Pyeongchang 2018

Keine Angst vor den Hitzköpfen - Olympia-Macher der SRG sorgen sich wegen Nordkorea

Sven Sarbach macht sich ein Bild über die Vorbereitungen in der Car-Halle des Schweizer Fernsehens. Die technische Ausrüstung wird per Schiff nach Südkorea transportiert.

Sven Sarbach macht sich ein Bild über die Vorbereitungen in der Car-Halle des Schweizer Fernsehens. Die technische Ausrüstung wird per Schiff nach Südkorea transportiert.

In zwei Monaten finden in Südkorea die Olympischen Winterspiele statt. Die «Nordwestschweiz» begleitet vier Schweizer Figuren auf dem Weg nach Pyeongchang, deren Denken und Handeln in diesen Wochen von den olympischen Ringen geprägt ist – je eine Sportlerin und einen Sportler sowie zwei Führungspersonen aus der Schweizer Delegation.

Der Takt wird schneller, schliesslich rücken die Olympischen Spiele näher und näher. Sven Sarbach, bei der SRG für das Olympia-Projekt Pyeongchang verantwortlich, wird mit immer mehr Details konfrontiert, die es noch zu lösen gilt. Etwa die Situation mit den Unterkünften für die 160 Mitarbeiter vor Ort. Aus Südkorea sind die Details der bestellten Zimmer eingetroffen. Darunter auch solche mit lediglich 6 Quadratmetern und fensterlos. «Für einen vierwöchigen Aufenthalt nicht unbedingt ideal», sagt Sarbach. Er sucht nach Lösungen, nach Varianten.

Derzeit arbeiten Sarbach und sein Team an vielen Einzugsfragen, nicht nur bei den individuellen Unterkünften. Etwa auch im House of Switzerland, wo das Hauptstudio stehen wird. Hier gilt es die Ankunft des Materials mit den Einsätzen der Techniker zu koordinieren. «So, dass unsere Leute keine Zeit verlieren und nach ihrer Ankunft mit der Arbeit loslegen können», erklärt Sarbach.

Ein nachhaltiges Studio

Das Studiogebäude ist übrigens das gleiche wie vor zwei Jahren in Rio. Man hat sich damals für ein modulares System mit Holzelementen entschieden, das jetzt einige tausend Kilometer östlich wieder aufgebaut wird. «Wir haben bewusst ein nachhaltiges Projekt gewählt», sagt Sarbach.

Er freut sich auf die vielen Sendungen aus dem House of Switzerland, dem eigentlichen Epizentrum bei Schweizer Erfolgen. Dank der Kooperation mit Präsenz Schweiz, welche das Schweizerhaus betreibt, und Swiss Olympic ist man dort ganz nahe dran. «Es wird so etwas wie der Mittelpunkt in einem Olympiaort ohne eigentlichem Zentrum sein», glaubt Sarbach.

Die Medaillengewinner kommen dort direkt nach der Siegerehrung vorbei. Für sie sei es oft der erste ruhige Moment nach dem Wettkampf. Der Augenblick, in welchem sie ihren Erfolg so richtig realisieren. «Ich freue mich auf tolle Emotionen aus dem House of Switzerland», sagt Sarbach.

Emotionen spürt man bei der SRG auch bei den eigenen Leuten. Je näher der Grossanlass kommt, umso mehr beschäftige man sich damit. Und jede Rakete, die in Nordkorea gezündet wird, weckt natürlich Ängste. Um dem entgegenzutreten, steht die SRG zur Informationsbeschaffung mit der Schweizer Botschaft, dem EDA und dem Fedpol im engen Kontakt. Für die Mitarbeiter wurde ein spezieller Orientierungsanlass durchgeführt.

Das Fazit der Experten: Vor Ort herrscht Business as usual. Aussergewöhnlich ist einzig die Rhetorik der beiden Hitzköpfe in Pjöngjang und Washington.

Über 1000 Stunden Olympia

Noch etwas zum vorgesehenen Programm. Für die SRG bedeutet die Zeitverschiebung, dass sie quasi rund um die Uhr auf Sendung ist. In der Nacht ab ein Uhr bis in den Nachmittag hinein laufen in Südkorea die Wettkämpfe. Einen Schwerpunkt will man am Morgen bieten, wenn in Europa die Lichter angehen. Dann soll sich der Konsument am Radio oder TV einen kompletten Überblick auf das Geschehen in der Nacht verschaffen können. Die mehr als 1000 Sendestunden in allen vier Sprachregionen bieten aber auch Platz für Vorschauen, Interviews, Hintergründiges, Analysen und Studiosendungen.

Für den totalen Olympiaüberblick steht das Web. Die SRG konnte als eines von wenigen Ländern in Europa die Rechte auch für die Internet-Ausstrahlung erwerben. Sechs Web-Channels, davon drei für Livebilder von Wettkämpfen, die nicht im Hauptprogramm von SRF, TSR und TSI laufen, decken die unterschiedlichen Bedürfnisse der Wintersport-Fans ab.

Die traditionellen Abschiedsworte von IOC-Präsident Thomas Bach an der Schlusszeremonie vom 25. Februar bedeuten für die SRG noch nicht Ende Feuer. Sie wartet auch für die Paralympics vom 9. bis 18. März an gleicher Städte mit einer Premiere auf.

Erstmals in der Geschichte des Schweizer Fernsehens gibt es Liveübertragungen der Skirennen. Daneben will man die Leistungen der Behindertensportler auch mit Reportagen und Hintergrundberichten in den Fokus stellen. «Unsere Übertragungen der Paralympics in Rio stiessen auf ein erfreuliches Echo», begründet Sven Sarbach die ausgebaute Berichterstattung.

Von fremden Kufen, Frust und einmaliger Harmonie

Sabina Hafner verpasst die vorzeitige Olympia-Qualifikation.

Einmal ist es der Neuschnee, der die Spur langsam macht, ein anderes Mal unterläuft ihr ein Fahrfehler, beim dritten Mal fehlt noch die Feinabstimmung für den neuen Bob. Bobpilotin Sabina Hafner hatte gehofft, bei den Rennen in Lake Placid, Park City und Whistler Mountain die Olympia-Qualifikation für Pyeongchang zu schaffen.

Dafür hätte die Baselbieterin im Weltcup zweimal in die Top 8 fahren müssen, stattdessen resultierten die Ränge 15, 17 und 10. «Wir haben sehr lange gebraucht, bis wir auf Touren gekommen sind, dazu hatten wir auch einmal Pech», sagt Hafner.

Sabina Hafner (rechts)

Sabina Hafner (rechts)

Um Punkte für die Qualifikation zu holen, entschied sie sich für einen Start im Europacup und fuhr in Winterberg als Dritte aufs Podest und erfüllt damit den C-Wert. «Immerhin», sagt Hafner, «zeigt die Formkurve nach oben.» Weil ihr eigener Bob nicht rechtzeitig in Europa eingetroffen ist, fuhr sie das Rennen in einem Schlitten von Beat Hefti. «Hätte ich im ersten Lauf nicht einen schweren Fehler gemacht, wäre es sicher noch spannender geworden.»

Positiv stimmt sie die Harmonie im Team, obwohl sie mit Rahel und Evelin Rebsamen auf zwei Anschieberinnen setzt: «Dass sie Zwillinge sind, hilft wohl. Sie verstehen sich blind, und wenn sie etwas stört, sprechen sie das auch aus.» Das sei auch für sie als Pilotin schön.
Harmonie ist eine gute Basis, doch für die Olympia-Qualifikation braucht Hafner bei den Weltcup-Rennen in Winterberg, Innsbruck und in Altenberg zwei Ränge in den Top 8. (sih)

Vom eisigen Paradies in die geheimen Gärten in Fernost

Skiakrobat Dimitri Isler bereitet sich in Finnland auf die neue Saison vor.

Endlose Weiten und klirrende Kälte dominieren in Ruka, weit oben im Norden Finnlands, am Polarkreis. «Wer hierherkommt, sollte lieber kein Gfrörli sein», sagt Skiakrobat Dimitri Isler mit einem Lachen. Seit knapp vier Wochen bereitet sich der Aargauer mit seinen Teamkollegen am Polarkreis auf die Olympia-Saison vor. Regelmässig werden hier Temperaturen von minus 20 Grad gemessen. «Wenn es richtig kalt ist und windet, ist es nicht lustig, aber ohne Wind ist es aushaltbar», sagt Isler.

Doch bitterkalte Tage habe es bisher kaum gegeben. Ohnehin seien die Trainingsbedingungen optimal. Für den 24-Jährigen ist das elementar, denn derzeit hat er Mühe mit der Landung, was sich auch in einem Testwettkampf vom letzten Wochenende zeigte, wo er keinen der vier Sprünge nach seinem Wunsch landen konnte und die Ränge 21 und 23 belegte. «Vom Resultat her eine Katastrophe», sagt er.

Dimitri Isler

Dimitri Isler

Doch sie seien erklärbar, weil er an der Landung der Sprünge feile und deswegen auf andere Dinge achte. «Ich wollte nichts riskieren und hatte nicht mein bestes Wochenende, tragisch ist das nicht», sagt Isler, der sagt, es gehe für ihn in den nächsten Tagen noch darum, Vertrauen für den Saisonstart zu finden.

Am Sonntag fliegt er mit Halt in Helsinki nach Peking, von wo er mit dem Bus ins 250 Kilometer entfernte Ski-Resort Secret Garden weiterreist. Auch für ihn ein Geheimnis, denn dort sprang er bisher noch nie. Für die Olympia-Qualifikation benötigt Isler noch eine Platzierung unter den Top 8.

Die Schleifmaschine kommt mit dem Flugzeug

60 Tage vor Olympia ist Logistikchefin Böhlen in der rollenden Planung.

Planen, updaten, kontrollieren. Längst gehorchen die Olympia-Vorbereitungen von Susanne Böhlen, der Logistikverantwortlichen von Swiss Olympic, einer bekannten Routine. Das Organisationskomitee in Südkorea will von ihr wissen, welches Delegationsmitglied wann, wohin und mit wie viel Gepäck anreist. Kein Kinderspiel, wenn man bedenkt, dass ein grosser Teil der Schweizer Athleten gar noch nicht selektioniert ist. «Die detaillierte Reiseplanung erhält deswegen regelmässige Updates», sagt Böhlen.

Eine rollende Planung braucht es auch für die traditionelle Abgabe der Schweizer Olympiakleidung. Diese findet ab dem 22. Januar gestaffelt im Verteilzentrum bei Ausrüstungspartner «Ochsner Sport» in Luterbach statt. Doch wer kommt wann genau und braucht wie viele Textilien in welcher Grösse? Flexibilität bleibt ein treuer Begleiter.
Da sind fixe Termine eine gern gesehene Abwechslung für Böhlen.

Susanne Böhlen

Susanne Böhlen

Mitte Januar reist die Schleifmaschine der Langläufer mit Luftfracht nach Pyeongchang, am 26. Januar folgen als letzte übergrosse Ladung die Schlitten der Bobfahrer. Es ist gleichzeitig letzte Gelegenheit für die Schweizer Delegation, Material ausserhalb der eigenen Anreise per Flugzeug ans andere Ende der Welt zu bringen.

Wie rollend ihre Planungsaufgaben effektiv sind, wird Susanne Böhlen bei einem Termin speziell vor Augen geführt: dem Kick-off-Meeting mit den Teamchefs für die Olympischen Sommerspiele 2020 in Tokio.

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