Kolumne
Kein Sinn für Romantik: Genoni darf nicht zum Spengler Cup – stattdessen geht Hollenstein

Kultgoalie Leonardo Genoni wollte Ambri beim Spengler Cup aushelfen. Er darf nicht. Zug schickt lieber Luca Hollenstein zum Turnier. Ach, wie langweilig.

Klaus Zaugg
Klaus Zaugg
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Leonardo Genoni (l.) wird nicht am Spengler-Cup teilnehmen. Dafür aber wohl Luca Hollenstein (r.).

Leonardo Genoni (l.) wird nicht am Spengler-Cup teilnehmen. Dafür aber wohl Luca Hollenstein (r.).

Bild: Alexandra Wey/Keystone

Es war alles aufgegleist für ein Hockey-Märchen. Leonardo Genoni war als Bub ein Ambri-Fan. Aber er ist halt in Zürich ausgebildet worden und war bald ein Titan seines Faches. Zu gut, zu teuer für seinen «Herzensklub» Ambri. Aber nun gibt es auf einmal eine wundersame Wendung. Die Geschichte beginnt schon im Sommer. Zug darf Ambris Marco Müller (27) aus einem laufenden Vertrag übernehmen. Im Gegenzug verpflichten sich die Zuger, Ambri für den Spengler-Cup 2021 einen Verstärkungsspieler zur Verfügung zu stellen.

Weder Name noch Position werden im Vertrag festgeschrieben. Ambris Trainer Luca Cereda weiss um Leonardo Genonis Herz für Ambri. Aber er wagt nicht einmal, daran zu denken, dass er Zugs Goalie für den Spengler-Cup bekommen könnte. Weil Benjamin Conz, seine Nummer eins, verletzt ist, wird Robert Mayer (Langnau, beim HCD unter Vertrag) – zum Thema. Auch das wäre eine schöne Geschichte: In Davos nicht mehr erwünscht, aber nun doch beim Spengler-Cup.

Aber dann entscheidet Reto Kläy, dass Ambri keinen Feldspieler bekommt. Nur einen Torhüter. Das Eishockey-Märchen kann wahr werden. Leonardo Genoni mit Ambri beim Spengler-Cup! Reto Kläy bestätigt, dass sich Leonardo Genoni in der Sache bei ihm kundig gemacht hat. «Wir haben darüber gesprochen. Aber es war ein kurzes Gespräch von vielleicht fünf Minuten. Eine Freigabe für den Spengler-Cup ist für uns kein Thema.»

Aber warum nicht? Es wäre doch eine so schöne Spengler-Cup-Geschichte. Zugs Sportchef sagt: «Ja, eine schöne Geschichte wäre es. Aber ich bin kein Romantiker. An erster Stelle stehen die Interessen unserer Organisation.» Deshalb komme eine Spengler-Cup-Teilnahme von Leonardo Genoni nicht in Frage. «Sein Programm ist einfach zu gedrängt. Er muss sonst schon genug Spiele bestreiten.» So? Er hätte beim Spengler-Cup sowieso nicht alle Partien bestritten. Ein oder zwei Spiele im Winter-Disneyland Davos im Beisein der Familie wären mehr Erholung als Anstrengung gewesen. Reto Kläy, ganz Realist: «Es kann immer etwas passieren. Aber es gilt Situationen zu vermeiden, die vermieden werden können. Wenn sich Leonardo Genoni während der Altjahrswoche bei uns im Training verletzt, dann ist das Pech. Wenn ihm aber bei einem Spengler-Cup-Einsatz etwas zustossen sollte, dann wird man uns zu Recht kritisieren.» Die Geschichte ist aber mit dem Spengler-Cup-Verbot für Leonardo Genoni noch nicht zu Ende. Zug muss ja einen Torhüter fürs Turnier freistellen. Reto Kläy sagt: «Voraussichtlich wird nun Luca Hollenstein Ambri beim Spengler-Cup aushelfen. Bevor wir das offiziell bestätigen können, haben wir noch ein paar Abklärungen zu machen.»

Am Dienstag kommt dann die Offizialisierung: Luca Hollenstein statt Leonardo Genoni für Ambri beim Spengler-Cup. Um es etwas frech zu formulieren: Das ist emotional beinahe so, wie wenn wir uns auf ein Nachtessen bei Kerzenlicht mit Scarlett Johansson freuen. Und dann kommt mit Verspätung Beatrice Egli. Das sieht Ambris Sportchef Paolo Duca ganz und gar nicht so. Der Vergleich mit Scarlett Johansson und Beatrice Egli lässt er auch nicht gelten. Das komme ganz auf den Geschmack an. Er rühmt Luca Hollenstein über den grünen Klee: «Natürlich wäre Genoni eine Traumlösung gewesen. Aber wir sind auch glücklich, wenn Luca Hollenstein kommt. Ihm gehört die Zukunft und ist ein Super-Goalie: Meister und mit Einsätzen in der Nationalmannschaft.»