Fall Wieser
Keine Gnade für Bösewicht Sandro Wieser

Nach dem rüden Foul an FCZ-Spieler Gilles Yapi wird der Spieler des FC Aarau gerichtlich mit 10000 Franken gebüsst und zu einer bedingten Geldstrafe von 180 Tagessätzten verurteilt. Die Verurteilung trifft ihn schwer. Sehr schwer sogar.

Ruedi Kuhn
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Sagen wollte Sandro Wieser nichts. Das brauchte der 22-jährige Mittelfeldspieler des FC Aarau auch nicht. Der Frust nach der mehr als zweistündigen Trainingseinheit am Mittwoch auf einem Nebenplatz im Brügglifeld war ihm in aller Deutlichkeit ins Gesicht geschrieben. Dass er von der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau für das Foul an Gilles Yapi im Meisterschaftsspiel zwischen Aarau und dem FC Zürich (0:1) am 9. November 2014 zu einer Busse von 10000 Franken und zu einer bedingten Geldstrafe von 180 Tagen verurteilt wurde, trifft ihn schwer. Sehr schwer sogar.

Gilles Yapi krümmt sich vor Schmerzen auf dem Brügglifeld-Rasen, seine Karriere ist in Gefahr: Das Foul von Aarau-Profi Sandro Wieser am Ivorer könnte strafrechtliche Konsequenzen haben.
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Yapi vergibt Wieser
Sandro Wiesers Brutalo-Foul an FCZ-Spieler Gilles Yapi.
Gilles Yapi ist erfolgreich operiert worden.

Gilles Yapi krümmt sich vor Schmerzen auf dem Brügglifeld-Rasen, seine Karriere ist in Gefahr: Das Foul von Aarau-Profi Sandro Wieser am Ivorer könnte strafrechtliche Konsequenzen haben.

Anton Geisser

Und was macht Wieser? Er schweigt. Nicht nur aus eigenem Willen. Weil es sich um ein laufendes Verfahren handelt, hat ihn auch sein Anwalt zum Schweigen angehalten. Und wenn wir schon bei Maulkörben sind: Von Seiten des FC Aarau gibt es zur neuesten Entwicklung im Fall Wieser ebenfalls keine Stellungnahmen. Das haben Präsident Alfred Schmid und Sportchef Urs Bachmann so entschieden. Der Grund liegt auf der Hand: Der FC Aarau ist im Fall Wieser nicht Partei, will sich also nicht in Dinge einmischen, die ihn nichts angehen. Parteien gibt es zwei: Der Kläger FC Zürich und der Beklagte Wieser!

Wie aber kam die Staatsanwaltschaft zu ihrem Urteilsspruch? „Wir haben den Entscheid sorgfältig abgewogen und waren uns der Tragweite bewusst", sagt Fiona Strebel, Mediensprecherin der Staatsanwaltschaft Aargau. „Ein solcher Entscheid wird nur in Ausnahmefällen gesprochen. Mannschaftssportler wissen, dass ein hohes Verletzungsrisiko besteht. Wer aber wie Sandro Wieser", fügt Strebel hinzu, „die Fairplay-Regeln des Weltfussballverbands Fifa krass missachtet, kann nicht davon ausgehen, dass der Gegner dies stillschweigend in Kauf nimmt."

Klare Worte von Frau Strebel: Interessant ist die Tatsache, dass sich die Staatsanwaltschaft bei ihrem Urteilsspruch an einem Bundesgerichtsentscheid nach einem Foul im Eishockey orientierte: Am 31. Oktober 2000 checkte der Davoser Kevin Miller den ZSC-Spieler Andrew McKim brutal in den Rücken. McKim schlug mit dem Kopf auf dem Eis auf und musste seine Laufbahn aus gesundheitlichen Gründen beenden. Knapp fünf Jahre später wurde Miller vom Bezirksgericht Zürich der einfachen Körperverletzung und der fahrlässigen schweren Körperverletzung für schuldig befunden und zu drei Monaten Gefängnis bedingt verurteilt. 2007 wurde Miller vom Obergericht freigesprochen. McKim zog das Urteil vor Bundesgericht – und erhielt Recht.

Momentan kann man davon ausgehen, dass auch der Fall Wieser die Behörden langfristig beschäftigen wird. Wieser und sein Anwalt werden in den nächsten zehn Tagen eine Einsprache gegen den Strafbefehl einreichen. Die Staatsanwaltschaft wird die Einsprache prüfen und die Anklageschrift ans Bezirksgericht Aarau übergeben. Als zweite und dritte Instanz könnten die beiden Parteien das Obergericht und das Bundesgericht berufen.

Eines steht fest: Im Fall Wieser gibt es fast nur Verlierer. Als Sieger fühlen kann sich zumindest zum jetzigen Zeitpunkt einzig Ancillo Canepa. Der Präsident des FC Zürich sieht sich nach dem Urteil der Staatsanwaltschaft in seiner Meinung bestätigt, dass Wieser Yapi mit Absicht niedergestreckt hat. „Ich werde gegen alles und jeden vorgehen, der so mit unseren Spielern umgeht", sagte Canepa vor dem Einreichen der Strafanzeige. Bleibt zu schlechter Letzt die Frage, ob sich der Klubboss der Zürcher tatsächlich über die Verurteilung von Wieser freuen kann.

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