Super Bowl: Kabinett der Kuriositäten

Der Super Bowl zwischen den New England Patriots und den Los Angeles Rams von heute Nacht ist ein Fest der Superlative. Und in vielerlei Hinsicht auch ziemlich skurril.

Nicola Berger
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Ein Andenken für die Ewigkeit: Die Fans freuen sich auf den 54. Super Bowl. (Bild: Larry W. Smith/EPA (Atlanta, 2. Februar 2019))

Ein Andenken für die Ewigkeit: Die Fans freuen sich auf den 54. Super Bowl. (Bild: Larry W. Smith/EPA (Atlanta, 2. Februar 2019))

Wenn in Atlanta in der Nacht auf Montag (00.30 Uhr Schweizer Zeit, ProSieben, live ab 22.45 Uhr) in grellstem Scheinwerferlicht der 54. Super Bowl ausgetragen wird, geht es um mehr als nur darum, den Nachfolger für die entthronten New England Pat­riots zu finden. Eine Umschau in zehn Akten und Geschichten, wor­auf es sich zu achten lohnt.

Der Aufpasser der Los Angeles Rams. Man ist es sich aus den USA ja gewohnt, dass es wirklich nichts gibt, was es nicht gibt. Und doch staunt man über die Rolle von Ted Rath. Unter der Woche ist Rath als Athletiktrainer dafür verantwortlich, dass die Profis der Rams in Schwung bleiben. An den Spieltagen aber ist Rath dafür verantwortlich, dass der Cheftrainer Sean McVay nicht das Spielfeld betritt, was eine Strafe oder Busse zur Folge haben könnte. Man sieht Rath oft, wie er McVay an der Hüfte hält und sanft nach hinten dirigiert. Die Videoclips sind eine kleine Internetsensation geworden, stilvoll untermalt mit Tangomusik.

Rob Gronkowski. Eine der schillerndsten Figuren der Liga, was in der NFL etwas heissen will. Gronkowski (29) ist Tight End bei den Patriots und so etwas wie der Lieblingsadressat für Pässe des Quarterbacks Tom Brady. Gronkowski gilt als ungekrönter Partykönig der NFL, er hatte Affären mit Pornodarstellerinnen und Cheerleader, 2016 war er Patron einer rauschenden Kreuzfahrt auf die Bahamas, die so exzessiv verlief, dass sie danach nie mehr stattfand. Der Super Bowl könnte die Abschiedsvorstellung des Modellathleten werden: Er sinnierte wegen körperlicher Gebrechen schon im Vorjahr über den Rücktritt.

Die Schiedsrichter. Die NFL befindet sich ja in einer existenziellen Schiedsrichterkrise (siehe Ausgabe vom 20. Dezember 2018), die sich mit dem spielentscheidenden Fehlentscheid gegen die New Orleans Saints vor zwei Wochen noch einmal akzentuiert hat. In New Orleans war der Zorn auf die Unparteiischen so gross, dass sie im Hotel bedroht wurden und ihr Nachtquartier wechseln mussten. Auf den Super-Bowl-Referees um John Parry lastet grosser Druck – zumal es im Schiedsrichterdepartement nach der Saison zu personellen Wechseln kommen dürfte. Es gibt wenig Sportarten, die so schwierig zu arbitrieren sind wie American Football. Aber die NFL kann sich in Atlanta keine weiteren Fehler leisten.

Bill Belichick/Tom Brady. Dem Trainer/Quarterback-Duo, welches die unglaubliche Dynastie der New England Patriots aufgebaut hat, winkt der sechste Super-Bowl-Titel. Die beiden können sich in Atlanta unsterblich machen.

Die Werbespots. Der Super Bowl hat alleine in den USA mehr als 110 Millionen TV-Zuschauer. Die Preise für Werbespots sind dabei explodiert: 2007 kosteten 30 Sekunden noch 2,7 Millionen Dollar, in diesem Jahr verlangt CBS zwischen 5,1 und 5,3 Millionen. Nicht immer bringt die Aufmerksamkeit Erfolg: Es gibt mehrere Beispiele von Firmen, die ihr gesamtes Budget in diesen einen Clip investierten – und bald darauf Insolvenz anmelden mussten. Die oft sehenswerten US-Werbespots sind bei der Übertragung von ProSieben kein Faktor, sie werden nicht gezeigt.

Das Wettangebot. Der Markt für Sportwetten ist in den USA gerade liberalisiert worden, und eine Konsequenz davon ist ein breites Angebot an einigermassen irren Wettmöglichkeiten. Man konnte bei «Bovada» beispielsweise darauf wetten, ob im Mercedes-Benz-Stadium die Filiale der Fast-Food-Kette «Chick-Fil-A» geöffnet sein wird. Das Unternehmen ist im Besitz eines fundamentalistischen Christen, der gegen die Homosexuellen-Ehe ist und seine Restaurants am Sonntag geschlossen hält, «um Gott zu ehren». Wer auf «Nein» setzte, hat gewonnen, «Chick-Fil-A» bleibt auch am Super-Bowl-Sonntag geschlossen.

Die Verpflegung. «Chick-Fil-A» mag heute kein frittiertes Poulet servieren, doch in den USA werden am Super-Bowl-Sonntag 1,38 Milliarden Chicken Wings verputzt, wie das «National Chicken Council» verdankenswerterweise hochgerechnet hat.

Die Show. Rund um den Super Bowl ist alles ein grosser Zirkus, aber gemeint ist die Halbzeitshow. In diesem Jahr tritt Maroon 5 auf, eine belanglose amerikanische Pop-Gruppe, die ihre Pressekonferenz kurzfristig absagte – vermutlich, um nicht über den aus der Liga ausgeschlossenen und doch omnipräsenten Protestführer Colin Kaepernick sowie den grassierenden Rassismus in der NFL reden zu müssen.

Sean McVay. Der Coach der Los Angeles Rams ist mit 33 halb so alt wie sein Gegenüber Bill Belichick – und der jüngste Trainer, der je ein Team in den Super Bowl geführt hat.

Die Tickets. Beim ersten Super Bowl von 1967 kosteten die Tickets 10 US-Dollar – selbst wenn man die Inflation anpasst, sind das nur 76.77 Dollar, dafür kriegt man heute nicht einmal ansatzweise einen Parkplatz. Auf dem Schwarzmarkt werden die günstigsten Karten für 2800 Dollar gehandelt.

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