Kommentar
Spitzensport-RS für Behinderte: Hoffentlich ist das mehr als nur ein Feigenblatt

Bundesrätin Viola Amherd will eine Armee für alle, die wollen und können. Erste Schritte sind gemacht. Aber nicht mehr.

François Schmid-Bechtel
François Schmid-Bechtel
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Elena Kratter gehört an den Paralympics zur Schweizer Delegation. Die Leichathletin wird im Herbst als ersten Behindertensportlerin die RS in Magglingen absolvieren.

Elena Kratter gehört an den Paralympics zur Schweizer Delegation. Die Leichathletin wird im Herbst als ersten Behindertensportlerin die RS in Magglingen absolvieren.

Ennio Leanza / KEYSTONE

Mit Elena Kratter und Fabian Recher dürfen ab dem 1. November erstmals zwei Behindertensportler die Spitzensport-Rekrutenschule in Magglingen absolvieren. Bereits am 15. März rückte erstmals ein Behinderter in eine reguläre RS ein: Nouh Arhab, 21, Web-Designer, querschnittgelähmt.

Echte und unechte Leiden wurden zu meiner Zeit vorgebracht, um dem Militärdienst zu entgehen. In einem Fall reichte schon ein oranger Hare-Krishna-Umhang, eine Glocke in der Hand und ein unverständliches Gemurmel wie ein Gebet, um dem Militärdienst zu entgehen. Rollstuhlfahrende Menschen im Kampfanzug – unvorstellbar. Nur kampftaugliche Typen sollten Militärdienst leisten. Entsprechend machoid war der Umgang in der Armee.

Unterdessen leben wir aber in einer Zeit, in der Minderheiten sich gegen Diskriminierung auflehnen. Und wir leben in einer Zeit, in der eine Frau dem Militär vorsteht. Das ist gut so. Denn Viola Amherd will die festgefahrenen Strukturen aufweichen. Dass die Armee weiblicher werden soll, hat sie als Ziel bereits formuliert. Ihre Vision lautet: Eine Armee für alle, die wollen und können.

Das tönt richtig gut. Aber ist die Vision mehr als nur Propaganda? Ja, wenn man bedenkt, dass behinderte Menschen erstmals die RS absolvieren dürfen. Nein, wenn man beispielsweise an Menschen mit Trisomie 21 denkt. Sie können an der Uni studieren, aber nicht Dienst leisten, selbst wenn sie wollten. Dabei wären einige für die Cyber-Abwehr absolut prädestiniert. Und was ist mit Homosexuellen? Viele berichten immer noch von Diskriminierung. Es gibt also noch viel zu tun, um das Versprechen einer Armee für alle einzulösen.

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