Australian Open
Kleiner Fauxpas: Roger Federer vergisst im Platzinterview seinen nächsten Gegner

Ein kleiner Fauxpas: Im Platzinterview mit Jim Courier über seine Teamkollegen vergisst Roger Federer den Tschechen Tomas Berdych. Obwohl Berdych schon immer im Schatten der Grossen stand ist der nächste Gegner von Federer nicht zu unterschätzen.

Simon Häring
Merken
Drucken
Teilen
Roger Federer spielt in den Viertelfinals gegen den Tschechen Tomas Berdych.

Roger Federer spielt in den Viertelfinals gegen den Tschechen Tomas Berdych.

MAST IRHAM

Es war mit Sicherheit keine böse Absicht und doch irgendwie bezeichnend. Als Roger Federer (36) nach dem 6:4, 7:6 (7:3), 6:2 gegen den Ungarn Marton Fucsovics (26, ATP 80) im Platzinterview mit Jim Courier über den Laver Cup und von seinen Teamkollegen Nadal, Zverev, Cilic und Thiem sprach, ging einer vergessen: Der Tscheche Tomas Berdych (32, ATP 20), der bei der Premiere in Prag ein Heimspiel hatte.

Ein kleiner Fauxpas. Und doch war es kein Zufall, dass Federer ausgerechnet ihn vergessen hatte. Denn stets stand Berdych im Schatten der Grossen; unscheinbar und vergessen.

Jahrelang war Berdych einer der ersten Verfolger der Grossen, stand kurz selber auf Rang 4. Er gewann 13 Turniere, aber nur einen Titel in der Masters-Serie – in Paris-Bercy – dieser Erfolg liegt nun schon zwölf Jahre zurück. Regelmässig spielte Berdych in der Vergangenheit die Rolle des Spielverderbers.

Roger Federer's nächster Gegner Tomas Berdych.

Roger Federer's nächster Gegner Tomas Berdych.

KEYSTONE/EPA AAP/LUKAS COCH

2004 zum Beispiel, als er bei den Olympischen Spielen in Athen den Gold-Traum von Roger Federer beendete. Auch bei Grand-Slam-Turnieren scheiterte der Schweizer schon zwei Mal an Berdych: 2010 in Wimbledon und 2012 bei den US Open jeweils in den Halbfinals.
Gleichwohl geht Federer als Favorit in die Partie, hat er doch 19 der 25 Duelle gewonnen, davon die letzten 8. Die letzte Niederlage liegt schon fünf Jahre zurück.

Im letzten Jahr hatte Federer in Melbourne in der dritten Runde gegen den Tschechen nach einer beeindruckenden Leistung klar in drei Sätzen gewonnen und sich und der Welt bewiesen, dass er nach seiner halbjährigen Verletzungspause zurück ist. An die Details der Begegnung mag sich Federer zwar nicht mehr erinnern. «Aber ich habe befreit aufgespielt. Es war egal, ob ich in der dritten Runde, im Achtel- oder im Viertelfinal gescheitert wäre, wichtig war nur, dass ich verletzungsfrei bleibe.»

«Es wäre falsch, zu versuchen, etwas aus dem Vorjahr zu kopieren.» Roger Federer

«Es wäre falsch, zu versuchen, etwas aus dem Vorjahr zu kopieren.» Roger Federer

KEYSTONE/AP/VINCENT THIAN

Mit dem Sieg gegen Berdych holte Federer im Vorjahr aber den Schwung und den Glauben daran zurück, an alte Erfolge anknüpfen zu können. Er bezwang in der zweiten Woche mit Kei Nishikori, Stan Wawrinka und Rafael Nadal im Final drei Top-Ten-Spieler in Fünfsätzern, was ihm nie zuvor gelungen war. Doch was war, das zählt nicht mehr, sagt Federer. «In diesem Jahr ist alles anders. Und es wäre falsch, zu probieren, etwas vom Vorjahr zu kopieren und zu versuchen, das Gefühl von damals zurückzugewinnen.»

Und doch haben sich die Erinnerungen daran in sein Gedächtnis gebrannt. Einige Dinge aus dem vergangenen Jahr könne er mitnehmen, sagte Federer. «Das befreite Aufspielen in den wichtigen Momenten, mir gut zuzureden und weiter offensiv zu spielen, auch wenn etwas beim ersten oder zweiten Mal nicht klappt», sagte er.

Berdychs schwieriges Jahr

Anders als Federer hat Tomas Berdych ein schwieriges Jahr hinter sich. Zwar erreichte er in Wimbledon die Halbfinals, wo er gegen Federer verlor, rutschte im Ranking aber bis auf Position 20 ab, weil er die Saison wegen Rückenproblemen vorzeitig abbrechen musste. Später nach seinem Spiel erinnerte sich Federer doch noch an Berdych und den Viertelfinal in Miami. Dort hatte er zwei Matchbälle abgewehrt und am Ende das Turnier gewonnen. Das hat Federer nicht vergessen.