Leichtathletik

Kambundji sinnt auf Revanche für den verpatzten EM-Staffelllauf

Kariem Hussein und Mujinga Kambundji lassen sich zum EM-Abschluss im House of Switzerland feiern.keystone

Kariem Hussein und Mujinga Kambundji lassen sich zum EM-Abschluss im House of Switzerland feiern.keystone

Die Schweizer Aushängeschilder bei Weltklasse Zürich am Donnerstag heissen Mujinga Kambundji und Kariem Hussein. Im Gegensatz zu den Heim-Europameisterschaften vor rund zwei Wochen messen sie sich jetzt mit der Weltspitze.

Weltklasse allein genügt nicht. Kein anderes Leichtathletik-Meeting konnte in den letzten Jahren im globalen Vergleich so hochkarätige Teilnehmerfelder präsentieren wie Zürich. Dennoch blieb die Stimmung im Stadion oft sonderbar flau.

Zumindest dann, wenn nicht gerade Sprintstar Usain Bolt seinen Auftritt hatte oder die Stabhochspringerin Jelena Isinbajewa, wie bei der Austragung von 2009, einen neuen Weltrekord aufstellte.

Was fehlte, waren einheimische Stars. Manch einer trauerte den Zeiten nach, als André Bucher im Letzigrund für Begeisterungsstürme sorgte. Der 800-m-Läufer war in den Jahren 2000 und 2001 der letzte Schweizer Athlet, der im Hauptprogramm von Weltklasse Zürich siegreich war.

Dass es den Sprintstaffeln zuletzt mit nationalen Rekorden mehrfach gelang, einen emotionalen Schlusspunkt am Ende des Meetings zu setzen, konnte den Mangel an international herausragenden Figuren in der Schweizer Stadion- Leichtathletik nicht kaschieren. In diesem Jahr stehen die Vorzeichen besser.

Alle sind schneller als die Schweizer

Mit 400-m-Hürdenläufer Kariem Hussein und Sprinterin Mujinga Kambundji ist es an den Europameisterschaften im gleichen Stadion zwei Schweizer Athleten gelungen, mit ihren Auftritten landesweite Bekanntheit zu erlangen.


Hussein läuft zu EM-Gold

srf.ch

Hussein läuft zu EM-Gold



Am Donnerstag messen sich Hussein und Kambundji bei Weltklasse Zürich mit den – über den geschützten Rahmen Europas hinaus – Besten ihres Fachs. Dass ihnen dabei keine einfache Aufgabe bevorsteht, zeigt ein Blick auf die persönlichen Bestzeiten der Konkurrenz. Alle Gegner sind schon  schneller gelaufen als die Schweizer EM-Stars.

Kambundji, die im 100-m-Rennen nicht nur auf Europameisterin Dafne Schippers, sondern auch auf die Jahresschnellste Tori Bowie und die mehrfachen WM- und Olympiasiegerinnen Veronica Campbell-Brown und Allyson Felix trifft, hat keine Angst, abgeschlagen hinterher laufen zu müssen.

«Die Konkurrentinnen erreichen ihre besten Zeiten auch nicht in jedem Rennen.» Dies erst recht, als einige der Athletinnen in dieser Saison ohne Weltmeisterschaften oder Olympische Spiele nicht in der Form ihres Lebens sind.

Kambundji hingegen fühlt sich auch nach den Strapazen der Europameisterschaften nach wie vor fit. «Ich spüre einerlei Müdigkeit in den Beinen», sagt die 22-jährige Bernerin. «Auch während der EM hatte ich nie Muskelkater.»

Die Schweizer Rekordhalterin reiste letzte Woche nochmals für drei Tage zu ihrer deutschen Trainingsbasis nach Mannheim. «Dabei ging es vor allem darum, die gute Form zu erhalten.»

Wenn Wind und Temperaturen  mitmachen, traut sich Kambundji durchaus nochmals eine Verbesserung ihrer Bestmarke von 11,20 Sekunden aus dem EM-Halbfinal zu. «Ich bin diese Saison noch nie bei optimalen Bedingungen gelaufen.»

Hussein mit Risiko

Auch Europameister Kariem Hussein, der im Gegensatz zu Kambundji bei Weltklasse Zürich erstmals im Hauptfeld startet, geht selbstbewusst ins Rennen. «Ich kann nicht erwarten, dass ich in diesem Feld gewinne, aber auch die Gegner müssen zuerst einmal laufen», sagt der 25-jährige Thurgauer, der unter anderem gegen Olympiasieger Felix Sanchez und Weltmeister Jehue Gordon antritt.

«Ich werde sicher etwas mehr Risiko eingehen als an der EM.»  nzwischen ist Hussein auch wieder ausgeruht, nachdem er in den ersten Nächten nach seinem EM-Triumph nicht zur Ruhe kam. «Obwohl ich nicht das Gefühl hatte, emotional aufgedreht zu sein, habe ich jeweils lange keinen Schlaf gefunden.

Kambundji wird mit der Frauenstaffel gar zu einem zweiten Einsatz kommen. Dabei will sie sich für ihr Missgeschick im EM-Final rehabilitieren. «Es tat mir so leid für meine  Teamkolleginnen und den Trainer, dass ich ihre Chance zerstörte », sagt die Startläuferin des Quartetts, das sich Revanche geschworen hat.

«Wir wollen den Schweizer Rekord verbessern», sagt Kambundjis Staffelkollegin Ellen Sprunger. «Wir wissen nicht, wann wir wieder einmal alle so gut in Form sind.» Gelingt dieses Vorhaben, ist es vielleicht doch wieder die Staffel, welche im Letzigrund für den emotionalen Höhepunkt sorgt.

Kambundji verliert den Stab an der EM

srf.ch

Kambundji verliert als Startläuferin an den EM den Stab

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