EM-Qualifikation
Kein Wembley-Wunder gegen England: Die Schweiz verliert 0:2

Die Schweizer Fussballnati verliert in der EM-Ausscheidung im Londoner Wembley-Stadion 0:2 und muss auf die Qualifikation für die Euro 2016 warten. Die Tore schiessen Kane und Rooney nach der Pause.

Jakob Weber (Liveticker) und Etienne Wuillemin (Text)
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England - Schweiz im Wembley-Stadion
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Für Embolo ist beim Maskenmann Cahill Endstation.
Für einmal machte Mars das Spiel der Schweizer Nati von Coach Petkovic nicht mobil.
Kane beflügelt, Stocker bedient.
Lichtsteiner bittet Rooney zum Überschlag.
Die grosse Torchance für Shaqiri.
Inler mit perfekter Schusstechnik.
Schär lässt Sterling keinen Zentimeter Raum.
Drmic als Stammspieler nicht halb so wirksam wie als Joker.
Behrami gibt keinen Ball verloren - auch nicht, wenn der Gegenspieler Wayne Rooney heisst.
Shaqiri ein wenig wie Asterix bei den Briten.
Ein Schweizer Ball?
Das Bein von Oxlade-Chamberlain gefährlich nahe am Kopf von Klose.
Wayne Rooney vergibt die erste grosse Chance der Partie.
Die Zehen von Maskenmann Cahill und Stocker sagen sich «Hallo».
Shaqiri sucht den Abschluss. Shaqiri sucht den Abschluss.
Rooney ist der Star im Team der Engländer.
Rückkehrer Inler zeigt auch defensive Qualitäten.
Xhaka befreit mit dem Kopf.
Shaqiri im Stechschritt.
Oxlade-Chamberlain enteilt Xhaka.
Sterling überspringt das Hindernis Shaqiri.
Captain Inler is back on track.
Shaqiri und Sterling im Stolpermodus.
Lichtsteiner im Stolpermodus.
Shaqiri ist doch auch ein Grosser!
Auch Rooney ist ein Grosser.
Und wieder ist der Schweizer - Lichtsteiner - der Grössere.
Rooney als ständiger Gefahrenherd.
Roy Hodgson als englischer Nationaltrainer am 8. September 2015.
Roy Hodgson als Schweizer Nationaltrainer am 9. Dezember 1994.
Als Einlaufkind bei Wayne Rooney im Einsatz: Der Sohn von David Beckham.
Die Maskenmänner auf der Tribüne des Wembley-Stadions.
Schweizer Folklore für englische Fussballfans: Vielleicht ist ja bald wieder eine Reise ins Berner Oberland angesagt.
Das Mekka des Fussballs: Wembley-Stadion.
Optimistische Schweizer Fans vor Spielbeginn.
Wieder ein Herz und eine Seele: Captain Gökhan Inler und Nationaltrainer Vladimir Petkovic.

England - Schweiz im Wembley-Stadion

Keystone

Yann Sommer hätte zum Spielverderber einer ganzen Nation werden können. Seit Wochen sehnen die Engländer den Torrekord von Wayne Rooney herbei. Nun hatte er in der 84. Minute die Chance dazu. Rooney durfte zum Penalty anlaufen, schoss – und Sommer kriegte tatsächlich seine Hand an den Ball, allerdings reichte es nicht ganz, um ihn tatsächlich abzuwehren. Es war das 2:0. Und England hatte, was es wollte.

Natürlich war dieser Treffer die Entscheidung in diesem über weite Strecken langweiligen Spiel. Die Schweizer konnten nach dem Rückstand nicht mehr reagieren. Und müssen darum noch auf die definitive EM-Qualifikation warten.

Weil Slowenien gegen Estland gewann, hat sich der Schweizer Vorsprung auf den Konkurrenten auf drei Punkte halbiert. Geht man von einem Sieg gegen San Marino aus – alles andere wäre die grösste Enttäuschung der Schweizer Fussballgeschichte – braucht die Schweiz am 12. Oktober beim letzten Spiel in Estland noch mindestens einen Punkt, um die Reise nach Frankreich antreten zu dürfen. Das muss möglich sein. Nach dieser Niederlage in England wird der späte Sieg gegen Slowenien vom letzten Samstag noch einmal wertvoller.

England ist so etwas wie das YB der Nationalmannschaften. Immer wenn es wirklich zählt, versagt das Team. Erst einen einzigen Titel hat die Nation gewonnen, 1966 an der Heim-WM. Die Sehnsucht nach einem zweiten Titel ist riesig. Der Glauben, dass dies im nächsten Sommer in Frankreich schon passieren könnte, ist auf der Insel indes nicht allzu gross.

Einer, der Rooney dann etwas Last abnehmen könnte, ist Harry Kane. Der Stürmer der Tottenham Hotspurs war letzte Saison so etwas wie der Shootingstar der Premier League. Er hat das Zeug zu Englands neuem Posterboy. Gestern leitete er, erst kurz zuvor eingewechselt, mit seinem Tor die Schweizer Niederlage im Wembley ein.

Etwas viel Langeweile

Es war beileibe kein Gala-Auftritt der Engländer bis zu diesem Zeitpunkt. Aber dann kam diese eine Chance, in der sie ihre Klasse zeigten. Rooney schickte Aussenverteidiger Shaw auf die Reise. Dieser legte den Ball clever in den Rücken der Schweizer Verteidigung, wo Kane stand und direkt zum 1:0 traf.

Die Partie war damit eigentlich entschieden. Die Schweizer kamen zu keiner einzigen guten Ausgleichschance. Nein, es war definitiv nicht ihr Abend. Shaqiri hatte nicht eine Aktion, die Torgefahr heraufbeschwört hätte. Drmic und Stocker, nach ihren tollen Leistungen gegen Slowenien mit dem Einsatz von Anfang an belohnt, konnten auch nichts bewegen. Und Breel Embolo, in der 63. Minute für Drmic eingewechselt, konnte auch nichts mehr bewegen.

Die beste Schweizer Gelegenheit vergab Shaqiri in der ersten Hälfte, als er ein schönes Zuspiel von Xhaka nicht annehmen konnte. Einmal noch schoss Drmic knapp am Tor vorbei. Aber sonst? Nichts, was die Ansprüche der Schweiz, zu Europas Topklasse zu gehören, bestätigt hätte. Es war, gegen eine höchst durchschnittliche englische Auswahl, eine Enttäuschung.

Manchmal war das Spiel an Langeweile kaum zu überbieten. Es waren zwei Equipen auf dem Rasen, die sich gegenseitig in Schach hielten. Ohne Bereitschaft, etwas mehr zu riskieren. Mag sein, dass Engländer wie Schweizer um die gegnerischen Stärken beim Kontern fürchteten. Trotzdem war es ziemlich bieder, was beide über weite Strecken boten.

Die Schweiz hat nun in England seit 1910 in zwölf Anläufen nie gewonnen. Es war ein Auftritt, der weniger in Erinnerung bleibt als jener vor vier Jahren (2:2), der als Geburtsstunde einer neuen Generation in die Geschichte einging. Und nun folgt im Oktober noch die mühsame Pflicht gegen San Marino und Estland.

England - Schweiz 2:0 (0:0)

Wembley, London. - 75'751 Zuschauer. - SR Rocchi (It). - Tore: 67. Kane (Shaw) 1:0. 84. Rooney (Foulpenalty/Foul von Xhaka an Sterling) 2:0.

England: Hart; Clyne (68. Stones), Cahill, Smalling, Shaw; Milner, Shelvey (57. Kane), Delph (3. Barkley); Oxlade-Chamberlain, Rooney, Sterling.

Schweiz: Sommer; Lichtsteiner, Schär, Klose, Rodriguez; Behrami (79. Dzemaili), Inler, Xhaka; Drmic (63. Embolo), Shaqiri, Stocker (72. Seferovic).

Bemerkungen: England ohne Sturridge, Welbeck und Carrick (alle verletzt), Schweiz ohne Djourou (verletzt). Verwarnungen: 28. Milner (Foul). 71. Smalling (Foul).

Gruppe E: England - Schweiz 2:0 (0:0). Litauen - San Marino 2:1 (1:0). Slowenien - Estland 1:0 (0:0).

Rangliste: 1. England 8/24. 2. Schweiz 8/15. 3. Slowenien 8/12. 4. Estland 8/10. 5. Litauen 8/9. 6. San Marino 8/1.

Die Partie zum Nachlesen in unserem Liveticker: