Kommentar
Der Schweizer Cup 2021 ist endlich vorbei – einen Wettbewerb wie diesen soll es nie mehr geben

Mit dem FC Luzern gewinnt die richtige Mannschaft den Schweizer Cup. Die Ausgabe 2021 schrieb viele sportlich bemerkenswerte Geschichten. Und doch es gibt zu viele Verlierer.

Etienne Wuillemin
Etienne Wuillemin
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Luzerner Jubel im leeren Wankdorf. Viele Emotionen – doch die Kulisse ist trist. Es passt zum Schweizer Cup 2021.

Luzerner Jubel im leeren Wankdorf. Viele Emotionen – doch die Kulisse ist trist. Es passt zum Schweizer Cup 2021.

Bild: Urs Lindt / freshfocus

Die Kulisse des leeren Wankdorfs ist trist. Die Bilder trotzdem emotional. Wie die Vereinslegenden des FC Luzern, David Zibung und Christian Schwegler, beim letzten Spiel vor ihrem Rücktritt gemeinsam den Pokal in die Luft heben und die Freude in den Himmel schreien – es ist eine wunderbare Geschichte.

Wenige Meter daneben steht Peter Zeidler, der Trainer des unterlegenen Finalisten St.Gallen. Er sagt: «Wir holen den Pokal dann, wenn wieder Zuschauer im Stadion sind.» Natürlich, auch die St.Galler hätten die Trophäe ganz gerne mit nach Hause genommen. Doch Zeidlers Worte passen ganz gut zum Schweizer Cup 2021. Denn ein Fazit nach dem Endspiel ist eben auch: Es war eine ziemlich komische Cup-Saison. Eine, die es in dieser Form hoffentlich nie mehr gibt.

Nur 18 statt 45 Amateur-Teams durften mitmachen – der FC Solothurn musste gar Forfait geben

Wegen Corona gab es keine Volksfeste. Keine Duelle David gegen Goliath. Nur 18 statt wie normalerweise 45 Amateur-Teams durften überhaupt mitmachen. Die Super-Ligisten dagegen hatten bis zu den Achtelfinals gar Freilos. Zu diesem Achtelfinal wiederum konnte der FC Solothurn gar nicht antreten, musste gegen Kriens Forfait geben und wurde so einer vielleicht einmaligen Chance beraubt.

Das Motto lautete bis zuletzt: Einfach irgendwie zu Ende bringen. Immerhin dies ist gelungen. Und zugegeben: Rein sportlich betrachtet hat der Cup im Jahr 2021 einige bemerkenswerte Geschichten geschrieben. Das 2:6 des FC Basel gegen Winterthur bleibt wohl ewig unvergessen. Der FC Aarau stürmte in den Halbfinal und war dort gegen den späteren Cupsieger Luzern eigentlich die bessere Mannschaft. Dafür spielten die erfolgsverwöhnten Young Boys für einmal nur eine Nebenrolle.

Mit dem FC Luzern holt am Ende die richtige Mannschaft den Pokal. Der erste Titel nach 29 langen Jahren des Wartens ist der verdiente Lohn für einen Verein, der in den letzten Monaten eine bemerkenswerte Entwicklung hinter sich hat. Ausgerechnet Finalgegner St.Gallen gilt nun für die Innerschweizer als Mahnmal. Die Ostschweizer blicken auf eine enttäuschende Saison zurück, nur ein Jahr nachdem die Crew um Präsident Matthias Hüppi, Sportchef Alain Sutter und Trainer Zeidler in der Ostschweiz eine grosse Euphorie entfachen konnte. Nun will es Luzern besser machen, den Schwung in die neue Saison mitnehmen. In eine Zeit, in der hoffentlich wieder ganz vieles normal wird. Wenn es im Schweizer Cup wieder Volksfeste gibt. Und endlich wieder Zuschauer, wenn ein Titel vergeben wird.

Fabio Celestini, Trainer des FC Luzern, ist kein Fan von Kunstrasen. Doch nun, nach dem Cupsieg, küsst sogar er die Plastik-Unterlage.

Fabio Celestini, Trainer des FC Luzern, ist kein Fan von Kunstrasen. Doch nun, nach dem Cupsieg, küsst sogar er die Plastik-Unterlage.

Martin Meienberger