Swiss Indoors Basel
Kei Nishikori: Des Japaners Bedeutung als Botschafter für den Fernen Osten

Dank Spielern wie dem Japaner Kei Nishikori erhalten die Swiss Indoors weltweite TV-Präsenz.

Marcel Kuchta
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Liess nichts anbrennen: Der an Nummer 3 gesetzte Kei Nishikori gewann in Basel sein Auftaktspiel gegen Dusan Lajovic.keystone

Liess nichts anbrennen: Der an Nummer 3 gesetzte Kei Nishikori gewann in Basel sein Auftaktspiel gegen Dusan Lajovic.keystone

KEYSTONE

Wenn Kei Nishikori irgendwo auf der Welt auf dem Tennisplatz steht und sich mit einem Kontrahenten duelliert – wie gestern Abend in der Basler St. Jakobshalle gegen Dusan Lajovic, dann schauen ihm in seiner Heimat Japan im Schnitt knapp eine Million Menschen live vor den Fernsehgeräten zu. Das mag bei einem Land mit fast 130 Millionen Einwohner nach wenig tönen.

Wenn man aber bedenkt, dass die aktuelle Weltnummer-5 aufgrund der Zeitverschiebung in Japan meistens zu unchristlichen Nacht- oder Morgenstunden an der Arbeit ist, dann wird die Zahl schon eindrücklicher – zumal sie auch alle weniger bedeutenden Matchs in den Vorrunden beinhaltet. Zum Vergleich: In der Schweiz schauten 2009 beim US-Open-Final zwischen Roger Federer und Juan Martín del Potro zu nachtschlafender Zeit im Schnitt 350 000 Leute zu.

Nishikori ohne Probleme

Kei Nishikori ist erfolgreich in die Swiss Indoors gestartet. Der an Nummer 3 gesetzte Japaner wurde seinem Status gerecht und bezwang den Serben Dusan Lajovic 7:5, 6:1. Nishikori benötigte etwas Zeit, um bei seinem dritten Start in Basel in Fahrt zu kommen. Das war keine Überraschung, schliesslich bestritt der Weltranglisten-Fünfte erst seinen zweiten kompletten Match seit dem US Open, wo er im Halbfinal am späteren Sieger Stan Wawrinka gescheitert war. In Tokio Anfang Oktober musste er wegen einer Gesässmuskelverletzung in der 2. Runde aufgeben. Danach war sein Start in Basel eine Weile unsicher. Nun konnte Nishikori als erster Asiate die Swiss Indoors offiziell eröffnen. Im Anschluss an den Auftritt der walisischen Mezzosopranistin Katherine Jenkins legte er einen Steigerungslauf hin. Vom 5:5 im ersten bis zum 5:0 im zweiten Satz gewann er sieben Games in Folge und entschied damit den Match gegen den Weltranglisten-78. aus Belgrad. Im zweiten Teil der Partie zeigte der 26-Jährige sein Klasse und bewies, dass die körperlichen Probleme überwunden sind. (sda)

Klar ist: Kei Nishikori ist in seiner Heimat unglaublich populär und deshalb ist seine Präsenz für Tennisturniere in aller Welt Gold wert – auch für Basel. Wenn es darum geht, das Teilnehmerfeld für die Swiss Indoors zusammenzustellen, dann spielen nicht nur sportliche Kriterien eine Rolle, sondern in zweiter Linie auch die Diversifizierung. Will heissen: je internationaler das Teilnehmerfeld, umso umfassender ist die weltweite TV-Abdeckung, umso höher die Einschaltquoten und damit auch die Reichweite.

Stan Wawrinka ATP:3; Alter:31, Siege 2016: 43; Niederlagen 2016: 14; Turniersiege 2016: 4; Preisgeld 2016: $5,663,783; Preisgeld Karriere: $26,619,354.
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Milos Raonic ATP: 4; Alter: 25; Siege 2016: 47; Niederlagen 2016: 14; Turniersiege 2016: 1; Preisgeld 2016: $3,880,233; Preisgeld Karriere: $12,712,216.
Kei Nishikori ATP: 5; Alter: 26; Siege 2016: 52; Niederlagen 2016: 16; Turniersiege 2016: 1; Preisgeld 2016: $3,715,751; Preisgeld Karriere: $15,043,162.
Marin Cilic ATP: 11; Alter: 28; Siege 2016: 39; Niederlagen 2016: 20; Turniersiege 2016: 1; Preisgeld 2016: $2,035,943; Preisgeld Karriere: $15,486,053.
David Goffin ATP: 12; Alter: 25; Siege 2016: 45; Niederlagen 2016: 21; Turniersiege 2016: 0; Preisgeld 2016: $1,862,255; Preisgeld Karriere: $4,650,665.
Grigor Dimitrov ATP: 18; Alter: 25; Siege 2016: 36; Niederlagen 2016: 23; Turniersiege 2016: 0; Preisgeld 2016: $1,519,436; Preisgeld Karriere: $7,362,022.
Richard Gasquet ATP: 19; Alter: 30; Siege 2016: 30; Niederlagen 2016: 16; Turniersiege 2016: 1; Preisgeld 2016: $1,124,945; Preisgeld Karriere: $14,633,471.
Jack Sock ATP: 23; Alter: 24; Siege 2016: 29; Niederlagen 2016: 18; Turniersiege 2016: 0; Preisgeld 2016: $1,034,792; Preisgeld Karriere: $4,501,756.
Marcos Baghdatis ATP: 35; Alter: 31; Siege 2016: 25; Niederlagen 2016: 20; Turniersiege 2016: 0; Preisgeld 2016: $900,983; Preisgeld Karriere: $7,581,490.
Pablo Carreno Busta ATP: 36; Alter: 25; Siege 2016: 34; Niederlagen 2016: 24; Turniersiege 2016: 1; Preisgeld 2016: $810,918; Preisgeld Karriere: $2,550,038.

Stan Wawrinka ATP:3; Alter:31, Siege 2016: 43; Niederlagen 2016: 14; Turniersiege 2016: 4; Preisgeld 2016: $5,663,783; Preisgeld Karriere: $26,619,354.

Keystone

Enormer Wachstumsmarkt

Der Kanadier Milos Raonic und der US-Mann Jack Sock decken heuer das nordamerikanische Segment ab, der Argentinier del Potro Südamerika. Nick Kyrgios wäre (vor seiner Sperre) der Mann für den australischen Kontinent gewesen. Im Fall von Kei Nishikori betrifft das fast den gesamten asiatischen Raum, der punkto Tennis immer noch als enormer Wachstumsmarkt gilt. Wenn dann mit Nishikori noch ein Spieler nahe an der absoluten Weltspitze steht, dann ist die Konstellation fast perfekt.

Für das Basler Turnier sind die direkten finanziellen Auswirkungen nicht messbar. «Aber natürlich ist es für jeden Werbepartner interessant, wenn er weiss, dass seine Marke in Asien zur Kenntnis genommen wird», bemerkt Daniel Chambon, der in Basel für die internationale TV-Vermarktung zuständig ist. Dass Nishikori, wie gestern, erst um 19 Uhr Schweizer Zeit, antritt, dürfte in dieser Woche eine Ausnahme bleiben. Um den japanischen TV-Zuschauern das Leben etwas zu erleichtern, werden die Partien ihres Lieblings auf Wunsch der TV-Sender jeweils schon auf den Nachmittag angesetzt.

3300 Meter Tennissaiten Die Spieler verbrauchen während des Turniers 3300 Meter an Tennissaiten, was der Distanz zwischen der St.-Jakobshalle und dem Barfüsserplatz entspricht. Damit lassen sich mehr als 300 frische Rackets bespannen, denn je nach Schlägertyp werden für die Bespannung zwischen elf und zwölf Meter Saite benötigt. Das Material kann dabei variieren. Rafael Nadal verwendet 100% Polyester, Roger Federer nutzt wie auch Novak Djokovic ein Hybrid aus Naturdarm und Polyester.
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6 offizielle Schiedsrichter 6 Hauptschiedsrichter sind auf den beiden Plätzen während des gesamten Turniers im Einsatz. Sie werden von 70 Linienrichtern, sogenannten Linesmen, unterstützt. Um alle Linien im Blick zu haben, sind immer neun Linesmen gleichzeitig auf dem Court, die wie auch die Ballkinder nach einer Stunde abgelöst werden.
2 151 985 Euro Preisgeld 2 151 985 Euro Preisgeld werden an den Swiss Indoors ausgeschüttet. Der Sieger bekommt alleine 387 100 Euro und damit mehr als die gesamte Doppelkonkurrenz (330 800 Euro). Zusätzlich gibt es für den Sieger auch 500 ATP-Weltranglistenpunkte.
9200 Zuschauer 9200 Zuschauer finden auf dem Centre-Court Platz. An neun Turniertagen strömten im letzten Jahr insgesamt 71 600 Tennisfans in die St.-Jakobshalle. Der Rekord aus dem Jahr 2012 liegt bei 72 300 Zuschauern. Man darf gespannt sein, wie sich das Fehlen von Roger Federer in diesem Jahr auf die Besucherzahl auswirkt.
10 000 Cüpli Tennis wird nach wie vor vom Flair der Reichen und Schönen geprägt. Champagner und Sekt stehen an der Tagesordnung. Schätzungen zu Folge werde im Laufe der Woche 10 000 Cüpli geleert.
Centre Court aus 275 Holzplatten Der Centre-Court ist ein riesiges Puzzle aus 275 Holzplatten. Die Platten werden zwischen den Turnieren gelagert und können zwei bis drei Mal wiederverwendet werden. Der blaue Farbbelag wird jährlich erneuert.
1300 VIP-Besucher 1300 VIP-Besucher werden pro Tag erwartet. Diese geniessen aus den Logen und dem Bereich direkt hinter den Grundlinien den besten Blick aufs Spielfeld und haben unter anderem Zugang zum Tennisdorf und zum kleinen Village, wo schon so manches Geschäft abgewickelt wurde.
60 Ballkinder 60 Ballkinder im Alter zwischen elf und 16 Jahren, die jedoch nicht grösser als 1,65 Meter sein dürfen, sind an den Swiss Indoors im Einsatz. Im Laufe des Turniers werden die besten ausgewählt, die dann im Final auf dem Platz stehen dürfen. Ob Roger Federer in diesem Jahr trotz sportlicher Abstinenz nach dem Final die traditionelle Pizza mit den Ballkindern verspeist?
4500 Tennisbälle 4500 Tennisbälle der Marke Head wurden vom Veranstalter bestellt. Diese wiegen zwischen 56 und 59,4 Gramm und kommen in 43 Einzelpartien, 16 Doppelpartien und im Training zum Einsatz. Während der Partien sind für die ersten sieben Games und dann immer für neun Games jeweils dieselben sechs Bälle im Spiel, ehe sie ausgetauscht werden.
8000 Logiernächte 8000 zusätzliche Logiernächte bringen die Swiss Indoors der Stadt Basel. Während der Turnierwoche ist rund jeder vierte Basler Hotelgast ein Besucher des Tennisspektakels in der St.-Jakobshalle. In der Nacht vor dem Final wurden in den letzten Jahren jeweils mit Abstand die meisten Logiernächte im Oktober registriert. Dennoch ist die Hotellerie in Basel während des Turniers nur zu 72% ausgelastet. Dieser Wert liegt aber immerhin 3% über dem Oktoberschnitt.

3300 Meter Tennissaiten Die Spieler verbrauchen während des Turniers 3300 Meter an Tennissaiten, was der Distanz zwischen der St.-Jakobshalle und dem Barfüsserplatz entspricht. Damit lassen sich mehr als 300 frische Rackets bespannen, denn je nach Schlägertyp werden für die Bespannung zwischen elf und zwölf Meter Saite benötigt. Das Material kann dabei variieren. Rafael Nadal verwendet 100% Polyester, Roger Federer nutzt wie auch Novak Djokovic ein Hybrid aus Naturdarm und Polyester.

Getty Images/iStockphoto

Nishikori gilt in Japan als absoluter Topstar, der alleine durch Werbeverträge geschätzte 50 Millionen US-Dollar jährlich verdient. In Basel sind elf japanische Journalisten akkreditiert, die jeden Schritt des 26-Jährigen beobachten. «Er gehört, zusammen mit einem in den USA spielenden Baseballer sicher zu den mit Abstand populärsten Sportlern unseres Landes», erzählt ein in London lebender, japanischer Medienschaffender, der auch extra wegen Nishikori nach Basel gereist ist. «Bei den Grand-Slam-Turnieren ist die japanische Medien-Delegation jeweils riesig.» Bezeichnend ist aber auch, dass beim Medientermin des Japaners in Basel vor Turnierstart nur ein einziger (Schweizer) Journalist anwesend war. Ausstrahlung hält sich ausserhalb seiner Heimat in engen Grenzen.

In seiner Heimat könnte sich Kei Nishikori hingegen nicht mehr frei bewegen. Wo immer er auftritt, ist der Rummel grenzenlos. Er sagte einst in einem Interview: «Wenn ich in Japan leben würde, könnte es verrückt werden. Es ist schwierig für mich in Tokio. Ich muss alles Mögliche tragen, um mich einigermassen frei bewegen zu können – Sonnenbrille, Hut, Maske.» Als Nishikori vor knapp drei Wochen bei seinem Heimturnier in der japanischen Hauptstadt in der zweiten Runde verletzungsbedingt aufgeben musste, da war das für den Anlass ein brutaler Rückschlag. Die Organisatoren waren am Boden zerstört.

Umso glücklicher ist man in Basel, dass der per Privatflugzeug angereiste Japaner hier gestern Abend sein erfolgreiches Comeback gab. Und die Zuschauer im fernen Japan haben sich vor dem Fernseher auch gefreut.