Kolumne von Pedro Lenz
Lewandowski ist einer von vielen – der Widerspruch des Teamgedankens

Eine Kolumne über den Teamgedanken im Fussball und die Auszeichnung eines Einzelnen.

Pedro Lenz
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Gilt neu als Bester Fussballer der Welt: Robert Lewandowski.

Gilt neu als Bester Fussballer der Welt: Robert Lewandowski.

Andy Rain / EPA
Kolumnist Pedro Lenz.

Kolumnist Pedro Lenz.

Wahrscheinlich ist der Fussball so unglaublich beliebt, weil er, wie das menschliche Leben, voller Widersprüche ist. Wie oft haben wir gehört und gelesen, Fussball sei ein Mannschaftssport? Wie oft wurde uns erklärt, wichtig sei immer nur das Team? Wie oft haben wir einen Fussballer sagen hören: «Wir verlieren gemeinsam und wir gewinnen gemeinsam!»?

Jedem Kind wird beigebracht, dass einer allein kein Fussballspiel entscheiden kann, dass es das Zusammenspiel braucht, dass Kameradschaft und Kollegialität für den Erfolg unerlässlich sind, dass die Mannschaft immer vor dem Einzelspieler kommt, und dass der einzelne Spieler sich stets dem Team unterordnen muss. Trotzdem kürt die FIFA seit 1991 den Weltfussballer des Jahres, was jedes Jahr viel zu reden und zu schreiben gibt.

Nicht alle grossen Fussballer haben diesen Titel gewinnen können, was logisch ist, wenn man bedenkt, dass jedes Jahr nur einer als weltbester Spieler ausgezeichnet wird. Der Titel wird seit seit dreissig Jahren vergeben, aber es wurden bisher erst 16 verschiedene Spieler aus 10 verschiedenen Ländern ausgezeichnet. Das hängt damit zusammen, dass die Wahl zum Weltfussballer von manchen Spielern zwei Mal, drei Mal oder noch öfter gewonnen wurde.

Nie berücksichtig wurden unbestrittene Legenden des runden Leders wie Zlatan Ibrahimovic, Xavi Hernández oder Thierry Henry. Dafür wurde diese Woche der ziemlich humorlose Torgarant Robert Lewandowski als Weltfussballer ausgezeichnet. Niemand wird Lewandowskis Effizienz und Dynamik anzweifeln können. Der Mann trifft seit vielen Jahren mit einer beinahe unfassbaren Regelmässigkeit. Er hat mit seinen Toren schon eine Menge Meisterschaften Cups und Torjägerkanonen gewonnen. Aber in der Liste der bisherigen Preisträger, in der so legendäre Namen wie Messi, Ronaldo oder Zidane mehrfach vertreten sind, will einer wie Lewandowski nur schwer hineinpassen.

Das ist kein Werturteil, sondern die parteiische Ansicht eines Fussballfans, der nicht einsehen mag, warum in einem Mannschaftssport so viel Wert auf Titel für Einzelspieler gelegt wird. Aber vielleicht wollten die Leute, die Lewandowski ausgezeichnet haben, bloss die makellose Saison von Bayern München honorieren. Dann stünde der Name Lewandowski einfach stellvertretend für seine Mannschaft und der Teamgedanke wäre gerettet.