Wengen

Kombination in Wengen: Carlo Janka als Retter in der Not?

Carlo Janka fliegt im Training über den Hundschopf – mit Verspätung.keystone

Carlo Janka fliegt im Training über den Hundschopf – mit Verspätung.keystone

Es kann drunter und drüber gehen, die Schweizer Skiwelt kurz vor dem Untergang stehen. Aber in Wengen dreht sich in der Regel alles zum Guten. «Ich weiss auch nicht, warum das so ist», so Carlo Janka. In der Kombination soll ein Podestplatz her.

Schon achtmal stand Carlo Janka in Wengen auf dem Podest, fünfmal allein in der Kombination – die er einst ins Pfefferland wünschte. Er lieferte für seine Abneigung auch die Begründung: «Der Trainingsaufwand im Slalom für nur einen oder zwei Wettkämpfe ist zu gross.» Heuer hat die FIS beschlossen, wieder drei Kombinationen auszutragen und auch eine WeltcupKugel zu vergeben. Deshalb hat Janka vor Wengen ein Slalom-Training eingeschaltet.

Die alpine Kombination (früher Superkombination), die in dieser Form erst seit zehn Jahren durchgeführt wird, gilt in Wengen als Domäne der Schweizer. Seit 2007 stand mit einer Ausnahme immer mindestens ein Schweizer auf dem Podest. Nur 2014 verpassten sie dieses knapp. Sandro Viletta wurde mit drei Zehntel Rückstand Vierter – und einen Monat später dafür Olympiasieger.

Am Start zu viel Zeit verloren

Und Carlo Janka war seit 2009 einmal Dritter, zweimal Zweiter und zweimal Sieger, zuletzt im Januar 2015. Das war der einzige Schweizer Sieg in der letzten Saison. Und zwei Jahre vorher, als Swiss Ski ein Debakel erlitt und noch vor Saisonende Cheftrainer Osi Inglin entliess, war es wiederum Carlo Janka, der mit einem 3. Platz in Wengen die totale Saison-Nullnummer verhinderte. Für heute Freitag ist er aber skeptisch: «Ich muss schneller fahren als im Training, 1,67 Sekunden Rückstand sind zu viel. Am Start verlor ich zu viel Zeit.» Dort allein büsste er eine halbe Sekunde ein.

Der Slalom auf dem unteren Teil der Abfahrtspiste mit extrem flachen Passagen wird für alle eine Herausforderung. Janka: «Ich kann mir nicht so recht vorstellen, wie wir dort Slalom fahren. Letzten Endes wird es wohl nicht viel anders sein als auf dem traditionellen Slalom-Hang.»

Einer wird heute wettkampfmässiges Comeback geben, der einst ebenfalls ein sehr guter Kombinierer war – Marc Berthod. Er war einmal WM-Dritter hinter Daniel Albrecht und Benjamin Raich und einmal Zweiter in Wengen hinter Mario Matt. Berthod versuchte sich gestern nach über einjähriger Verletzungspause (Kreuzbandriss in der Santa-Caterina-Abfahrt im Dezember 2014) erstmals wieder auf Abfahrtsski und ging die Sache verständlicherweise sehr vorsichtig an. Er traf mit 7,89 Sekunden Rückstand an. «Es war», so Berthod, «eine reine ‹Vertrauensfahrt›. Ich bin mir solche Abfahrten nicht mehr gewohnt. Es brauchte einige Überwindung.» Sein Ziel wird sein, sich «im Verlauf der Saison zu steigern, um bis Ende Saison wieder den Anschluss zu finden.»

Auch Feuz büsst viel Zeit ein

Auch Beat Feuz büsste bei seinem (Trainings-)Comeback viel Zeit ein (55. mit 4,35 Sekunden Rückstand): «Leider konnten wir nicht einfahren. So war ich beim Hundschopf und Canadier-Corner noch überfordert. Aber es ging mit jedem Meter besser. Am Freitag werde ich entscheiden, ob ich im Rennen starte.» Die Kombinations-Abfahrt wird er nur zu Trainingszwecken bestreiten.

Spannend wird ein anderes Comeback sein. Abgesehen von einem Experiment an der SM, wo er ausschied, stand Justin Murisier wieder mal auf Abfahrt-Ski. «Ich kann das besser», meinte er, als er mit 4,98 Sekunden Rückstand ins Ziel kam. «Aber bei der ersten Abfahrt nach fünf Jahren ist das nicht erstaunlich.» Mittelfristig wird mit ihm ein aussichtsreicher Kombinierer heranwachsen. Doch in Wengen ist noch kein Exploit zu erwarten.

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