In Brasilien sind die dunklen Machenschaften von José Maria Marin, dem Ex-Präsidenten des brasilianischen Fussballverbands CBF, längst bekannt. Entsprechend geniesst er dort keine Sympathie, auch nicht von den lokalen Medien. Schon am Tag nach Marins Verhaftung titelte die «Folha de S. Paulo» online: «Marin sitzt in einer privaten Zelle mit eigener Toilette.»

Wenig später folgten Meldungen, wonach Marin im Gefängnis in der Region Zürich jeden Tag Fleisch essen dürfe und keine Gefangenenkleidung anziehen müsse. Dass noch erwähnt wurde, dass er nur eine Stunde pro Tag an die frische Luft dürfe, seine Mahlzeiten selber berappen müsse – 15 Franken am Tag – und es im Gefängnis zwar eine Bibliothek gäbe, er aber nur Portugiesisch spreche, wird bei den Brasilianern kaum Mitleid geweckt haben.

Marin wird gehasst wegen der Korruption im Fussballverband und wegen seines Mitwirkens in der brasilianischen Militärdiktatur vor mehr als 30 Jahren. Dabei hat der heute 83-Jährige immer nur zweite Geige gespielt neben noch mächtigeren Männern, denen er treu folgte. 1982 übernahm er für zehn Monate den Posten als Gouverneur von São Paulo von seinem politischen Paten und notorisch korrupten Paulo Maluf.

Dem brasilianischen Journalisten Juca Kfouri soll Marin damals anvertraut haben: «Es ist unmöglich, arm als Gouverneur abzutreten. Bei allem, was der Staat macht, werden zehn Prozent Kommission reserviert. Und ich werde nicht derjenige sein, der dies ändern wird.»

Den Aufstieg im Fussballverband verdankt Marin seinem Vorgänger Ricardo Teixeira, der während 23 Jahren den CBF führte und 2012 wegen einer Korruptionsaffäre zurücktrat. Und Teixeira selbst verdankt seinen Aufstieg dem Ex-Fifa-Chef und Ex-Vorgesetzten von Sepp Blatter, João Havelange, mit dessen Tochter er verheiratet war.

Seit April ist Marco Polo Del Nero Chef des CBF, nach einer Wahl, die mit Marin – der Vize blieb – und Drahtzieher Teixeira abgemacht war. Um eine Verbindung zu Marin zu vertuschen, wurde dessen Name letzte Woche von der Fassade des CBF-Hauptsitzes in Rio entfernt.

Ex-Fussballstar Ronaldo verlangt nun den Rücktritt von Del Nero. Beim Champions-League-Final am Samstag will er Uefa-Chef Michel Platini dafür um Hilfe bitten.