Super League
Knall in Bern: Die Young Boys entlassen Trainer Uli Forte per sofort

Der 41-Jährige wird vom selbsternannten Meisterkandidaten aus der Bundesstadt per sofort von seinen Aufgaben entbunden. Der bisherige Assistent Harald Gämperle übernimmt den Cheftrainerposten bis auf Weiteres.

Rolf Bichsel und Etienne Wuillemin
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Uli Forte

Uli Forte

Keystone

Die Klubverantwortlichen der Young Boys haben auf die enttäuschenden Ergebnisse zum Saisonbeginn reagiert. Seit Donnerstag ist Uli Forte (41) nicht mehr Trainer der ambitionierten Berner. Ein Nachfolger ist noch nicht bekannt. Bis auf weiteres übernimmt Assistenztrainer Harald Gämperle die Leitung der ersten Mannschaft. Am Sonntag steht für YB das wichtige Derby gegen den FC Thun an.

Die Young Boys sind nach drei Runden in der Super League zwar noch ungeschlagen. Der selbst ernannte Titelanwärter wartet jedoch immer noch auf den ersten Saisonsieg und hat in der Tabelle bereits sechs Punkte Rückstand auf Titelhalter und Leader Basel. In der Qualifikation zur Champions League blieben die Berner zuletzt chancenlos. YB unterlag Monaco mit dem Gesamtskore von 1:7 (1:3, 0:4).

Der Entscheid, sich so früh in der Saison vom Trainer zu trennen, fiel den Young Boys nicht leicht. Fast zwei Tage sind seit dem 0:4 im Fürstentum Monaco bis zu Fortes Freistellung verstrichen. Die ausführliche Analyse brachte die Verantwortlichen zum Schluss, dass die auf die neue Saison hin verstärkte Mannschaft neue Impulse braucht. «Wir sind mit grossen Hoffnungen in die neue Saison gestiegen, mussten aber erkennen, dass wir von unserem Weg abgekommen sind», sagte Sportchef Fredy Bickel. «Wir stehen vor sehr wichtigen Spielen und sind überzeugt, dass das Team frischen Wind braucht. Uli Forte war für uns der richtige Trainer zum richtigen Zeitpunkt. Aber jetzt müssen wir die Leitung in andere Hände geben.»
Bickel liess durchblicken, dass im Team Gräben entstanden sind, die nicht mehr zu kitten waren. Es machte überdies den Eindruck, als hätte Ex-Trainer Forte die ambitionierten Ziele eher wider seinen Willen mitgetragen.

Für Uli Forte kam der Entscheid der Klubleitung überraschend. In einer ersten Reaktion sagte er: «Ich hätte sehr gerne bei YB weitergearbeitet. Aber leider ist dies nicht mehr möglich. Ich verstehe den Entscheid des Vereins nicht, muss ihn aber akzeptieren.»

YB-Präsident Werner Müller fand nach der Massnahme die üblichen freundlichen Worte. Er attestierte Forte sehr grosses Engagement und wertvolle Dienste für YB. Jedoch sagte Müller auch: «Wollen wir das Team weiterbringen, müssen wir diesen schwierigen Entscheid treffen.»

Die Zeit von Forte in Bern endet krachend. Es passt ein wenig dazu, wie sie vor gut zwei Jahren schon begonnen hatte. Am letzten Spieltag der Saison 2012/13 verkündete Forte, dass er GC verlassen wird in Richtung Bern. Er begründete seinen Entscheid unter anderem mit dem «riesigen» Vertrauen in Form eines Dreijahresvertrags. Nun ist das Vertrauen aufgebraucht.

Der Trainerstuhl in Bern ist seit jeher unsicher. Die Liste der Übungsleiter der letzten zehn Jahre umfasst der Reihe nach die Namen Hans-Peter Zaugg, Gernot Rohr, Martin Andermatt, Vladimir Petkovic, Christian Gross, Martin Rueda, Bernard Challandes und Uli Forte.

Wie es weitergeht, ist derzeit offen. Als Kronfavoriten dürfen Murat Yakin und Marco Schällibaum gelten. Die Frage bei YB ist aber immer auch: Welche Lösung favorisieren die Gelbgeber um die Gebrüder Andy und Hans-Ueli Rihs?