Kommentar
Der Dopingfall Alex Wilson: Eine Frage des Glaubens

Eine positive Dopingprobe verhindert einen Olympiastart von Alex Wilson und setzt den Basler Sprinter in Erklärungsnotstand. Ist der schnellste Mann der Schweiz nun Täter oder Opfer?

Rainer Sommerhalder
Rainer Sommerhalder
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Alex Wilson ist angeklagt, ein anaboles Steroid eingenommen zu haben.

Alex Wilson ist angeklagt, ein anaboles Steroid eingenommen zu haben.

Jean-Christophe Bott / Keystone

Man muss ihn einfach gern haben. Der Schweizer Leichtathlet Alex Wilson punktet mit einem unnachahmlichen Mix aus Bauernschläue und Naivität. Seine kultigen TV-Interviews haben ihm Sympathien und Popularität beschert. Aber würde man ihn auch mögen, wenn er ein Dopingtäter ist?

Wohl kaum. Doch nach Bekanntgabe von Wilsons positiver Dopingprobe auf ein anaboles Steroid fragt sich die Sportnation Schweiz: Ass dieser Pechvogel ganz einfach zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort ein saftiges Stück Fleisch? Oder ist er ein eiskalter Lügner und Betrüger? Wir wissen es nicht und es wäre unfair, aus dieser Unwissenheit heraus eine Antwort zu geben. Weil Wilson ein netter Kerl ist, würden wir ihm die Unschuld gönnen.

Frustrierend an der Sache ist: Wir werden wohl nie erfahren, welche Version stimmt. Denn trotz allen analytischen Befunden von Wilsons Urin- und Haarprobe, trotz allen Einschätzungen von Experten über die Plausibilität von möglichen Erklärungen, wird es mutmasslich nicht möglich sein, Schuld oder Unschuld zu beweisen. Dafür sorgen auch die cleveren Beratern von Alex Wilson.

Das Gericht, das den Fall abschliessend beurteilt, wird die Frage beantworten müssen, wie glaubwürdig Wilsons Geschichte vom verunreinigten Fleisch ist. Überspitzt formuliert: Selbst die ehrenwerten Richter müssen letztlich einschätzen, ob der Sprinter Alex Wilson nun ein gutmütiger oder ein kaltblütiger Kerl ist.

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