Rugby-WM

Kampf ums Bier: Warum an der Rugby-WM helvetische Prinzipien über Bord geworfen werden

Der Klassiker begeistert die Massen: Wenn Australien gegen die Fidschiinseln spielt, stehen die eingefleischten Rugbyfans liebend gerne früher auf.

Während der Rugby-Weltmeisterschaft in Japan herrscht in den Pubs hierzulande schon früh am Morgen Hochbetrieb. Trotzdem bleibt die Rugby-Kundschaft ausgesprochen friedlich und gesittet - sofern man denn über englisches Fluchwort hinwegsehen kann.

Haben Sie Ihre Zähne schon einmal mit Whisky geputzt? Und dann mit einem grossen Schluck Guinness gespült? Hoffentlich nicht. Das Bundesamt für Gesundheit rät dringend davon ab. Und Ihr Zahnarzt vermutlich ebenso.

Die Fragen sind trotzdem nicht aus der Luft gegriffen und besitzen sportliche Relevanz. Wer nämlich dieser Tage seinen Hund frühmorgens an einem Irish Pub vorbeiführt, reibt sich verwundert die Augen: Zu einer Zeit, zu der normalerweise sogar die härtesten Biertrinker von Kaffee und Gipfeli träumen, herrscht an der Theke Stossverkehr und auf den TV-Schirmen Kampf auf Biegen und Brechen.

Was bloss ist in die Schweizer gefahren? Ist die Gesellschaft schon so tief gesunken, sind die Sitten derart verroht, dass der Apéro vor dem Frühstück beginnt? Alle, die das Schlimmste befürchten, seien hiermit beruhigt. Der Grund der morgendlichen Beizentour ist die Rugby-WM. Die findet momentan im Land der aufgehenden Sonne statt und ist in unseren Sphären am authentischsten im Kreis von trinkfesten Angelsachsen und Kelten zu erleben.

Engländer, Südafrikaner und Iren haben die Oberhand

Wer seine helvetischen Prinzipien über Bord wirft, im Büro eine fadenscheinige Entschuldigung (Arzt) deponiert und sich zu einem morgendlichen Barbesuch hinreissen lässt, erfährt Erstaunliches: zum Beispiel, wie viele Menschen sich um 6.00 Uhr für den «Klassiker» Australien – Fidschiinseln und gegen ihr Bett entscheiden.

Zwar ist die optische Ähnlichkeit mancher Fans mit ihren Idolen augenfällig, doch die Rugby-Kundschaft bleibt ausgesprochen friedlich. Trotzdem hält man sich als Aussenstehender besser zurück. Es muss nicht gleich jeder bemerken, dass man eigentlich keine Ahnung hat. Ein gelegentliches englisches Fluchwort oder ein kurzer Ausdruck der Freude können taugliche Integrationsmittel sein.

Wichtig ist ausserdem, sich über die jeweiligen Mehrheitsverhältnisse zu vergewissern: Engländer, Südafrikaner und Iren haben meistens die Oberhand. Aber vielleicht sind diese Informationen für Sie völlig belanglos. Vielleicht gehören Sie zu jenem Teil der Menschheit, der um 6.00 Uhr noch schläft. Vielleicht interessieren Sie sich nicht für Rugby und trinken lieber Orangen- statt Gerstensaft zum Frühstück. Ganz abwegig wäre das nicht.

sport@azmedien.ch

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