Tennis
Kleiner grosser Fisch: Viktorija Golubic sorgt in Biel für den ersten Schweizer Sieg

Meist steht Viktorija Golubic im Schatten. Am Ladies Open in Biel rückt sie mit dem ersten Schweizer Sieg in den Fokus.

Simon Häring
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Golubic gewinnt im Entscheidungssatz.

Golubic gewinnt im Entscheidungssatz.

Keystone

Erleichtert lässt Viktorija Golubic (24) nach 2:40 Stunden Spielzeit ihr Racket fallen und schlägt die Hände über dem Kopf zusammen. Nachdem sie im Entscheidungssatz mit 0:3 hinten gelegen war, setzt sie sich mit 6:2, 5:7, 7:6 (7:3) gegen die Deutsche Laura Siegemund (29, WTA 37) durch. «Ich bin sehr aufgewühlt und extrem erleichtert. Zuletzt habe ich die engen Spiele meist verloren», sagt Golubic nach dem erst dritten Erfolg in diesem Jahr.

Die Zürcherin setzt damit auch ihre Erfolgsserie auf Schweizer Boden fort. Vor einem Jahr hatte sie mit zwei Einzelsiegen im Fed-Cup-Halbfinal gegen Tschechien ihren Durchbruch geschafft und im Sommer darauf in Gstaad ihr erstes Turnier gewonnen. «Ich spiele selten vor so vielen Zuschauern. Ich hatte das Gefühl, Fed Cup zu spielen», sagt sie auf dem Platz zu Heinz Günthardt (58), seines Zeichens Captain des Schweizer Frauenteams.

Viktorija Golubic feiert gegen Siegemund auf Schweizer Boden den achten Sieg hintereinander.

Viktorija Golubic feiert gegen Siegemund auf Schweizer Boden den achten Sieg hintereinander.

KEYSTONE/PETER KLAUNZER

Er dürfte auch den heutigen Achtelfinal gespannt verfolgen: Golubic trifft dort auf die Weissrussin Alexandra Sasnovich (23, WTA 108). Weissrussland ist am übernächsten Wochenende in Minsk der Schweizer Gegner im Fed-Cup-Halbfinal. Doch vorerst hält Golubic als letzte im Einzel verbliebene Einheimische die Schweizer Farben hoch. Aushängeschild Belinda Bencic (20) konnte die sportliche Talfahrt auch in Biel nicht aufhalten und Rebeka Masarova (17) zahlte Lehrgeld.

Halle wieder nur halb leer

Meist steht Golubic im Schatten von Bacsinszky, Bencic und Hingis: «Bist du nicht in den Top Ten der Weltrangliste, bist du ein kleiner Fisch.» Doch ab sofort ist der kleine Fisch Golubic die Hoffnung für das Turnier, das helvetische Erfolge als Fundament ausgerufen hat. Die ersten Tage haben gezeigt, wie instabil diese Grundlage ist.

Auch gestern blieb die innert wenigen Monaten für 8,8 Millionen aus dem Boden gestampfte Halle mit einem Fassungsvermögen von 2500 Zuschauern halb leer. Turnierdirektor Lukas Troxler sagt zwar, dass alles, was Rang und Namen habe, in Biel vertreten sei. Doch in der von Erfolgen verwöhnten Tennisschweiz lösen Namen wie Barbora Strycova (31, WTA 18) oder Carla Suarez Navarro (28, WTA 23) keine Begeisterungsstürme aus.

Mit Hingis im Doppel-Viertelfinal

Nicht von der Hand zu weisen ist, dass das Bieler Turnier den Verdrängungskampf auf dem kleinen Schweizer Markt zusätzlich verschärft. Neben den Swiss Indoors Basel, den Geneva Open und Gstaad, das sowohl ein Turnier der Männer als auch der Frauen ausrichtet, buhlen gleich fünf Turniere um Sponsoren und Zuschauer. Ohne Schweizer Siege hat Biel, das die Sanktion von der Agentur Octagon für zehn Jahre geleast hat, einen schweren Stand. Auch deswegen ist Golubics Sieg essenziell.

Übrigens ist Golubic auch im Doppel noch vertreten. Dort steht sie an der Seite der Tschechin Krystina Pliskova in den Viertelfinals, wie auch Martina Hingis (36), die in Biel erstmals seit dem Gewinn der Silbermedaille bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro an der Seite der zuletzt verletzten Timea Bacsinszky (27) spielt. Bereits in den Halbfinals steht Xenia Knoll mit der Holländerin Demi Schuurs.