Kommentar
Trotz Corona Partystimmung in Adelboden: Der Plan der Weltcup-Veranstalter war naiv

Die ausgelassene Party am Chuenisbärgli irritierte. Den Organisatoren kann man nur bedingt einen Vorwurf machen. Doch sie veranstalteten einen riskanten Anlass.

Claudio Zanini
Claudio Zanini
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Dichtes Gedränge am Samstag auf der Tribüne von Adelboden.

Dichtes Gedränge am Samstag auf der Tribüne von Adelboden.

Freshfocus

Marco Odermatt fährt den grössten Sieg seiner bisherigen Karriere ein und sorgt für eine rauschende Skiparty in Adelboden. 12'500 Zuschauerinnen und Zuschauer feierten ausgelassen vor Ort mit. Als wäre Omikron bloss ein griechischer Buchstabe. Der Skizirkus offenbarte an diesem Wochenende eine eigenartige Ambivalenz. Alle wünschten sich ein Skifest. Doch als das Skifest da war, wurde vielen unwohl.

Den Organisatoren um Geschäftsführer Christian Haueter kann man nur bedingt einen Vorwurf machen. Letztlich wollten sie perfekt inszenierten Skisport einem möglichst grossen Publikum präsentieren. Dazu befolgten sie die Anordnungen der Behörden - und diese gaben grünes Licht. Auf dem ganzen Gelände herrschte 3G-Zertifikationspflicht. Auf Barbetrieb in Zelten wurde etwa verzichtet.

Doch man muss kein Weltcup-Veranstalter sein, um vorauszusehen, dass eine Party mit Hilfe des Faktors Alkohol eine kaum kontrollierbare Dynamik annimmt. Zu erwarten, dass sich die Tausenden Besucherinnen und Besucher an die Maskenempfehlung halten oder Abstand wahren, grenzt an Naivität. Ob auf den Tribünen, an den Stehtischen im Weltcup-Dorf oder in den Shuttlebussen – die Bilder befremdeten.

Dass selbst die Organisatoren ein mulmiges Gefühl bekamen, zeigte der kurzfristige Entscheid, die Siegerehrung am Samstagabend vor Publikum spontan abzusagen. Dem Vernehmen nach wären mehrere Athleten aus Sorge erst gar nicht aufgetaucht. Das Risiko einer Ansteckung an diesem Wochenende war für alle zu hoch. Nicht nur für die Athleten.

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