EM 2016
Kim Källström: «Meine Rolle an der EM? Ich bin da und spiele ...»

Mit 113 Partien für Schweden ist Kim Källström einer der erfahrensten Spieler in der Mannschaft. Die EM in Frankreich ist seine vierte und letzte. Er beendet danach seine Länderspielkarriere.

Markus Brütsch
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Einer der Schlüsselspieler im schwedischen Team: Kim Källström.Keystone

Einer der Schlüsselspieler im schwedischen Team: Kim Källström.Keystone

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Kim Källström weiss, worauf es ankommt. Mit der Erfahrung von drei EM-Teilnahmen und einer WM 2006 sowie 128 Länder- und 50 Champions-League-Spielen sagt er: «Entscheidend für unser Abschneiden wird sein, wie gut jeder Einzelne von uns die lange Saison verkraftet hat.» Er selber müsste allerdings, trotz seiner 33 Jahre, keine Probleme bekommen. Der Captain der Grasshoppers musste mit den Zürichern nur 35 Pflichtspiele bestreiten; ein Klacks für einen Spitzenspieler, der bei Rennes, Lyon, Spartak Moskau und Arsenal gespielt hat. Sein Nationalteamkollege Zlatan Ibrahimovic zum Beispiel ist bei Paris Saint-Germain mit 51 Einsätzen weit mehr gefordert gewesen.

Wenn die Schweden heute Montag im Stade de France gegen Irland ins Turnier eingreifen, wird sich nun erstmals zeigen, wie der Weltstar, der im Oktober 35 Jahre alt wird, die Strapazen verdaut hat. «Wir haben auch ohne Zlatan schon gut gespielt», sagt Källström, «aber natürlich ist er grundsätzlich unverzichtbar und der absolute Schlüsselspieler. «Er kann in jedem Spiel den Unterschied ausmachen.»

20 Jahre mit Ibra

Wenn es einen Spieler gibt, der Ibrahimovic aus dem Effeff kennt, dann Källström. Schon in den schwedischen U-Nationalmannschaften spielten die beiden zusammen; mittlerweile sind es gegen zwanzig gemeinsame Jahre. «Wir sind glücklich, einen wie Zlatan im gelben Dress zu sehen», sagt Källström und wird etwas unwirsch, wenn er gefragt wird, ob Ibrahimovic ein normaler Teamkollege oder eine Diva mit unzähligen Sonderrechten sei. «Zlatan ist sicher keine Diva, sondern ein extrem professioneller Spieler mit einer angeborenen Siegermentalität», sagt Källström. «Weil er es schafft, jeden unserer Spieler so anzutreiben, dass er an die Grenze geht, profitiert die ganze Mannschaft davon.»

Einen Tag nach Ibrahimovic hatte Källström am 1. Februar 2001 mit einem 0:1 gegen Finnland sein Länderspieldebüt gegeben. Mehr als 15 Jahre später hat Kollege Zlatan 113 Partien für Schweden, Källström sogar noch fünfzehn mehr auf dem Buckel. Den Rekord von Anders Svensson mit 148 Spielen wird er allerdings nicht mehr anvisieren. «Nach der EM beende ich die Laufbahn in der Nationalmannschaft. Jetzt ist ein guter Zeitpunkt dafür», sagt Källström. Nach 2004, 2008 und 2012 läuft der zentrale Aufbauer schon zum vierten Mal bei einer Europameisterschaft auf. Grosse Stricke haben die Schweden dabei aber nicht zerrissen. Auch bei diesem Turnier könnte ihnen ein frühes Ausscheiden blühen. Mit Irland, Italien und Belgien sind die Skandinavier in eine starke Gruppe eingeteilt. «Zwar können sie möglicherweise davon profitieren, dass nach der Erhöhung des Teilnehmerfeldes nun auch noch die vier besten Gruppendritten in die Achtelfinals einziehen, doch Källström kann mit dem neuen Modus nicht viel anfangen: «Ich finde es bizarr, wenn eine drittklassierte Mannschaft weiterkommt.»

Auf die Begegnung mit Irland freut sich Källström, der mit Schweden während der EM in Saint-Nazaire am Atlantik logiert, besonders. «Die irischen und die schwedischen Fans zusammen im Stadion – das wird wunderbar stimmungsvoll werden.» Källström rühmt die grossartige Unterstützung durch die schwedischen Anhänger. «Immer in Erinnerung bleiben wird mir die riesige gelbe Wand in den Stadien bei der WM 2006 in Deutschland.» In Frankreich betrachtet Källström seine Schweden als Aussenseiter. «Meine Hoffnung ist, dass wir den Schwung aus den Playoff-Spielen gegen Dänemark mitnehmen können. Dieses Erfolgserlebnis hat für eine super Stimmung im Team gesorgt», sagt Källström. «Eine unserer Stärken ist auch, dass wir nicht so viele Wechsel haben und eigentlich immer ein gut eingespieltes Team sind.»

Nur zwei Nationaltrainer

«Bei der EM 2004 in Portugal war ich noch der Jüngste, jetzt der Alte», sagt Källström, der unter Trainer Erik Hamren seinen Platz auf sicher hat. Erstaunlich: In den vielen Jahren im Nationalteam hat er mit Lars Lagerbäck und Hamren nur zwei Nationaltrainer erlebt. Wenn er erklären soll, welches seine Rolle im schwedischen Team ist, dann sagt er: «Eine gute Frage. Ich sage mal: Ich bin da und spiele...»

Bei GC war in der abgelaufenen Saison jedoch gut zu sehen, was den Wert Källströms ausmacht. Er kann den Ball exzellent halten und hat ein gutes Auge für den freien Raum. Auch ist er schon immer ein Spezialist für ruhende Bälle gewesen. Er betrachtet sich zwar durchaus als eine Leaderfigur. «Aber nicht verbal. Wir Schweden sind ruhige Menschen. Nur wenn ich wirklich spüre, dass es nötig ist, etwas zu sagen, dann mache ich auch den Mund auf», sagt Källström. Auch Ibrahimovic sei keiner, der viel spreche. «Jene, die das tun, machen es oft ja auch nur deshalb, um Selbstvertrauen zu tanken.»

Und was wird aus Schweden, wenn auch Ibrahimovic nach der EM aufhören sollte? Källström lacht und sagt: «Schweden ohne Ibrahimovic ist wie die Schweiz ohne Federer.»

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