Eishockey
Kein Meister – das banale Ende aller Hockey-Träume

Nach dem Saisonschluss geht es um die Frage, ob das Hockey etwas von den 50 Millionen Krisen-Bundesgeldern bekommt.

Klaus Zaugg
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Direktor Denis Vaucher an der Medienkonferenz

Direktor Denis Vaucher an der Medienkonferenz

Urs Lindt/Freshfocus

Bertold Brecht hätte gesagt: Stell Dir vor, es ist der letzte Tag einer Hockeysaison, fast niemand geht hin und kaum jemand merkt es. Statt mit Champagner und Meister-Zigarren endet die Saison mit einer Medienkonferenz im Berner Vorort Ittigen bei Sandwiches, Schokoriegel, Wasser und Kaffee. Dabei hätten es die besten Playoffs der Geschichte werden können. Und ein Drama sondergleichen im Ringen um Promotion und Relegation.

Nun haben wir nicht einmal einen Meister und es gibt weder Auf- noch Absteiger. Zum ersten Mal seit der Saison 1939/40 gibt es im Eishockey keinen Meister. Vor 80 Jahren war wegen der Kriegsmobilmachung überhaupt nicht gespielt worden.

Im Untergeschoss des «Haus des Sports» zu Ittigen, einem 10000-Seelen-Vorort und ein wenig Berns Antwort auf Spreitenbach, haben sich die Klubvertreter der beiden höchsten Ligen gestern um 13 Uhr getroffen. Sie brauchten nur eine Stunde, um alles zu regeln. Es ging um zwei Fragen: Werden die ZSC Lions als Qualifikationssieger zum Meister ausgerufen? Dürfen Kloten und Visp am grünen Tisch aufsteigen? Die Anträge sind hochkant gescheitert.

Kein Titel für die ZSC Lions – kein Aufstieg für Kloten und Visp

Nur die ZSC Lions und der SCB stimmten dafür, die ZSC Lions zum Meister zu küren. Nur Kloten und Visp votierten für den Aufstieg am grünen Tisch. Eine Dreiviertelmehrheit – also die Zustimmung von neun Klubs der National League und der Swiss League wären notwendig gewesen. So haben wir einen einzigen Titelträger: Cupsieger Ajoie. Und der SCB und der SC Langenthal sind auch nächste Saison Titelverteidiger.

ZSC-Manager Peter Zahner und die Abgesandten aus Kloten und Visp nahmen es mit Grandezza. Sie hatten mit einer Ablehnung gerechnet. Eine gute Nachricht gibt es: Der Kabelnetzbetreiber UPC (MySports) hat das Geld für die TV-Rechte – etwas mehr als 30 Millionen – für diese Saison schon bezahlt. Bevor die grosse Krise auch über unser Hockey gekommen ist.

Wie sieht es mit TV-Geldern und der WM aus?

Die Liga hat den NL- und SL-Klubs die vierte und letzte Rate der TV-Gelder auch schon überwiesen. Wenigstens sind diese Schäfchen im Trockenen. Nun geht es für Liga-Direktor Denis Vaucher darum, mit den UPC-Juristen die Zukunft zu regeln: Er muss verhindern, dass die TV-Gelder wegen des vorzeitigen Endes der Saison nicht nachträglich kräftig gekürzt werden und dafür sorgen, dass der noch zwei Jahre laufende Vertrag uneingeschränkt eingehalten wird. Das wird nicht einfach sein.

Die Saison ist für Trainer und Spieler ist also zu Ende. Am Montag wird noch verkündet, ob und wie sich die Kandidaten fürs WM-Team fitzuhalten haben. Obwohl niemand mehr damit rechnet, dass die WM stattfindet. Das wahrscheinlichste Szenario: Die WM wird, wenn die Gremien im Internationalen Verband zustimmen, einfach um ein Jahr verschoben.

Wirtschaftliche Folgen und Unterstützung

Nun geht es nicht mehr um sportliche, sondern um wirtschaftliche Fragen. Können die Klubs in den kommenden Monaten die Folgen der Virus-Krise verkraften? Gibt es Hilfe?

Verbandspräsident Michael Rindlisbacher hatte in seiner rührenden Naivität im Alleingang und ohne Absprache mit den Klubs versucht, einen Fonds für die Vereine zu eröffnen, in den Bund, Kantone und Gemeinden hätten einzahlen sollen. Und dabei nicht bedacht, dass es dafür gesetzliche Grundlagen mit mindestens zweijähriger Vorlaufszeit braucht. Nun nehmen die Klubmanager die Sache in die Hand.

Der Bundesrat hat ein Paket von zehn Milliarden geschnürt. Mit dem Geld sollen die Folgen der Viruskrise abgefedert werden. 50 Millionen davon sind für den Spitzensport vorgesehen. SCB-Manager Marc Lüthi, mit Bundesbern gut vernetzt, sagt:

Ich gehe davon aus, dass dieses Geld in erster Linie den Fussball- und Hockeyklubs zukommt.

50 Millionen Subventionen? Zuschüsse in die Klubkasse? Nein. Lüthi führt aus, es gehe im Grundsatz um die Möglichkeit, zinslose Kredite für Notfälle zu bekommen.

Wenn beispielsweise ein Hockeyunternehmen wegen Liquiditätsengpässen in seiner wirtschaftlichen Existenz bedroht ist. Der Abbruch der Saison führt diese existenzielle Not nicht herbei. Aber wenn es zu einer Wirtschaftskrise kommt, müssen die Klubs für nächste Saison mit erheblichen Ausfällen im Bereich Saisonkarten und Werbung/Sponsoring rechnen.