Ski alpin

Justin Murisier allein auf weiter Flur im Schweizer Skizirkus

Justin Murisier holte für Swiss Ski auch in Val Gardena wieder einmal die Kohlen aus dem Feuer.keystone

Justin Murisier holte für Swiss Ski auch in Val Gardena wieder einmal die Kohlen aus dem Feuer.keystone

Ex-Riesenslalom-Star Michael von Grünigen sieht kaum Lichtblicke im Schweizer Team. Der Einzige, der einigermaßen Licht ins Dunkle bringen kann ist Justin Murisier.

Das Jubiläum «30 Jahre Alta Badia» löst Wehmut aus. Während Michael von Grünigen, Urs Kälin und Paul Accola als Ehrengäste Hochgefühle aus vergangenen Zeiten weckten, kassierte die aktuelle Riesen-Truppe eine weitere Schlappe. Für den einzigen Lichtblick sorgte einmal mehr Justin Murisier, der zum dritten Mal in die Top 15 fuhr. Sonst kam nur noch Gino Caviezel (21.) zu Weltcuppunkten. Selbst einer wie von Grünigen, zweifacher Weltmeister und 23-facher Weltcupsieger, schien bei einer Einschätzung des Ist-Zustandes fast überfordert: «Was soll ich sagen? Das Niveau war zwar sehr hoch, aber sie sind nicht gefahren wie von einem andern Stern. Da hätte es in den Spitzenrängen noch Platz gehabt.»

So konzentrierte sich MvG im Urteil auf jene, auf denen schon den ganzen Winter die Hoffnungen ruhen: «Murisier bot eine gute Leistung. Er wird seinen Weg machen. Auch der junge Loïc Meillard hätte ohne den Einfädler am letzten Tor ein gutes Resultat erzielt. Aber Caviezel kann mehr, als er gezeigt hat. Beim Rest der Mannschaft sehe ich kaum Fortschritte.» In der Tat blieben Pleisch, Tumler und Co. ein weiteres Mal den Beweis schuldig, dass mittelfristig mit ihnen gerechnet werden darf. Dann vielleicht eher mal mit von Grünigen junior, dem 20-jährigen Noël? «Vorläufig fährt er FIS- und Europacuprennen», dämpft MvG voreilige Erwartungen.

Knacks bei Loïc Meillard

So muss Swiss Ski mit dem auskommen, was da ist, wie Cheftrainer Tom Stauffer in Sölden mit einem leicht sarkastischen Unterton bemerkte. Immerhin, Murisier und Meillard sind Trümpfe, die in Bälde stechen werden. Murisier: «Ich kann noch nicht an die Top 5 denken und möchte Schritt für Schritt machen. Mein Knie war wieder geschwollen, aber es hat mich nicht gestört.» Im Schlussteil war er gar zweimal Schnellster. Und Newcomer Meillard: «Der Einfädler am letzten Tor ärgert mich. Sonst wäre ich 20. geworden. Einen Knacks gibt das schon, aber deswegen ist die Moral nicht gebrochen. Ich bekam bestätigt, dass ich schnell sein kann.» In Val d’Isère hatten ihm zur Qualifikation sieben Hundertstel gefehlt.

So wird die Männer-Nationalmannschaft zum dritten Mal im Weltcup der Neuzeit ohne einen Podestplatz in die Weihnachtspause gehen, wenn nicht am Dienstag in Madonna di Campiglio die Slalomfahrer über sich hinauswachsen. In der Krisen-Saison 2003/04 dauerte es bis Kitzbühel, ehe Ambrosi Hoffmann erstmals auf dem Podest stand. Und 2012/13 holte Carlo Janka in der Superkombination von Wengen den einzigen Podestplatz des Winters überhaupt.

Janka ist mit zwei 5. und einem 8. Platz neben Patrick Küng und Daniel Yule (je einmal 9.) überhaupt der einzige Schweizer, der es in die Top-Ten schaffte. So bleibt die Schweiz in der Nationenwertung auf dem 6. Platz sitzen. Die Frauen holten fast dreimal mehr Punkte als die Männer, Lara Gut allein deutlich mehr als das ganze Männerteam zusammen. Mit diesem Vergleich soll weniger die Schwäche des starken Geschlechts akzentuiert werden, als der Wert der Tessinerin, der – bei Swiss Ski und den Medien – nicht immer allen bewusst ist.

Hirscher zieht seine Kreise

Auch bei den Österreichern erscheinen nur drei im Klassement, aber einer zieht unbeirrt seine Siegesserie weiter. Marcel Hirscher feierte seinen 4. Saisonsieg und seinen 17. im Riesenslalom. Er nähert sich damit von Grünigen (23 Siege), der Ligety (24) im letzten Winter den Vortritt lassen musste. Nach seinem Absturz in Val d’Isère (nicht qualifiziert) steigerte sich der Amerikaner in Alta Badia wenigstens wieder – nach einem 10. Zwischenrang – auf Platz 4.

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