Eishockey NLA

Kevin Schläpfer nach seiner Entlassung: «Mein Wunsch ist es, wieder in der NLA arbeiten zu dürfen»

Kevin Schläpfer und der EHC Biel gehen nach zehn Jahren getrennte Wege.

Kevin Schläpfer und der EHC Biel gehen nach zehn Jahren getrennte Wege.

Am Montag der Knall: Kevin Schläpfer muss nach zehn Jahren beim EHC Biel seinen Posten räumen. Der 46-Jährige über seine Fehler, seine Entscheidung gegen den Job als Nati-Trainer und seine Zukunftspläne.

Der «Hockey-Gott» ist entlassen. Wie konnte das nur passieren?

Kevin Schläpfer: Wir haben zuletzt gegen Langnau und den ZSC auf eine Art und Weise verloren, dass ich nach dem Spiel in Zürich «Stoney» (Sportchef Martin Steinegger; d. Red.) und dem «Villard» (Manager Daniel Villard; d. Red.) gesagt habe: So geht es nicht weiter. Jetzt müssen wir auch über mich reden.

Sie haben sozusagen Ihre eigene Entlassung selber thematisiert?

Ja. Weil es um Biel und nicht mehr um mich geht. So konnten wir einfach nicht mehr weitermachen. Es ging nicht mehr. Es war wie verhext. Ich konnte ja meiner Mannschaft nicht einmal einen Vorwurf machen.

Das erste Telebilingue-Interview mit dem damaligen Spieler Kevin Schläpfer im August 2000. Damals bereits sehr souverän und eloquent wirkend.

Das waren noch Zeiten: Das erste Telebilingue-Interview mit dem damaligen Spieler Kevin Schläpfer im August 2000.

Bereits damals wirkte Schläpfer sehr souverän und eloquent.

Dann sind Sie ja von der Entlassung nicht überrascht worden.

Doch, ein wenig schon. Ich spürte zwar am Montag, dass etwas in der Luft liegt. Aber ich habe eher mit einem Ultimatum als mit einer Entlassung gerechnet. So in dem Sinne: Nun muss ich die zwei nächsten Partien gewinnen, sonst ist es vorbei.

Welche Fehler haben Sie gemacht?

Ich war letzte Saison nicht mehr nahe genug an der Mannschaft. Das mag damit zusammenhängen, dass ich im neuen Stadion mein eigenes Trainerbüro hatte und nicht mehr gleich alles mitbekommen habe. So wusste ich nichts über die Schwierigkeiten mit Daniel Steiner. Ich habe mir dann vorgenommen, diese Saison näher dran zu sein.

Und trotzdem hat es nicht mehr funktioniert.

Es kommt mir fast so vor, als habe es so kommen müssen. Als sei meine Zeit in Biel nun abgelaufen. Ich bin 2006 nach Biel gekommen und seither haben wir so viele Schlachten gemeinsam geschlagen. Erst war ich Sportchef und es hat geheissen: Wir müssen aufsteigen, sonst kommt nie ein neues Stadion. Wir haben das geschafft. Dann mussten wir oben bleiben. Auch das ist uns gelungen. Und nun, da wir das neue Stadion haben, kommt es mir fast vor, als sei es für mich Zeit zu gehen. Als beginne jetzt eine neue Zeit. Es sollte nicht mehr sein. Der Puck wollte nicht mehr meinen Weg gehen.

Kevin Schläpfer bejubelt den Aufstieg in die NLA im Jahr 2008, damals noch als Sportchef.

Kevin Schläpfer bejubelt den Aufstieg in die NLA im Jahr 2008, damals noch als Sportchef.

Es ist also nicht ein Abschied im Zorn?

Nein, nein. Es ist für mich sehr wichtig, dass wir in Biel nach so vielen Jahren als Freunde auseinandergehen. Ich habe keinerlei schlechte Gefühle. Ich habe auch die Zusicherung, dass mein Vertrag respektiert wird (läuft noch bis 2018; d. Red.) und dass es kein Theater geben wird. Das ist sehr wichtig, ich könnte mit Biel nicht streiten. Ich habe auch das Gefühl, dass die Spieler hinter mir standen und keiner meine Absetzung gefordert hat.

Sie hätten die Chance gehabt, im Herbst 2015 Nationaltrainer zu werden. Sie haben unter Tränen abgesagt. War das womöglich der Anfang vom Ende?

Es ist so, dass es seither nie mehr richtig gelaufen ist. Da ist etwas passiert.

Bereuen Sie, dass Sie damals das Angebot nicht angenommen haben?

Nein. Viele haben mir damals gesagt: Kevin, jetzt musst du an dich denken und Biel verlassen. Du musst Egoist sein. Diese Chance musst du nützen. Aber ich hatte einen Vertrag mit Biel und ich konnte es mit den Werten, die ich vertrete, einfach nicht vereinbaren, einen laufenden Vertrag zu brechen und einen Klub im Stich zu lassen, der so viel für mich getan hat. Es mag ja sein, dass es für meine Karriere besser gewesen wäre, wenn ich damals Nationaltrainer geworden wäre.

Kevin Schläpfer kamen an der Pressekonferenz zum Nati-Trainerjob Tränen, nachdem er das Angebot ablehnte.

Kevin Schläpfer kamen an der Pressekonferenz zum Nati-Trainerjob Tränen, nachdem er das Angebot ablehnte.

Dann haben Sie nach der Entlassung gut geschlafen?

Sehr gut. Ich ging am Montagabend mit meiner Familie essen und dabei habe ich gespürt, dass die Entlassung für meine Kinder fast schwieriger ist als für mich. Ich habe alle aufgemuntert. Das gehört nun mal zum Geschäft! Das Leben geht doch weiter!

Wie geht es weiter?

Ich bin nun seit 30 Jahren pausenlos im Eishockey. Jetzt ist die Zeit für eine Pause gekommen. Eishockey ist mein Leben und davon komme ich nicht los. Ich werde also schon in zwei oder drei Wochen wieder irgendwo im Stadion sitzen – vielleicht nicht gerade in Biel. Ich werde die Zeit nützen, um mich anderorts umzusehen. Für nächste Saison bin ich wieder bereit.

Spielte es eine Rolle, dass Sie wegen einer Infektion im Knie im Sommer im Rollstuhl sassen und jetzt noch nicht auf dem Eis arbeiten können?

Ich wollte schon im letzten Sommer besser zu mir schauen und die Batterien aufladen. Das war wegen dieser leidigen Geschichte mit dem Knie nicht möglich. Bei der Art und Weise, wie ich eine Mannschaft führt, spielt es eine Rolle, wenn ich im Training nicht auf dem Eis bin.

Schweizer Trainer haben es schwer, neue Jobs zu finden …

… ja, aber ich bin davon überzeugt, dass immer wieder eine Tür aufgeht. Mein Wunsch ist es, wieder in der NLA arbeiten zu dürfen. Ich werde im Frühjahr für eine neue Herausforderung bereit sein. Und dann soll es wieder rocken …

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