigge zuletzt nicht ausschliessen. "Ich will da nicht die Tür zumachen. Es ist noch zu früh." Man müsse überlegen, ob man schon im Vorgriff auf 2016 etwas mache, "da wird es sicher nicht preiswerter".

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