Fussball
Kein gutes Zeugnis für Sportchef Frei und Trainer Bernegger beim FC Luzern

Der FC Luzern ist siegloser Tabellenletzter der Super League. Die Zuschauerzahlen sind markant gesunken – ein Alarmsignal. Sportchef Alex Frei und Trainer Carlos Bernegger stehen beim kriselnden FC Luzern in der Kritik – nicht ohne Grund.

Markus Brütsch
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In der Kritik: Spotchef Alex Frei (l.) und Trainer Carlos Bernegger.

In der Kritik: Spotchef Alex Frei (l.) und Trainer Carlos Bernegger.

Keystone

Für den vorerst letzten Aufreger am Fuss des Pilatus hat der Stadionspeaker des FC Thun gesorgt. Einem Bericht von «20 Minuten» folgend, hat er am Dienstag beim Gastspiel des FC Luzern dessen Trainer Carlos Bernegger zur Vertragsverlängerung gratuliert. Eine Nachricht, die vor allem die Zentralschweizer Medien aufgeschreckt hat. Für diese war in den letzten Wochen vor allem eine Frage im Vordergrund gestanden: Wann wird Bernegger entlassen? So sehr, dass sich die Klubführung vor einer Woche sogar veranlasst sah, in einem Communique klarzumachen, dass es keine Diskussionen über den Trainer gebe und erst im Winter Bilanz gezogen werde. Auf die Meldung von Berneggers «geheimer» Vertragsverlängerung bis 2016 ging die Klubführung um Präsident Ruedi Stäger weder mit einer Bestätigung noch mit einem Dementi ein.

Kein gutes Zeugnis
Nach dem 2:3 in Thun fällt die Zwischenbilanz beim FC Luzern nach 13 Pflichtspielen und dem Abschluss des ersten Meisterschaftsviertels ernüchternd aus. Zwar wurde mit dem 5:3 beim unterklassigen Schaffhausen im Cup der Achtelfinal erreicht, doch das dritte Out in Folge in der Europacup-Qualifikation gegen die bescheidenen Schotten von St. Johnstone und der letzte Platz in der Super League stellen dem Team, Trainer Bernegger sowie dem für die Transfers zuständigen Sportchef Alex Frei kein gutes Zeugnis aus.

Dabei hatte im Frühjahr 2013 mit den frisch vom FC Basel nach Luzern gekommenen Frei und Bernegger alles vielversprechend begonnen. Der Trainer führte die akut abstiegsgefährdeten Luzerner mit zwanzig Punkten aus zehn Partien zuerst imponierend zum Klassenerhalt, in der Hinrunde der folgenden Saison dann gar auf den 2. Platz mit nur einem Punkt Rückstand auf Basel.

Zwar betrug dieser am Saisonende dann stolze 21 Zähler, doch weil Luzern am letzten Spieltag mit einem 3:0 über Thun den vierten Rang und damit den Einzug in die Europacup-Qualifikation gesichert hatte sowie im Cup erst im Halbfinal an Basel gescheitert war, liess sich die Bilanz der Spielzeit 13/14 sehen. Verwischt wurde dabei, dass Luzern mit nur 19 Punkten in der Rückrundentabelle auf dem drittletzten Rang lag.

Neun Spiele ohne Sieg
Aber jetzt, nach neun Spielen ohne Sieg in der Meisterschaft und mit fünf Zählern einen Punkt hinter Aufsteiger Vaduz auf dem letzten Tabellenplatz liegend, ist ein Blick auf die Statistik im Kalenderjahr 2014 hilfreich, um die Dimension des Luzerner Kriechgangs zu erfassen. Aus 27 Meisterschaftsspielen resultierten magere 24 Punkte; hochgerechnet auf eine ganze Saison ergibt dies 32 Punkte.

Auch wenn mit dieser Punktzahl seit Einführung der Super League 2003 lediglich Yverdon (2006) direkt abstieg, so entspricht sie doch der Ausbeute eines potenziellen Absteigers. Aber bei weitem nicht den Luzerner Ansprüchen. Abzulesen ist dies gut an den Zuschauerzahlen, die von 14 180 (11/12) auf 10 120 (14/15) gesunken sind. Ein Desaster für einen Klub mit einem Gesamtbudget (FCL Holding AG) von rund 25 Millionen Franken, der einen erheblichen Teil davon mit Zuschauereinnahmen und Hospitality decken will, im Geschäftsjahr 2013 jedoch ein Defizit von 2,1 Millionen Franken auswies.

Was kann Bernegger?
Weil Bernegger erstmals über einen längeren Zeitraum in der Super League arbeitet und es keine Vergleichsmöglichkeiten mit früheren Trainerstationen gibt, ist die Frage schwierig zu beantworten, ob der 45-Jährige einfach bloss ein Mann ist, der gut motivieren und eine Mannschaft für eine gewisse Zeit nach vorne pushen kann, der sich aber nach ein paar Monaten abgenützt hat und in heiklen Situationen überfordert ist. Vielleicht sind auch die vier Platzverweise in den ersten acht Spielen ein Spiegelbild des nervös gewordenen Trainers, der zugegebenermassen auch nicht gerade vom Wettkampfglück verfolgt wird.

Offene Fragen bei Frei
Auch bei Frei gibt es offene Fragen. Selbst unter Berücksichtigung der Tatsache, dass es anspruchsvoll ist, eine kompetitive Mannschaft zusammenzustellen, wenn das Lohnbudget um 700 000 Franken gesenkt und ein Umbruch vollzogen werden muss: Freis Transferbilanz ist zwiespältig. Mit den Offensivspielern Marco Schneuwly (Thun) – er soll demnächst gar Nationalspieler werden – und Jakob Jantscher (Nijmegen) hat er Volltreffer gelandet, die Dimitar Rangelov vergessen machen. Mit dem jungen Remo Freuler haben die Luzerner überdies einen vielversprechenden Perspektivspieler erhalten.

Ganz anders sieht es in der Defensive aus. Weder der Transfer von François Affolter im Winter noch jene der beiden anderen Innenverteidiger Kaja Rogulj (Austria Wien) und Andrés Lamas (Independiente de Valle, Ecu) haben Luzern geholfen. Vor allem gibt es keine Hierarchie und fehlen dem Team Leaderfiguren, wie sie Tomislav Puljic und Florian Stahel trotz aller Defizite eben doch gewesen sind. Dazu schwächelt Goalie David Zibung, und es ist rätselhaft, weshalb sich Bernegger standhaft weigert, mit dem in Schaffhausen so starken Lorenzo Bucchi im Tor für einen neuen Impuls zu sorgen.

Noch halten die enttäuschten Investoren um Bernhard Alpstaeg und Walter Stierli still. «Wir haben Vertrauen in die sportliche Leitung», hat Alpstaeg der «Neuen Luzerner Zeitung» gesagt.

Fragt sich bloss: Wie lange noch?