FC Basel
Kein Ende in Sicht

Um die Dominanz des FCB zu verstehen, müssen wir zurückblenden. Frühling 2009. Zürich ist Meister. Der FC Basel nur Dritter. Kaum etwas deutet auf einen Sololauf der Bebbi in den folgenden Jahren.

François Schmid-Bechtel
François Schmid-Bechtel
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Der FC Basel ist zum siebten Mal in Serie Schweizermeister.

Der FC Basel ist zum siebten Mal in Serie Schweizermeister.

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Der Trainer, Christian Gross, berauscht sich zwar nach zehn Jahren an seiner Machtfülle. Doch er hat sich längst abgenutzt. Die Präsidentin und Mäzenin, Gigi Oeri, entscheidet noch immer aus dem Bauch heraus, aber sie antizipiert falsch. Sie verlängert wenige Monate zuvor den Vertrag mit Gross. Vielleicht aus Trotz, weil rundherum alle auf eine Trennung von Gross drängen. Darüber hinaus zieht sich Oeri immer mehr aus dem Tagesgeschäft zurück. Es scheint nur eine Frage der Zeit, wann die Hausbank dichtmacht.

Der FCB wankt. Denn er muss sich neu erfinden. Er trennt sich von Christian Gross, womit die Galionsfigur wegbricht. Schlimmer noch: Durch Oeris Rückzug in Raten bricht das finanzielle Auffangbecken weg. Der FC Basel muss sich emanzipieren. Und das in einer Phase, in der die Konkurrenz Ernst macht. Der FC Zürich surft nach den Titeln 2006, 2007 und 2009 auf einer Welle. Und die Young Boys haben eine formidable Ausgangslage, weil sie im Gegensatz zum FC Basel das Stadion selber vermarkten und auf die Finanzspritzen der Gebrüder Rihs zählen können.

Bernhard Heusler entfacht mit Mut, Klugheit, Liebe und Demut ein Feuer, das bis heute brennt.

Bernhard Heusler entfacht mit Mut, Klugheit, Liebe und Demut ein Feuer, das bis heute brennt.

Es ist die Zeit, in der beim FC Basel Vizepräsident Bernhard Heusler die operative Führung übernimmt. Der tugendhafte Anwalt entfacht mit Mut, Klugheit, Liebe und Demut ein Feuer, das bis heute brennt.

Sein Mut. Heusler will Alex Frei zum FC Basel zurückholen. Doch Gigi Oeri spricht sich gegen den Transfer aus, was bedeutet: Schaut selbst, wie ihr Frei finanzieren wollt. In der
Tat ein Kraftakt. Denn noch hat Basel keine Reserven. Und das Gesamtvolumen des Frei-Transfers beträgt etwa zwölf Millionen Franken. Heusler lässt sich nicht entmutigen und findet Investoren. Ihm ist klar, dass es sich um einen Balanceakt handelt, das Schicksal des Klubs quasi von einem Paar Füsse abhängig zu machen. Aber er ist überzeugt. Rückblickend sagt er: «Frei zurückzuholen, war der gefährlichste und risikoreichste Entscheid meiner Amtszeit.» Basel wird mit Frei Meister und zieht in die Champions League ein. Der Zug ist entsperrt. Doch wäre die All-In-Strategie mit Frei nicht aufgegangen, hiesse der Präsident heute wohl nicht mehr Bernhard Heusler.

Nicht nur der FC Basel dominiert das nationale Fussballgeschehen:

Slowenien NK Maribor, 5x Meister in Serie (2011 - 2015). Ob ein sechster Titel dazu kommt, steht noch in den Sternen. Maribor liegt aktuell auf dem zweiten Tabellenrang mit nur zwei Punkten Rückstand auf Platz 1.
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Bulgarien Ludogorez Rasgrad, 4x Meister in Serie (2012 - 2015). Ein fünfter Titel in Serie wird dieses Jahr sehr wahrscheinlich dazukommen. Ludogorez führt die Tabelle der ungarischen A Grupa mit 14 Punkten Vorsprung an.
Weissrussland FK BATE Baryssau, 10x Meister in Serie (2006 - 2015).
Andorra FC Santa Coloma, 3x Meister in Serie (2014 - 2016).
Kroatien NK Dinamo Zagreb, 10x Meister in Serie (2006 - 2015). Aktuell steht Zagreb mit vier Punkten Vorsprung auf Verfolger Rijeka an der Tabellenspitze. Ein weiterer Meistertitel, der 11. in Serie, ist zum Greifen nah.
Zypern APOEL Nikosia, 3x Meister in Serie (2013 - 2015). Ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Nikosia und Larnaca wird entscheiden, ob bei APOEL Nikosia ein vierter Meistertitel in Serie dazukommen wird.
Schottland Celtic Glasgow, 4x Meister in Serie (2012 - 2015). Der fünfte Titel in Folge ist Celtic kaum mehr zu nehmen, denn der schottische Serienmeister liegt derzeit in der Premiership mit acht Punkten Vorsprung an der Spitze.
Griechenland Olympiakos Piräus, 6x Meister in Serie (2011 - 2016).
Italien Juventus Turin, 4x Meister in Serie (2012 - 2015). Der fünfte Titel in Folge steht Juventus kurz bevor.
Albanien KF Skënderbeu Korça, 5x Meister in Serie (2011 - 2015). Der sechste Titel in Serie ist für Skënderbeu noch nicht in Stein gemeisselt. Der Tabellenzweite FK Partizani ist nur zwei Punkte von Skënderbeu entfernt.
Frankreich Paris Saint-Germain, 4x Meister in Serie (2013 - 2016). Paris steht bereits seit Mitte März, genau gesagt seit dem eindrücklichen 9:0-Sieg gegen Troyes, als vorzeitiger französischer Meister fest.
Deutschland FC Bayern München, 3x Meister in Serie (2013 - 2015). Auch die Bayern stehen vor einem weiteren Triumph und können die Serie auf vier Titel in Folge erhöhen.
Wales The New Saints FC, 5x Meister in Serie (2012 - 2016).
Gibraltar Lincoln Red Imps FC, 13x Meister in Serie (2003 - 2015). Voraussichtlich wird für den gibraltarischen Serienmeister ein 14. Titel dazukommen.

Slowenien NK Maribor, 5x Meister in Serie (2011 - 2015). Ob ein sechster Titel dazu kommt, steht noch in den Sternen. Maribor liegt aktuell auf dem zweiten Tabellenrang mit nur zwei Punkten Rückstand auf Platz 1.

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Seine Klugheit. Auch der FC Basel macht Fehler. Aber nicht den gleichen zweimal. Früher wechselte ein Talent auch mal ablösefrei ins Ausland, weil man a) den Vertrag nicht früh genug verlängerte und b) das Gehalt des aufstrebenden Spielers nicht erhöhte. Unter Bernhard Heusler passiert das nicht mehr.

Seine Liebe. Durch Heuslers Venen fliessen wie bei vielen anderen Menschen der Region auch blaue Blutkörper. Rot-Blau. Kompromisslos. Bernhard Heusler ist kein CüpliPräsident. Er spekuliert auch nicht mit einem politischen oder sonst einem Amt. Er ist FCB-Präsident aus Leidenschaft und Berufung. Weshalb sich der Verein trotz aller Erfolge nie von seiner Basis entfremdet hat.

Seine Demut. Die übersteigerte Bedeutung seiner Person ist Heusler unangenehm. Auch goutiert er nicht, wenn das Wesen und Wirken des Klubs nur auf eine Figur reduziert wird – namentlich auf ihn. Heusler ist ein Wir-Typ. Was er tut, macht er nicht, um sein Ego zu massieren. Was er tut, macht er im Sinne des Klubs.

Risse sind beim FCB keine auszumachen. Allein, dass der Klub als einer von ganz wenigen in diesem Land das Geld selber erwirtschaften muss, das er ausgibt, macht dem Schlendrian den Garaus. Das ist die schlechte Nachricht
für die Konkurrenz. Die gute Nachricht ist: Man kann beim FCB genau hinschauen und nachahmen. Insbesondere bei vermeintlichen Softfaktoren wie Mut, Klugheit, Liebe und Demut.

So verlief die Saison 2015/2016 für den FC Basel.

17. Juni 2015: Paulo Sousa verlässt den FC Basel. Nach nur einem Jahr am Rheinknie zieht der Portugiese weiter, er wird Trainer bei der ACF Fiorentina.
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18. Juni 2015: Der FCB verpflichtet nach dem Abgang von Trainer Paulo Sousa Urs Fischer vom FC Thun als neuen Coach. Da Fischer eine FCZ-Legende ist, passt dieser Transfer einigen Fans nicht. Sie hängen am Tag der Bekanntgabe ein Banner mit der Aufschrift "Fischer, nie eine vo uns!!!" auf.
26. Juni 2015: Auf der Suche nach einem Streller-Nachfolger wird der FCB in Australien fündig: Der Österreicher Marc Janko kommt vom Sydney FC. Kann Janko tatsächlich in die grossen Fussstapfen von Pipi Streller steigen? Er kann! Die "Strafraumkobra" schlägt in Basel voll ein und wird schnell zum Publikumsliebling.
30. Juni 2015: Der FCB vermeldet die Rückkehr von Zdravko Kuzmanovic. Der Serbe soll zur Identifikationsfigur werden, er erhält einen Fünfjahresvertrag.
18. Juli 2015: Das erste Spiel unter Urs Fischer bestreitet der FCB zuhause gegen den FC Vaduz. Zum Saisonauftakt gewinnen die Bebbi 2:0, Matias Delgado führt die Mannschaft als neuer Captain aufs Feld.
25. Juli 2015: Dank dem 2:3-Auswärtserfolg bei den Grasshoppers am zweiten Spieltag übernimmt der FCB erstmals die Tabellenführung. Eine Position, von der er bis zum Ende der Saison nicht mehr verdrängt werden sollte.
25. August 2015: Bittere Enttäuschung für den FCB - durch ein 1:1 im Rückspiel gegen Maccabi Tel Aviv verpasst man die Champions League-Qualifikation und darf "nur" in der Europa League ran.
17. September 2015: Es kommt zur Wiedersehen mit Paulo Sousa. In der Europa League-Gruppenphase spielt der FCB in Florenz und dreht dort einen 0:1-Rückstand in einer verrückten Partie noch in einen 2:1-Sieg.
28. Oktober 2015: Im Cup-Achtelfinal trifft der FC Basel im Regio-Derby auf den SV Muttenz. Auf dem Margelacker wird ein Fussballfest gefeiert, an dessen Ende sich der FCB erwartungsgemäss mit 5:1 durchsetzt.
22. November 2015: In der verschneiten AFG Arena verliert der FCB mit 1:2 gegen St. Gallen. Bereits in der Runde zuvor unterlag man gegen GC. Es ist das einzige mal, dass der FCB in dieser Saison bis zum Titelgewinn zwei Spiele nacheinander verliert.
6. Dezember 2015: Der FC Basel gewinnt in Thun mit 2:0 und ist mit 10 Punkten Vorsprung auf GC Wintermeister.
10. Dezember 2015: Dank dem Auswärtssieg gegen Lech Posen beendet der FCB erstmals überhaupt seine Gruppe in einem europäischen Wettbewerb auf Platz 1.
13. Dezember 2015: Aus ist der Traum vom Double. Dem FCB läuft es bis hierhin in der Meisterschaft zwar hervorragend, doch im Cup scheidet er gegen Pokal-Angstgegner Sion aus - nach Penaltyschiessen.
12. Januar 2016: Von den Young Boys verpflichtet der FCB Renato Steffen. Das stösst vielen Fans sauer auf. Doch Steffen trifft gleich im ersten Spiel und lässt fortan mit guten Leistungen viele Kritiker verstummen.
19. Januar 2016: Das Projekt "Zdravko Kuzmanovic beim FCB" ist gescheitert. Der Rückkehrer konnte die Vorschusslorbeeren nie rechtfertigen. Er verliess den FCB nach nur einem halben Jahr noch während dem Trainingslager in Richtung Udinese.
25. Februar 2016: Das verrückteste Spiel der Saison. Der FCB empfängt Saint-Etienne zum Rückspiel des Europa-League Sechzehntelfinals. Rotblau geht durch Zuffi früh in Führung, kassiert aber in der Nachspielzeit den Ausgleich und wäre ausgeschieden. Doch mit dem letzten Angriff bäumt sich der FCB nochmals auf und trifft durch Zuffi zum 2:1 - Wahnsinn!
17. März 2016: Gegen den starken FC Sevilla ist für den FC Basel die Europa League zu Ende. 0:0 und 0:3 enden die beiden Partien aus Sicht des FCB. Damit wird nichts aus dem Final im eigenen Stadion.
14. April 2016: Eine Machtdemonstration der Basler: Der FCB überfährt den FC St. Gallen auswärts gleich mit 7:0 - der bis dahin höchste Saisonsieg der Bebbi.
30. April 2016: Der FC Basel sichert sich mit einem 2:1-Sieg gegen den FC Sion den siebten Meistertitel in Serie.

17. Juni 2015: Paulo Sousa verlässt den FC Basel. Nach nur einem Jahr am Rheinknie zieht der Portugiese weiter, er wird Trainer bei der ACF Fiorentina.

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