WM-Qualifikation

Knapp am Horror vorbei: Schweizer Nati zittert sich zum 2:1 in Andorra

Der mühevolle Krampf in Andorra endete für die Schweiz mit einer kurzen Zitterphase. Nach dem Sonntagsschuss für Martinez drohte gar ein Unentschieden beim Fussball-Winzling. Dank dem Penaltytreffer von Schär und dem späten 2:0 durch Mehmedi kehren die Schweizer dennoch mit dem Punktemaximum heim.

Was für eine Sensation, was für eine Blamage! Ausgerechnet gegen die Schweiz hat der Zwergstaat Andorra mit einem 2:2 erstmals seit elf Jahren in einem Wettbewerbsspiel wieder gepunktet.

…dieses Horrorszenario ist zum Glück nicht eingetreten. Hätte aber Goalie Roman Bürki in der 92. Minute den tückischen Freistoss von Ildefons Lima nicht gehalten, wäre das Debakel perfekt gewesen. So aber entledigte sich die Schweizer Nati ihrer Pflichtaufgabe mit einem 2:1-Zittersieg. Sie steht damit in der WM-Qualifikationsgruppe B nach drei Spielen mit neun Punkten in einer blitzsauberen Weste da.

Sie hat damit erstmals überhaupt bei einer WM-Qualifikation die ersten drei Spiele gewonnen. Inklusive der nächsten Partie am 13. November in Luzern gegen die Färöer Inseln folgen nun bis und mit zum Heimspiel gegen Ungarn am 7. Oktober 2017 sechs Spiele, in denen die Schweiz allesamt als Favorit antritt. Bestätigt sie in jedem einzelnen dieser Partien ihre Rolle, so kommt es drei Tage später in Portugal möglicherweise zum grossen Showdown mit dem Europameister− falls dieser auch keine Punkte mehr liegen lässt. Würde dann Portugal die Schweiz bezwingen und auf dieselbe Punktzahl − 27 − kommen, gäbe das Torverhältnis den Ausschlag, wer Rang 1 belegt und sich direkt für die WM 2018 in Russland qualifiziert und wer in die Barrage gegen einen anderen Gruppenzweiten muss.

Und plötzlich: Begeisterung

Unter dieser Prämisse ist der 2:1-Sieg der Schweizer im Estadi Nacional viel zu dünn. Zumal die Portugiesen, die am Freitag gegen Andorra 6:0 gewonnen hatten, auf den Färöer Inseln mit einem weiteren 6:0 nachlegten.

Das allererste Duell mit Andorra, dem 77. Länderspielgegner in der Geschichte der Schweizer Nati, war auf dem Kunstrasen eine überaus zähe Angelegenheit. Nach 56 Pflichtspielniederlagen in Folge waren die Gastgeber von Beginn an ausschliesslich auf Schadensbegrenzung aus. Gegen ihre Fünferabwehrkette mit fünf weiteren defensiv eingestellten Akteuren davor fanden die Schweizer trotz immensem Ballbesitz keine Lösungen.

«Wir spielten zu langsam», sagte Verteidiger Fabian Schär hinterher. Die Schweiz erspielte sich kaum Torchancen und brauchte eine ungeschickte Aktion von Andorras Captain Lima gegen Admir Mehmedi, um nach 19 Minuten durch ein Penaltytor von Schär in Führung zu gehen; es war bereits das 7. Länderspieltor des Ostschweizers.

Doch es dauerte dann bis 13 Minuten vor Schluss, ehe Mehmedi nach Vorarbeit von Xherdan Shaqiri zum 2:0 traf. Doch die Sache war damit noch nicht gelaufen, weil Joker Alexandre Martinez in der 91. Minute mit einem herrlichen Distanzschuss zum 1:2 traf und das wenige Publikum in einen Begeisterungstaumel versetzte. Waren am Tag zuvor noch 3915 Zuschauer in die Sporthalle gekommen, um beim 92:73-Sieg von Morabanc Andorra über Joventut in der obersten spanischen Basketballliga dabei zu sein, so wollten nur halb so viele den Europameisterbezwinger aus der Schweiz sehen.

Coach Vladimir Petkovic hatte sein Team im Vergleich mit dem Spiel in Ungarn auf fünf Positionen umgestellt. Die neuformierte Mannschaft machte indes den Fehler, den Ball viel zu langatmig durch die eigenen Reihen zirkulieren zu lassen. Dies gab den neun Amateuren und zwei Profis im gegnerischen Team immer wieder Zeit, sich zu organisieren.

Ernsthaft in Gefahr, ein Gegentor zu kassieren, waren die Schweizer zwar bis zu Martinez`Traumtor nicht, aber eine Referenz ist dies nicht. Von Premier-League- und Bundesligaspielern muss bedeutend mehr erwartet werden. Es war schlicht eine schwache Leistung der Schweizer, auch wenn der Pflichtsieg letztendlich eingefahren wurde.

Das Spiel im Liveticker zum Nachlesen:

Meistgesehen

Artboard 1