Kommentar
Die Äusserung von Müller ist kein Einzelfall: Homosexuelle Fussballer outen sich nicht – was kein Wunder ist

Marius Müller, der Fussballtorhüter des FC Luzern, hat sich vor laufenden TV-Kameras über seine Verteidiger echauffiert, in dem er ihr Verhalten als «schwul» bezeichnet hat. Es zeigt einmal mehr auf, dass im Männerfussball Homophobie noch immer verbreitet ist.

Raphael Gutzwiller
Raphael Gutzwiller
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Luzern-Torhüter Marius Müller vergriff sich deutlich im Ton.

Luzern-Torhüter Marius Müller vergriff sich deutlich im Ton.

Freshfocus

Marius Müller schockiert in einem TV-Interview. Der Torhüter des FC Luzern kritisiert seine Vordermänner nach der Niederlage in St. Gallen mit den Worten: «Dieses schwule Weggedrehe geht mir tierisch auf den Sack.» Die gleiche Aussage tätigt er einige Minuten später ein zweites Mal.

«Schwul» benutzt er in diesem Kontext als klare Abwertung. Er missbilligt das Abdrehen seiner Verteidiger, er hält dieses für ein ängstliches Verhalten. Er setzt «schwul» mit «schlecht» oder «falsch» gleich. Dabei spielt es keine Rolle, ob Müller tatsächlich schwulenfeindlich gesinnt ist oder nicht. Es ist eine Äusserung, die völlig aus der Zeit gefallen ist.

Noch schlimmer machen es Klub und Spieler in der Folge mit ihrem Verhalten. Das Thema hätten sie am liebsten unter den Teppich gekehrt. Erst als der Druck grösser wurde, meldeten sie sich mit einer kurzen Stellungnahme in den sozialen Medien. Dort, wo Entschuldigungen mit einem aufrichtigen Videostatement ein wenig Glaubwürdigkeit hätten. Aber so, wie es Müller und der FC Luzern gemacht haben, nimmt man sie nicht ernst.

Die Aussage und der Umgang damit zeigt einmal mehr auf, dass im Männerfussball Homophobie verbreitet ist. Noch immer getrauen homosexuelle Fussballer sich nicht zu outen. Kein Wunder. In Kabinen und auf Plätzen gehören Sprüche wie jene von Müller noch immer zum Alltag – egal, ob bei Profis oder Amateuren. Das muss sich endlich ändern.

Quelle: PilatusToday