Ski alpin

Justin Murisier ist zurück – auch, weil er von Cuches Erfahrungen profitiert

Justin Murisier will wieder angreifen.

Justin Murisier will wieder angreifen.

Marcel Hirscher gewinnt den Riesenslalom in Val d’Isère, Ted Ligety erleidet eine historische Schlappe und Justin Murisier ist als Elfter schneller denn je. Sein Geheimnis? Die Methoden von Ex-Skistar Didier Cuche.

Didier Cuche ist zwar nicht mehr dabei. Und trotzdem fällt sein Name an diesem speziellen Tag in Val d’Isère, der schon verrückt beginnt – beinahe historisch: Ted Ligety verpasst den Einzug in den zweiten Lauf. Nicht durch Ausscheiden, sondern weil er schlicht zu langsam fährt. Fast zehn Jahre muss man zurückblättern, um einen Weltcupriesenslalom zu finden, in dem das letztmals der Fall war. Am 21. Dezember 2005 in Kranjska Gora wird der Amerikaner 33. Gestern ist es Rang 42. Der 31-Jährige schleicht sich durch den Hinterausgang aus dem Zielraum: kein Kommentar. Später ist zu vernehmen, dass ihn Rückenschmerzen plagen.

Didier Cuche war in jenem Rennen vor zehn Jahren auch am Start und schied aus. Doch nicht darum fällt sein Name. Es ist die Geschichte von Justin Murisier, die Cuche indirekt ins Spiel bringt. Murisier wurde einst als grösstes Schweizer Skitalent gehandelt, bevor ihn zwei Kreuzbandrisse im rechten Knie weit zurückwarfen. Gestern fuhr er in Val d’Isère auf Rang 11. Besser war der 23-Jährige im Weltcup im Riesenslalom nie klassiert. Dabei wäre fast alles anders gekommen.
Kurz nach dem Saisonauftakt in Sölden, den Murisier auf dem 15. Rang beendete, verletzt sich der Walliser im Training. «Ich dachte nur: schon wieder das Kreuzband», erzählt Murisier. «Schon wieder Reha.»

Lorimier unterstützt Murisier

Ganz so schlimm ist es nicht. Die Ärzte stellen einen Meniskusschaden fest. Eine Operation ist trotzdem nötig. Doch die Pause ist kürzer. Um möglichst schnell wieder in Form zu kommen, entscheidet sich der 23-Jährige, mit dem Privatcoach Florian Lorimier eine intensive Kraft- und Rehabilitationsphase zu durchlaufen. Drei Wochen schuften die beiden. Schon vor einer Woche in Beaver Creek steht Murisier wieder am Start, wird 23. Und nun also das beste Riesenresultat seiner Karriere.

Lorimier macht es möglich. Er war bereits massgeblich an den Erfolgen von Didier Cuche beteiligt. Ab 2001 arbeitete er mit ihm. Lorimiers Krafttraining war die Basis für Cuches Erfolge. Der Trainer bezeichnete sich einst selbst als knallhart. Die Physis sieht er als Grundlage für Erfolg. Videoaufnahmen im Internet zeigen, wie er Cuche an die Grenzen treibt. In einem Interview sagte Lorimier 2010: «Ein Teil unserer Methoden ist vertraulich und wird es bis zum Ende der Karriere von Didier bleiben. Aber später wollen wir unser Wissen mit anderen teilen.»

Nun also die Zusammenarbeit mit Murisier. Auf den Spuren von Cuche. Ist es der Beginn einer neuen Erfolgsgeschichte? «Ich hätte niemals gedacht, dass ein solches Resultat so kurz nach der Operation schon möglich ist», sagt Murisier.

Murisier: "Irgendwann sollten Siege möglich sein"
Nach schwierigen Jahren ist das Selbstvertrauen zurück. Lange plagten ihn Selbstzweifel, er haderte mit dem neuen Material. Nun scheint Murisier zurück auf dem Weg, den er vor genau fünf Jahren schon einmal eingeschlagen hatte. Damals wurde er im Slalom von Val d’Isère Achter. Es ist bis heute sein bestes Resultat im Weltcup. Damals ging es danach steil bergab, nun soll es weiter nach oben gehen. «Ich brauche bestimmt noch Zeit, aber irgendwann sollten auch Siege möglich sein», sagt Murisier und lächelt.

Der gelernte Forstwart hat noch viel vor. «Früher war ich nicht bekannt dafür, mich im Krafttraining ans Limit zu begeben, nun weiss ich, wie wichtig es ist, und arbeite härter als jemals zuvor», sagte er vor der Saison in Westschweizer Medien. Murisier profitiert von der lange geheimen Methode Cuche, die Lorimier nun weitergibt.

Zehn Jahre für Ligety, fünf für Murisier: Das gestrige Rennen war ein Blick in die Vergangenheit. Nur etwas ist wie so oft: Der Sieger heisst Marcel Hirscher. Mit seinem 16. Sieg im Riesenslalom lässt der Österreicher in der ewigen Bestenliste den Italiener Alberto Tomba hinter sich. Jetzt liegen nur noch Michael von Grünigen (23), Ted Ligety (24) und Ingemar Stenmark (46) vor ihm. Der 26-Jährige sagt dazu in seiner gewohnt lockeren Art: «Wenn ich nach meiner Karriere vor dem Kamin sitze und ein Glas Rotwein trinke, ist es Zeit, in die Rekordbücher zu schauen. Vorerst will ich nur schnell sein.»

Das gelingt dem Österreicher vorzüglich. Auch am Sonntag im Slalom ist er der Favorit.

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