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Die Supertechniker um Marco Odermatt drängen in den Super-G und haben Erfolg

Marco Odermatt belegt im schwierigen Super-G von Kitzbühel Rang zwei. Es erstaunt nicht, dass der 23-Jährige auf der Streif überzeugt. Die starken Techniker konkurrenzieren im Super-G immer mehr die Speedcracks.

Martin Probst
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Marco Odermatt freut sich über den zweiten Platz im Super-G von Kitzbühel.

Marco Odermatt freut sich über den zweiten Platz im Super-G von Kitzbühel.

Helmut Fohringer / APA/APA

Vincent Kriechmayr hatte richtig viel Wut im Bauch, als er am Montag in den Super-G von Kitzbühel startete. Und diese, angestaut aus zwei enttäuschenden Abfahrten, hatte es gebraucht. Sonst hätte wohl Marco Odermatt gewonnen.

«Und das», sagt der Schweizer, «wäre dann doch etwas frech gewesen.» Schliesslich sei er im Super-G zuvor erst einmal besser klassiert gewesen als auf Rang sieben. Damals, im Dezember 2019 in Beaver Creek, wurde er allerdings sogleich zum Sieger.

Das Umfeld versucht, etwas Druck zu nehmen

Wenn es um Odermatt geht, kommt man an den Superlativen nicht vorbei. Und manchmal wird es den Menschen um ihn herum etwas unheimlich. Dann raten sie ihm, wie in Val d’Isère, nicht mehr über seinen Traum zu sprechen, irgendwann den Gesamtweltcup zu gewinnen.

Nach Frankreich war Odermatt im Dezember als Führender gereist. Drei Riesenslaloms war er bis dahin in diesem Winter gefahren und dreimal stand der Schweizer auf dem Podest, einmal als Sieger. Dabei ist Odermatt erst 23.

Odermatts Umfeld versucht, den Druck etwas zu nehmen. Schon so sind die Erwartungen riesig, wird Odermatt als kommender Superstar gehandelt, als einer, der dominieren könne wie einst Marcel Hirscher. Die Euphorie ist gross. Nur einer bleibt locker. Er selbst.

Das Thema Gesamtweltcup hat sich inzwischen zwar etwas gelegt. Alexis Pinturault ist entrückt. Der Franzose hat fast 200 Punkte Vorsprung. Mit dem zweiten Platz in Kitzbühel ist Odermatt aber wieder auf Rang zwei vorgerückt. Und beinahe wäre er ja sogar Hahnenkammsieger geworden. Man stelle sich vor, was dann wieder losgewesen wäre.

Schon so ist es verblüffend. Aber auch erklärbar. Odermatt, der im Februar 2018 in Davos fünffacher Juniorenweltmeister wurde, ist ein hervorragender Techniker. Das gibt ihm das Vertrauen, auf den schwierigsten Pisten zu bestehen. Zum Beispiel in Kitzbühel. Und es gibt ihm die Möglichkeit, direktere Linien zu fahren. Gerade im Super-G, wo es weniger Gleiterpassagen gibt, kann das den Unterschied ausmachen.

Feuz ist froh über die neue Konkurrenz

Es fällt auf, dass immer mehr starke Riesenslalomfahrer im Super-G überzeugen können. Besonders aus dem Schweizer Team. Neben Odermatt auch Loïc Meillard, der gestern Rang neun belegte. Beat Feuz, der nach seinen zwei Siegen in der Abfahrt im Super-G ein Tor verpasste, sagt:

«Es ist doch schön, wenn wir alten Speedhasen im Team jetzt etwas Konkurrenz bekommen. Davon können alle profitieren.»

So ein alter Speedhase wäre auch Mauro Caviezel. Er hat am Ende der vergangenen Saison die Kristallkugel für den besten Super-G-Fahrer erhalten und auch in dieser Saison stand er schon zweimal auf dem Podest. Allerdings fehlt der 32-Jährige derzeit. Er hat sich Anfang Januar eine Aussenbandverletzung und Knochenprellung zugezogen. Caviezel hofft zwar, in diesem Winter noch zurückzukehren. Die Führung in der Disziplinenwertung hat er aber an Kitzbühelsieger Kriechmayr verloren.

Viele Verletzte und ein Podestplatz-Hattrick

Doch nicht nur Caviezel ist derzeit verletzt. Die Bestenliste im Super-G könnte auch die Belegungsliste der Krankenhäuser sein. In Kitzbühel fehlten von den fünf Bestklassierten in der Disziplinenwertung vier. Neben Caviezel sind auch Aleksander Aamodt Kilde, Adrian Smiseth Sejersted und Ryan Cochran-Siegle verletzt. Sie alle fallen nun zurück. Und nur Kriechmayr verbleibt.

Für Kriechmayr ist der Sieg im Super-G eine Versöhnung mit der Streif. Im Training für die Abfahrten gelang ihm eine Fabelfahrt und er ärgerte sich, dass er damit zum Topfavoriten für die Rennen wurde. Es ist eine Rolle, die der 29-Jährige nicht mag. Und tatsächlich belegte er in den Abfahrten nur die Ränge neun und 17.

«Ich hatte viel Wut im Bauch und war bereit, grosse Risiken einzugehen», erklärte er sein Siegesrezept gegenüber SRF. Neben Kriechmayr schrieb ein weiterer Österreicher eine spezielle Geschichte. Matthias Mayer fuhr im Super-G auf Rang drei. Dem 30-Jährigen gelang damit der Podestplatz-Hattrick, war er doch schon in den beiden Abfahrten Zweiter und Dritter geworden. Insgesamt stand er in Kitzbühel damit schon neunmal auf dem Podest. Zu den Rekordhaltern um Didier Cuche fehlen ihm nur noch zwei Rangierungen in den Top 3.