Die von Kanute Mike Kurt, Fechter Fabian Kauter und IT-Spezialist Philipp Furrer lancierte Crowdfunding-Plattform hat sich längst als neues Schwergewicht im Schweizer Sport etabliert und in einem rasanten Tempo entwickelt. Wenn es nach den Ideen des Solothurners Mike Kurt geht, ist damit noch längst nicht Schluss.

Eine Begebenheit illustriert die Bedeutung, die Kurts Projekt inzwischen erlangt hat. Im Spätherbst 2016 setzte sich der ehemalige Weltklasse-Kanute bei der Wahl in den Exekutivrat von Swiss Olympic gegen Kandidaten von deutlich grösseren Sportverbänden durch. Mike Kurt verdiente sich sein Glanzresultat nicht in erster Linie mit den Leistungen als ehemaliger Olympionike, sondern als Gründer von «I believe in you». Denn es gibt kaum eine Sportart in der Schweiz, die in den letzten vier Jahren nicht mit diesem Crowdfunding in Berührung kam.

Prominente Kunden

Das System ist einfach: Man lanciert ein Projekt, definiert den angestrebten Betrag und gibt eine vorgesehene Zeitdauer für die finanzielle Untersützung ein. Jeder Spender erhält eine – oft symbolische – Gegenleistung durch den unterstützten Sportler. Berater der Crowdfunding-Plattform helfen den Athleten, realistische Ziele zu setzen. Denn nur wenn der Betrag erreicht wird, steht das Projekt. Acht Prozent des Erlöses gehen für die intensive Beratung an «I believe in you», vier Prozent fallen für die Zahlungsabwicklung an, der Rest gehört zweckgebunden dem Sportler. Oft entstehen dadurch langfristige Beziehungen mit den Geldgebern.

Mike Kurt im Einsatz an den Sommerspielen 2012 in London

Mike Kurt im Einsatz an den Sommerspielen 2012 in London

Athleten finanzieren ihre Vorbereitung für die Olympischen Spiele, ein junger Mountainbiker erhält auf diesem Weg ein neues Velo, ein Leichtathlet kann dank dem Crowdfunding ins Trainingslager nach Südafrika. Zwei Dinge sind den unterschiedlichen Ansätzen bislang gemein: Geld fliesst ausschliesslich projektbezogen und die Erfolgschancen sind aussergewöhnlich hoch. Mit einer Realisierungsquote von rund 88 Prozent ist «I believe in you» die weltweit erfolgreichste Crowdfunding-Plattform. Auch prominente Vertreter des Schweizer Sports setzen auf diese Art von Geldbeschaffung – etwa Leichtathletik-Europameister Kariem Hussein oder der Fussballclub GC.

Wachstum von 40 Prozent

Der Erfolg spricht sich herum. Mit einer Wachstumsrate von jährlich über 40 Prozent entwickelt sich die Plattform rasend schnell. 7,6 Millionen Franken hat man bisher mit über 1000 erfolgreichen Projekten in mehr als 100 Sportarten alleine in der Schweiz gesammelt. Inzwischen kümmern sich mehr als zehn Angestellte um die Betreuung der Athleten und Abläufe der Projekte und «I believe in you» hat auch Ableger in Österreich und Norwegen.

Mike Kurt betont selber, dass die Plattform besonders von einer Begebenheit «profitiert», die ihn früher als Vertreter einer finanzschwachen Randsportart gestört hat. «In der Schweiz wird Sport als Privatsache betrachtet», sagt er. Hier engagiert sich der Staat in deutlich kleinerem Masse als etwa in den Nachbarländern. Herr und Frau Schweizer sind aber durchaus bereit, sich privat zu engagieren. Und nirgendwo scheint dabei die Glaubwürdigkeit höher als bei «I believe in you». «Dass zwei Schweizer Spitzensportler dieses Projekt repräsentieren, hat sicher stark zum Erfolg beigetragen», sagt der 37-jährige Kurt. Es wirkt authentisch.

Ausbau der Möglichkeiten

Mit der Unterstützung eines ganz konkreten Traums eines Athleten entsteht eine «enorme emotionale Bindung» findet Kurt. Der Solothurner sieht weiteres Entwicklungspotenzial. Zum einen geografisch in der Westschweiz, wo die Realisierungsquote noch klar tiefer liegt als in der Deutschschweiz. Zum anderen mit neuen Formen des finanziellen Engagements. Die Geldbeschaffung von Athleten für die Olympischen Sommerspiele 2016 erhielt mit dem Titel «Road to Rio» und der Zusammenarbeit mit der Sporthilfe und Swiss Olympic einen kollektiven Auftritt.

Der Solothurner Olympia-Teilnehmer Mike Kurt startet in Baden an der Schweizer Meisterschaft.

Der Solothurner Olympia-Teilnehmer Mike Kurt.

Der Solothurner Olympia-Teilnehmer Mike Kurt startet in Baden an der Schweizer Meisterschaft.

Für die Sportler wird «I believe in you» neu auch zum digitalen Gönnerverein. Man kann Athleten nun über ein einzelnes Projekt hinaus mit wiederkehrenden Spenden begleiten. Mit dem Partner Aldi baute man jüngst das «Aldi-Sport-Team» auf und bietet so künftig zwölf Nachwuchssportlern als Förderung einen monatlichen Zustupf an. Kurt ist offen für weitere Zusammenarbeiten und sieht ein grosses Potenzial.

Der Solothurner weiss aufgrund der Erfahrungen aus den letzten vier Jahren: «Hier ist eine sehr starke Community für den Schweizer Sport entstanden.» Über 50 000 Personen haben schon gespendet, einige von ihnen bei mehr als 50 Projekten. Für Mike Kurt muss sich diese Erfolgsgeschichte beinahe anfühlen wie ein Olympiasieg.