Ligaqualifikation
Kloten-Trainer André Rötheli ist der Clint Eastwood aus dem Dorfe

Das Versagen der Stars Denis Hollenstein und Vincent Praplan hat erneut keine Konsequenzen. Klotens Trainer André Rotheli geht weiter ruhig seinen Weg. Nicht einmal das offensichtliche Versagen seiner Stars bringt den Oltner aus der Ruhe. Oder resigniert er bereits?

Klaus Zaugg
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Trainer André Rötheli wählt den sanften Weg und will die verunsicherten Klotener Spieler nicht quälen.

Trainer André Rötheli wählt den sanften Weg und will die verunsicherten Klotener Spieler nicht quälen.

Keystone

Die schlimmste Niederlage der 56-jährigen Klubgeschichte? Na und? Jetzt bloss nicht die Nerven verlieren. Cool bleiben. Dann kommt es schon gut. Diese Botschaft vermittelt André Rötheli (47) nach dem 1:4 gegen die Rapperswil-Jona Lakers. In dieser wohl dunkelsten Stunde der sportlichen Historie Klotens strahlt er Gelassenheit und grosse Ruhe aus.

Wer miterlebt hat, wie er verständnisvoll seine Jungs in Schutz nimmt, kompetent und gut nachvollziehbar die Fehler analysiert und nicht einmal den Ansatz von Emotionen zeigt, trottet trotz allem getröstet aus dem Schluefweg heimwärts in die Frühlingsnacht hinaus.
André Rötheli in seiner besten Rolle.

Cool und lässig in der Stunde der grössten sportlichen Gefahr. Wie ein Clint Eastwood aus dem Dorfe. Der Vergleich passt. André Rötheli ist auch Klotens Nottrainer geworden, weil er nichts kostet. Clint Eastwood hat die Rolle im Film «Für eine Handvoll Dollar», die ihn berühmt machen sollte, auch nur bekommen, weil er fast nichts kostete. Regisseur Sergio Leone hatte kein Geld für einen Star und begnügte sich mit einem billigen Ersatzmann.

Die stille Resignation

So steht der Oltner ruhig und cool im Schluefweg im Kabinengang und kann nicht anders. Er wird gefragt, ob er jetzt Vincent Praplan oder Denis Hollenstein auf die Tribüne setzen werde. Die theoretisch beste Flügelzange unseres Hockeys hat wieder einmal jämmerlich versagt: 0 Tore, 0 Assist und eine Minus-2-Bilanz für beide. Gegen die Rapperswil-Jona Lakers! Was für eine Schmach!

Experte Ueli Schwarz hat im TV-Studio erklärt, Klotens Stars würden kämpfen. Weil sonst der Abstieg für immer an ihnen kleben bleibe. Hier irrt der kluge Analytiker. Der Abstieg wird, so der denn tatsächlich eintrifft, schnell vergessen sein.

Wer erinnert sich denn noch, dass einst Langnaus Captain Simon Moser in der Abstiegssaison schon vorzeitig beim Lokalrivalen SC Bern unterschrieben hatte (so wie Denis Hollenstein längst bei den ZSC Lions unterschrieben hat)? Niemand.

Also müssten «Nullleistungen» im Hier und Jetzt Konsequenzen haben. Denis Hollenstein und Vincent Praplan müssten fürs zweite Spiel auf die Tribüne. Um vielleicht doch noch einen Funken Leidenschaft, Trotz, Ehrgeiz zu zünden. Dann wäre ab Spiel drei die Wende immer noch möglich.

Doch davon will André Rötheli gar nichts wissen. Er sagt: «Das ist völlig ausgeschlossen.» Er wolle nicht noch mehr Verunsicherung und Frustration in die Mannschaft tragen. Nur nichts überstürzen. Sich nicht provozieren lassen. Nicht die Nerven verlieren. Cool bleiben.

Ist es stille Resignation des freundlichen Oltners, weil er längst erkannt hat, dass alles in Scherben fallen wird und er sich nur Feinde in dem Klub machen würde, für den er ja nächste Saison wieder als Elite-Junioren-Trainer arbeitet? Oder ist es echte Coolness, die aus einer unerschütterlichen Zuversicht kommt? Was er tatsächlich denkt und fühlt, lässt sich André Rötheli in dieser heiklen Situation so wenig anmerken wie Clint Eastwood.

Eine Kopie

Die schlimmste Demütigung bei diesem 1:4 haben die Zuschauer gar nicht richtig realisiert. Die Rapperswil-Jona Lakers haben die Klotener auf dem Eis verhöhnt – ohne es zu wollen. Die Lakers sind nämlich in diesem Spiel eine Kopie der besten Klotener Mannschaft aller Zeiten. Sie sind ein taktisch sehr geschickt organisiertes, geradezu elegantes Lauf- und Tempoteam.

Die Lakers mahnen an Klotens Meisterteams von 1993, 1994, 1995 und 1996. Nur einfach in anderer, billigerer Besetzung: Melvin Nyffeler statt Reto Pavoni. Antonio Rizzello statt Felix Hollenstein. Dion Knelsen statt Mikael Johansson.

Michael Hügli statt Roman Wäger, Florian Schmuckli statt Anders Eldebrink. Nach 56 Jahren absteigen gegen eine Kopie, ja eine Parodie der eigenen ruhmreichen Jahre. Das müsste eigentlich selbst André Rötheli doch zornig machen.