Dieser Beitrag, den Francisco Rodriguez vergangenen Spätsommer im sozialen Netzwerk «Instagram» teilt, wirkt wie eine Rechtfertigung. Ein Bild, das ihn mit Luzern-Sportchef Remo Gaugler zeigt, angereichert mit einem Hashtag und den Worten «Kein Zweifel».

Für Rodriguez ist dieser 31. August 2016 eine Erlösung – für viele Beobachter ein weiteres Exempel eines talentierten Fussballers, der den Lockrufen aus dem Ausland zu früh erlag und sich nun daheim wieder resozialisieren muss.

Denn als Rodriguez den FC Zürich im Sommer 2015 Richtung Bundesliga verliess, konnte man ihn sich 2017 an so manchen Orten vorstellen. Bloss nicht beim FC Luzern, zurück in der Super League.

Training beim Karate-Weltmeister

Rodriguez’ Aufstieg beginnt mit 18 Jahren beim FCZ. Er, dem nachgesagt wird, talentierter als seine älteren Brüder Ricardo und Roberto zu sein, spielt bald auch in der Europa League, und ein wenig später zählt er bereits zum Stammpersonal.

Cico nennen sie ihr schnuckeliges Talent in Zürich. Um körperliche Defizite auszumerzen, trainiert Rodriguez zu dieser Zeit wöchentlich mit Elson Kabashi, einem Karate-Weltmeister. Er nimmt Karate-Tugenden wie Ernsthaftigkeit oder Mut mit auf den Rasen. Bald sagt er Sätze wie: «Ich möchte die gleiche Karriere wie mein Bruder machen.»

Die Nachahmung gelingt ihm im Sommer 2015 zumindest geografisch formidabel. Rodriguez wechselt für rund 2 Millionen Franken nach Wolfsburg. Dorthin also, wo auch sein Bruder Ricardo spielt. Der deutsche Boulevard tauft ihn sogleich «Mini-Rodriguez».

Duell der Brüder: Francisco Rodriguez (l.) für den FCZ gegen Roberto Rodriguez für St. Gallen.

Duell der Brüder: Francisco Rodriguez (l.) für den FCZ gegen Roberto Rodriguez für St. Gallen.

Schwierigkeiten in der Bundesliga

Ob Trainer Dieter Hecking, Sportchef Klaus Allofs oder Francisco Rodriguez selbst: Alle sprechen sie in Wolfsburg von Zeit, die man sich einräumen müsse. Auch, weil alle wissen, dass zwischen Rodriguez’ letztem Einsatz in der Promotion League und dem Transfer nach Deutschland lediglich etwas mehr als 14 Monate liegen.

Die Realität heisst dann auch lange: zweite Mannschaft. Erst am letzten Spieltag der Hinrunde gibt Rodriguez seinen Einstand in der Bundesliga. Acht Minuten gegen Stuttgart. Wenig später verkündet Wolfsburg, dass Rodriguez zum Zweitligisten Bielefeld ausgeliehen wird. Das destruktive Spiel der Westfalen behagt ihm jedoch nicht. Trainer Norbert Meier fordert Rodriguez’ bessere Integration bei der Defensivarbeit. Bald wird klar: Der «Mini-Rodriguez» passt nicht hierhin. Womit wir wieder beim 31. August 2016 wären.

Rodriguez mag nicht reden

«Die Klubführung und der Trainer geben mir viel Vertrauen», begründet Rodriguez seinen Wechsel in die Innerschweiz an diesem Tag gegenüber der «Neuen Luzerner Zeitung». Und schiebt nach, dass das für einen jungen Spieler eben eminent wichtig sei. Er sagt das, um zu unterstreichen, dass er trotz seines Auslandjahrs noch immer vor allem eines ist: blutjung. Nach Monaten des Leidens lebt Rodriguez auch die vielleicht wichtigste Karate-Tugend vor: die Bescheidenheit.

In Luzern nimmt er eine Gehaltsreduktion in Kauf, um endlich wieder eine tragende Rolle ausfüllen zu können. Nach einer überschaubaren Hinrunde ist er nun auf bestem Weg dazu. Zuletzt traf er gegen die Young Boys und Thun. «Er kommt immer näher an das Niveau heran, das wir ihm zutrauen», sagte jüngst auch Luzerns Sportchef Remo Gaugler der «Neuen Luzerner Zeitung».

Rodriguez blüht in Luzern auf.

Rodriguez blüht in Luzern auf.

Reden will Rodriguez gegenwärtig jedoch nicht. Er richtet aus, dass er sich auf den Fussball konzentrieren wolle. Präziser auf das Cup-Spiel in Aarau am Mittwoch, wo der 21-Jährige wieder wirbeln wird.

Ob er das nächste Saison immer noch in Luzern machen wird, ist noch offen. Sein Vertrag in Wolfsburg endet erst im Sommer 2018, die Norddeutschen scheinen einem Verkauf nicht abgeneigt. Nur muss sich der FC Luzern das dann auch noch leisten können. Sportchef Gaugler sagt dazu: «Wo ein Wille ist, ist häufig auch ein Weg.»