Die Vertragsverhandlungs-Saga zwischen William Nylander (22) und den Leafs hält die hockeyverrückte Stadt in Kanada seit Monaten in Atem. Das Problem ist Folgendes: Toronto hat im Sommer mit John Tavares den grössten Fisch im Free-Agent-Markt an Land gezogen und ihm mit einem jährlich über 11 Millionen US-Dollar dotierten Siebenjahresvertrag ausgestattet.

Highlights William Nylander

Damit zeichnete sich aber ab, dass Leafs-GM Kyle Dubas bei den neu zu verhandelnden Verträgen der Jungstars Auston Matthews (21), Mitch Marner (21) und eben Nylander auf die Lohnsumme schauen muss, damit er punkto Lohnobergrenze nicht in die Bredouille kommt. Während Matthews und Marner derzeit im letzten Jahr ihres ersten NHL-Vertrags stehen und erst im kommenden Sommer über eine Verlängerung verhandeln müssen, ist Nylander bereits jetzt in dieser verzwickten Lage.

Probleme mit dem Salary Cap

Dubas weiss, dass der Vertrag, den er mit dem schwedischen Jungstar abschliesst, massgebend sein wird für die Verhandlungen mit seinen beiden anderen Juwelen. Und er weiss auch, dass er dem Trio nicht jede gewünschte Summe bieten kann, weil er sonst eben spätestens im nächsten Sommer ein Problem mit der Gesamtlohnsumme haben wird. Nylander und dessen Agent ist das allerdings herzlich egal. Man spricht davon, dass das Lager des Schweden über 8 Millionen verlangt, Dubas aber sicher unter 7 Millionen rausrücken will, zumal Marner und vor allem Matthews punkto Potenzial eher noch höher (und teurer) eingestuft werden müssen als Nylander.

Die Konsequenz: Beide Seiten sind bisher nicht von ihren Standpunkten abgerückt und der Schwede steht immer noch ohne Vertrag da. Einigen sich die beiden Parteien nicht bis am 1. Dezember, dann wird Nylander in der aktuellen Saison nicht mehr für die Leafs (und in der NHL) auflaufen.

Momentan gibt es daher drei Szenarien

1.) Man findet doch noch den Weg zu einem Deal – notfalls auch einen so genannten Überbrückungsdeal für eine Saison, um im kommenden Sommer nochmal neu zu verhandeln. Dazu wird es allerdings kaum kommen, weil es das grundsätzliche Problem nicht löst, sondern nur aufschiebt.

2.) Die Maple Leafs transferieren Nylander zu einem anderen NHL-Team, das punkto Lohngefüge flexibler ist und Nylanders Forderungen erfüllen könnte. Eine Variante, die ebenso unwahrscheinlich ist, weil es Toronto schlicht nicht nötig hat angesichts der aktuellen, positiven Saisonverlaufs, Nylander unter Zeitdruck gegen einen Spieler einzutauschen, der dem Team sofort helfen würde. Und Draftpicks oder Talente als Gegenwert sind diesbezüglich ebenso uninteressant.

3.) Die wahrscheinlichste Variante ist, dass William Nylander einen Vertrag bei einem europäischen Team unterschreiben wird. Rein finanziell gesehen müsste das eine Mannschaft in der russisch geprägten KHL sein, da dort die Stars gerne mal mit Millionenverträgen ausgestattet werden. Viel spricht deshalb für eine solche Variante. Sportlich würde auch ein Engagement in seiner Heimat Schweden Sinn machen. Aber es gibt eben noch eine dritte Destination, die aus Sicht von William Nylander verlockend ist: Die Schweizer National League.

Wo könnte Nylander in der Schweiz landen?

Man muss wissen, dass Williams Vater Michael, selber ein langjähriger NHL-Star, einst beim HC Lugano (1996/97) sowie bei den ZSC Lions und den Kloten Flyers (2011/12) spielte. Und, noch viel wichtiger: der Papa lebt mittlerweile in der Nähe von Zug. Deshalb trafen sich Leafs GM Dubas und William Nylander für ihre letzte, persönliche Verhandlungsrunde auch in der Schweiz. Und darum ist das Szenario eines Nylander-Transfers in die National League gar nicht so unrealistisch.

Aber welche Teams könnten sich die Dienste des 22-Jährigen überhaupt leisten? Infrage kämen im Prinzip drei Mannschaften:

  • Der HC Lugano: Die Familie Nylander pflegt immer noch freundschaftliche Bande ins Tessin. Lugano hätte zweifellos das nötige Kleingeld in der Transfer-Kriegskasse. Dazu kämpfen die aktuellen Söldner der Bianconeri immer mal wieder mit Verletzungssorgen.
  • Der EV Zug: Angesichts des Wohnorts von Papa Nylander und den finanziellen Möglichkeiten der Innerschweizer ein durchaus realistisches Szenario. Dagegen spricht, dass die Zuger mit Klingberg, Roe. McIntyre und dem eben erst geholten Everberg bereits über vier Top-Ausländer verfügen und eigentlich keinen Handlungsbedarf haben.
  • Die ZSC Lions: Auch die Lions könnten sich ein Engagement Nylanders leisten. In Zürich hat man zudem Erfahrung mit Leafs-Spielern. Schliesslich spielte Auston Matthews vor seinem Nummer-Eins-Draft eine Saison bei den ZSC Lions. Aber: Die Zürcher haben bereits fünf Ausländer unter Vertrag – und damit einen mehr, als spielen darf.

Klar ist: Der Schwede wäre eine riesige Attraktion für unsere höchste Eishockey-Liga. Träumen ist erlaubt.